Fußgängerbrücke renoviert

Die Peter Maier Leichtbau GmbH renovierte kürzlich die Wehrbedienstege am Hengsteysee. Aufgrund wirtschaftlicher Gründe wurde ein Abbruch und Neubau einer Sanierung vorgezogen. Die Demontage der alten Konstruktion und die Montage der neuen Brücke erfolgten während des laufenden Betriebs der Wehranlage.

02. August 2017
Ein in der Ruhr aufgebauter Schiffskran half, die Brückenteile aus- und wieder einzubauen. Ein Kranfahrzeug mit den üblichen Abmessungen konnte aufgrund des großen Abstands zum nächsten Kranstandplatz nicht eingesetzt werden. (Bild: Ruhrverband)
Bild 1: Fußgängerbrücke renoviert (Ein in der Ruhr aufgebauter Schiffskran half, die Brückenteile aus- und wieder einzubauen. Ein Kranfahrzeug mit den üblichen Abmessungen konnte aufgrund des großen Abstands zum nächsten Kranstandplatz nicht eingesetzt werden. (Bild: Ruhrverband))

„Viele Menschen im Ruhrgebiet schätzen den Hengsteysee als Naherholungsgebiet: zum Spazierengehen, Joggen, Radfahren oder Tretbootfahren“, erzählt Andreas Schiffmann, Projektleiter beim Ruhrverband. Die in den 1920er Jahren erbaute Anlage im Südosten des Ruhrgebiets wurde ursprünglich als Flusskläranlage errichtet, um das Flusswasser zu entschlammen.

Heute wird die Anlage zu Freizeitzwecken genutzt und dient zusätzlich zur Regelung der Wasserschwankungen, die durch das Köppchenwerk, ein Pumpspeicherkraftwerk, entstehen. Sie hat vier Wehrfelder sowie vier jeweils 30 Meter weite Öffnungen, die durch Walzen verschlossen sind und die Ruhr um 4,6 Meter aufstauen. Des Weiteren besteht die Wehranlage am Hengsteysee aus einem Kraftwerk und einer Schleusenanlage.

Zwischen Krafthaus und den einzelnen Wehrpfeilern sind zur Andienung der Warte und der Windwerke Wehrbedienstege gebaut worden, die ausschließlich durch das Anlagenpersonal genutzt werden. Der Steg ist eine genietete Fachwerkkonstruktion, die fast nur aus Winkelprofilen besteht. Der Sanierungsaufwand für die Stege war im Gegensatz zum Neubau nicht wirtschaftlich, weswegen sich die Verantwortlichen für einen Abbruch und Neubau entschieden haben.

Nach einer Auftragsausschreibung bekam das Angebot der Peter Maier Leichtbau GmbH (PML) aufgrund ihrer hochwertigen Arbeit und Kosteneffizienz den Zuschlag. Der Auftrag umfasste sowohl die Demontage der alten Konstruktion als auch die Herstellung sowie Montage des neuen Bedienstegs.

Der Verlauf der Brückenarbeiten

Das Projekt konkret: Vier Stahlbrücken à 30 Meter, die die einzelnen Pfeiler der Stauanlage verbinden, sollten gegen neue, witterungsbeständige Verbindungselemente aus Aluminium ausgetauscht werden. Dafür sollten die Wehrbedienstege abgehoben, an Land transportiert und entsorgt werden. Anschließend waren die Auflagertaschen mithilfe einer Stahlunterkonstruktion soweit aufzubauen, dass die neuen Alu-Brückenelemente mit den Auflagern antransportiert und aufgesetzt werden konnten.

„Aufgrund der Platzprobleme und des laufenden Betriebs der Anlage wurde dafür eigens ein Montagekonzept erstellt“, so Jürgen Best, Projektleitung für den Brückenbau bei PML. „Die Demontage und Montage der einzelnen Brückenelemente sollte nur Zug um Zug pro Wehrfeld erfolgen, da eine Zugänglichkeit zur Wehrwarte entweder von der linken oder rechten Uferseite immer möglich sein musste.“

Demontagen von Geländern oder Absturzsicherungen mussten immer im Zusammenhang mit der Neumontage des Geländers an der gleichen Stelle erfolgen. Außerdem musste gewährleistet sein, dass der zu sichernde Bereich zu keiner Zeit unbeaufsichtigt ohne Umwehrung blieb.

Große Herausforderung

„Die Herausforderung war“, erinnert sich Best, „die Brückenteile aus- und wieder einzubauen, obwohl ein Kranfahrzeug mit üblichen Abmessungen nicht eingesetzt werden konnte. Der Abstand zum möglichen Kranstandplatz war einfach zu groß.“ Die Lösung war ein extra angeforderter Schiffskran, der über die Straße in Einzelteilen an die Baustelle geliefert und vor Ort in der Ruhr aufgebaut wurde.

Bevor jedoch der Kran eingesetzt werden konnte, mussten die Brückenelemente aus ihrer starren Betonverbindung mit den Wehrpfeilern gelöst werden. Um eine zeitaufwendige Sanierung der Auflager in Vorbereitung auf die neue Konstruktion zu vermeiden, wurde die Betonoberfläche nach der Demontage von nicht tragfähigem Beton befreit. Anschließend wurde auf dieser Fläche eine Stahlunterkonstruktion befestigt, auf der das eigentliche Brückenauflager fixiert wurde.

Die Herstellung einer Aufständerung für die Auflager, sowie die aufwendige Vorarbeit, gewährleistete eine sichere Statik. Schließlich konnte der Kran die 30 Meter langen Brückenelemente nacheinander, beginnend mit dem ersten Wehrfeld auf der Herdecker Uferseite, aus ihrer Verankerung heben, über das Wasser schwenken und an Land ablegen.

„Anschließend wurden die jeweils 15 Tonnen schweren neuen Brückenteile am vorgesehenen Platz zwischen den Wehrpfeilern abgesetzt“, erläutert Best. „Die neuen Aluminiumelemente wurden zuvor in C-35 eloxiert, was für einen dauerhaften Korrosionsschutz sorgt.“ Die Systembrücke wurde montiert, auf Neoprengleitpolstern gelagert und über VA-Ankerschrauben mit den Stahlbetonfundamenten verbunden.

Optik des Vorgängermodells mit Technik von heute

Die neue Brücke sollte außerdem optisch der ursprünglichen Konstruktion gleichen. Daher sah das Konzept eine Trogbrücke mit höhenversetztem Laufweg aus Gitterrosten sowie Fachwerkträgern mit symmetrisch aufgeteilten Diagonalen vor. Der Obergurt der Brücke ist ein Durchlaufträger, der gegen seitliches Ausknicken elastisch gelagert ist. Die Querschnittsausbildung des Obergurts besteht aus einem stranggepressten Rechteckprofil und ist mit Queraussteifungen schubfest verbunden.

Der Untergurt besteht ebenfalls aus stranggepressten Rechteckprofilen – die Queraussteifung übernehmen die zwischen den Untergurten verschraubten Strangpressprofile. Die Ober- und Untergurte sowie die Diagonalen sind mit Knotenblechen aus Aluminium verbunden und bilden zusammen die tragenden Geländerfachwerke.

„Die Konstruktionshöhe der neuen Brücke war zwischen 2,2 und 2,7 Meter variabel“, führt Best aus. „Sie sollte allerdings eine niedrigere Aufbauhöhe als das Vorgängermodell haben, um eine größere Durchfahrtshöhe zu erreichen. Das konnte mit einer Reduktion um 50 Zentimeter erreicht werden.“

Die Lauffläche, die aus gelochten Edelstahlprofilen besteht, konnte gleichzeitig höher gesetzt werden. Dadurch ergab sich ein Zwischenraum unterhalb der Lauffläche, in dem Kabel sowie Wasser- und Abwasserleitungen mit Revisionsöffnungen in abgedeckten Kabelkanälen verlegt wurden.

Gute Zusammenarbeit

Die Geländerverkleidung aus feuerverzinkten, Duplex-pulverbeschichteten Füllstabgeländern aus Stahl, die mit einem Edelstahlhandlauf versehen ist, hat außerdem einen Taubenabweiser aus Spanndraht. Der Kostenpunkt des Umbaus beläuft sich auf eine Million Euro. Durch die gute Zusammenarbeit zwischen dem Ruhrverband, PML und den Nachunternehmern konnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden.