Futuristische Landschaften

Technik

Wer beim Begriff Stahlschrank das Bild eines klapprigen Gebildes vor Augen hat, bei dem die Türen mit schepperndem Geräusch ins Schloss fallen, sollte sich die Hightech-Schränke von C+P Möbelsysteme ansehen. Beteiligt an der Entstehung dieser Schränke sind auch mehrere RAS-Biegezentren.

06. Oktober 2016

Die C+P Möbelsysteme fertigt in Breidenbach vorrangig Büromöbel. Bereits vor fast 20 Jahren brachte C+P eine Büroschrankserie auf den Markt, die doppelwandig und mit einer innen liegenden Körperschalldämpfung versehen waren. Klopfte man dagegen, klang es mehr nach Holz als nach Metall.

Am Standort Gotha konzentriert sie sich auf hochwertige Garderobenschränke, wie sie in Fitnessstudios und Badelandschaften anzutreffen sind. Dass sich hochwertig immer noch einmal durch exklusiv toppen lässt, beweist ein Musterschrank im C+P-Showroom.

Diese Exklusivserie wurde vom Chef eines großen US-Sportartikelunternehmens dem Football-Team einer University gestiftet. Der Schrank hat eine extreme Breite, um die Körperprotektoren der Feldspieler verstauen zu können. Die oberen Fächer kippen dank Gasdruckfedern sanft nach unten, damit die Spielutensilien leicht entnehmbar sind. Eine integrierte Entlüftung und Ladestationen für das Handy ergänzen den Komfort des Schranks.

Am Standort in Breidenbach steht der Möbelhersteller diesen Möglichkeiten in nichts nach. Hier ist es die Technik der Konferenzräume, die den Trend zu neuen Produkten bestimmt. Aus Großraumbüros werden Bürolandschaften, die durch ihre Farben und Formen hervorstechen. Sie fördern ein ergonomisches Arbeiten, wie Teammeetings, durch integrierte Medientechnik.

Ausgangspunkt der Schränke ist die Blechfertigung, die beim Stanzen der Platine startet und durch verschiedenste Biegezentren fortgeführt wird, ehe die Einzelteile in der Pulverbeschichtung ihre individuelle Farbe erhalten. Hans-Heinrich Schneider, Leiter des Bereichs Maschineninvestitionen, beschreibt das so: »C+P bedient mit seinem Objektgeschäft, dem Einzelhandel und dem Versandhandel ganz unterschiedliche Märkte. Jeder Markt hat seine eigenen Anforderungen an Design, Funktion, Liefergeschwindigkeit und Preislage der Produkte.«

Auf diese Herausforderungen ist C+P bestens eingestellt. Das RAS-Biegezentrum kann beispielsweise nahezu jede flächige Schrankkomponente in einem Durchlauf vollautomatisch und mit hoher Passgenauigkeit biegen. Rolf Kaufmann, Produktdesigner und Maschinenspezialist in der Arbeitsvorbereitung, erklärt: »Wir sind immer bestrebt, unseren Produkten ein dem Zeitgeist angepasstes und edles Design zu verleihen. Derzeit sind scharfkantige Biegungen und schlanke Formen angesagt.«

Die Formensprache passt C+P den fertigungstechnischen Möglichkeiten an. So hat das Multibend-Center von RAS etwa bei hohen Bauteilen und wechselnden Biegerichtungen große Vorteile. Durch den freien Arbeitsraum auf der Biegewangenseite gibt es selbst bei langen Biegeschenkeln keine Begrenzungen durch Maschinenkomponenten.

Seine Vorzüge zeigt das RAS-Biegezentrum auch bei geschlossenen Profilen, die im Stahlmöbelbereich häufig anzutreffen sind. Die geschlossene Geometrie erspart zusätzliche Versteifungsprofile im Randbereich der Biegeteile.

Mit dem großen Freiraum vor den Werkzeugen und dem flachen Fuß des Oberwangenwerkzeugs können die Profile weit vorgebogen und anschließend durch die Oberwange zugedrückt werden. »Mit den geschlossenen Profilen konnten wir vielfach mehrere Einzelkomponenten in einem Biegeteil zusammenführen«, erzählt Tanja Hüster, Technische Leiterin.

Automatisches Rüsten

Durch den Ideenreichtum der C+P-Konstrukteure nimmt die Zahl der Produkte und Einzelteile weiter zu. Während die Produktvarianten steigen, sinken die Losgrößen. Das fordert flexible Bearbeitungsmaschinen mit Freiräumen um die Werkzeuge und frei ansteuerbare Bewegungen der Maschinenkomponenten.

Ein automatisches Rüsten der Werkzeuge erlaubt einen schnellen Produktwechsel. Bei einigen C+P-Produkten geht das hin bis Stückzahl 1. So etwa bei der Kitfertigung. Ein Feedersystem legt nacheinander alle Bleche eines Schranks in das Biegezentrum ein. Wenn nötig, setzt der Werkzeugwechsler die Oberwangensegmente zwischen jedem Biegeteil in Sekundenschnelle um und bereitet die Maschine auf das nächste Einzelteil vor.

Auf der Auslaufseite entlädt das Biegezentrum alle Einzelstücke der Reihe nach. Sie werden sofort zu einem Schrank zusammengesteckt und in einer Roboterzelle automatisch verschweißt. Bei schwierigen Biegeteilen und höherem Rüstaufwand setzt C+P jedoch immer noch auf eine Losfertigung mit kleinen Stückzahlen, die sich für solche Bauteile wirtschaftlicher darstellt.

Die große Anzahl neu hinzukommender Biegeteile fordert auch die Programmierabteilung bei C+P. Mit dem ›Bendex‹-Programmiersystem lassen sich Step-Dateien der Biegeteile per Drag and Drop in die Oberfläche der Software ziehen. Einfachere Biegeteile programmiert die Software automatisch mit einem Mausklick. Rolf Kaufmann bestätigt: »Bei vielen unserer Bauteile ist die Programmierung mit einem Wimpernschlag erledigt.«

Sind die Biegeteile sehr komplex, kann das erzeugte Programm mit Zusatzfunktionen ergänzt werden. Eine 3D-Simulation des Biegeablaufs zeigt im Vorfeld, ob sich ein Bauteil auf der Maschine herstellen lässt. Eventuelle Kollisionen lassen sind beispielsweise durch Veränderungen am Biegeteil oder am Werkzeug beheben.

Hans-Heinrich Schneider freut sich schon auf die vielen Herausforderungen, die durch den Export in neue Länder hinzukommen werden. »Schränke für Footballteams verkauft man in Europa eher selten«, schmunzelt er. »Durch unseren neu gegründeten Montage-Betrieb in Dubai ergeben sich weitere Anforderungen, wie etwa eine leichte Montierbarkeit der Produkte, die natürlich eine hohe Biegequalität und Wiederholgenauigkeit voraussetzt«, ergänzt Schneider.

Vielfältiges Stahlblech

Trotz vieler neu hinzukommender Werkstoffe ist für C+P der Werkstoff Stahl immer noch das Maß aller Dinge. Tanja Hüster: »Stahlblech ist vielfältig formbar. Die Gestaltungsfreiheit ist höher als bei Holzmöbeln. Zudem ist der Werkstoff recycelfähig und wartet mit Zusatzfunktionen auf, da er beispielsweise als Magnetwand nutzbar ist.«

Präsentationen, Videokonferenzen, Vernetzbarkeit von Konferenztischen, Teambesprechungsecken, Wireless-Handyladestationen – all das sind Produktanforderungen, die durch innovative Arbeitsweisen entstehen, worauf C+P Lösungen bietet.

Euroblech Halle 11, Stand B154

Erschienen in Ausgabe: 06/2016