Für flinke Finger

Sicherheit

Sicherheit und Produktivität schienen bisher Widersprüche zu sein. Diese Zeiten sind durch das Sicherheitssystem ›Akas‹ von Fiessler für Abkantpressen endgültig passé.

16. April 2012

An die Sicherheit in der flexiblen Blechbearbeitung einer Serienfertigung von mittleren Losgrößen sind in der Regel hohe Anforderungen gestellt. Auf der einen Seite müssen die Anforderungen an einen sicheren Arbeitsplatz (siehe auch die Richtlinie 2009/104/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über Mindestvorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Benutzung von Arbeitsmitteln durch Arbeitnehmer bei der Arbeit) erfüllt werden. Der Arbeitsplatz muss so gestaltet sein, »dass bei der Benutzung die Sicherheit und der Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer gewährleistet sind« (siehe Kapitel II Artikel 3 RL 2009/104/EG).

Auf der anderen Seite ist es betriebswirtschaftlich notwendig, dass eine Sicherheitsmaßnahme die Produktivität einer Fertigung nicht maßgeblich reduziert. Anhand eines Praxisbeispiels wird in diesem Beitrag eine praxisgerechte Absicherung von Gesenkbiegepressen bei einem der weltweit führenden Spritzgießmaschinenhersteller, Arburg GmbH + Co. KG aus Loßburg im Herzen des Schwarzwaldes, vorgestellt.

Die Ausgangssituation

Arburg in Loßburg betreibt in der Abteilung Blechfertigung vier Hämmerle-Gesenkbiegepressen. Die Maschinen waren teilweise mit einem Zweihandpult ausgerüstet. Keine der Pressen besaß in der Ausgangssituation eine optoelektronische Absicherung. Je nach Alter wurden diese Maschinen entweder im Kombinationsbetrieb Eilgang mit Zweihandeinrückung und langsamer Schließgeschwindigkeit (Schleichgang v ≤ 10 mm/s) mit Fußpedal betrieben.

Durch die geänderten Forderungen der neuen Norm für hydraulische Gesenkbiegepressen EN 12622 ist eine Schließgeschwindigkeit über 10mm/s in neueren Pressen nur noch mit optoelektronischen Sicherheitseinrichtungen möglich. Aus diesem Grund wurde an den neueren Pressen (drei von vier) mit der Lösung v

Die Lösung

Das System Akas besteht aus einem Sender und einem Empfänger. Diese bilden ein mehrstrahliges optoelektronisches Laser-Lichtgitter. Beide Komponenten sind fest mit der Oberwange verbunden . Das Laser-Lichtgitter sichert den Bereich direkt unterhalb des Oberwerkzeuges und schützt den Bediener gegen das Einklemmen von Hand oder Finger zwischen abzukantendem Blech, Matrize und Oberwerkzeug.

Gleichzeitig kann mit Hilfe dieses Absicherungskonzepts sehr nah an der Biegelinie gearbeitet werden. Somit können die Bediener auch kleine Teile oder Teile, die nicht mit Auflage abgekantet werden, bearbeiten. Durch die Funktion ›Kastenbiegen‹ ist die Abkantung von Blechbiegeteilen mit unterschiedlichen Formen problemlos möglich. Zusätzlich ist mit diesem Sicherheitskonzept eine Umstellung der Biegegewohnheiten für den Bediener nicht notwendig. Dies hat sich bei der Umstellung der vier Hämmerle-Abkantpressen in der Akzeptanz der Maschinenbediener widergespiegelt.

Bediener müssen sich nicht umstellen

Bei voller Arbeitssicherheit können die Abkantpressen seit der Umrüstung im Eilgang mit einer Geschwindigkeit deutlich über 10 mm/s bis zum Umschaltpunkt (Mutepunkt) betrieben werden. Erst dann schließen die Pressen im Schleichgang. Dieser Umschaltpunkt kann bis auf wenige Millimeter in Abhängigkeit vom Nachlaufweg der Maschine und dem eingesetzten Akas-Typ eingestellt werden. In diesem Zustand bleibt das Akas aktiv, bis der Spalt zwischen Blech und Oberwerkzeug so klein ist, dass eine Gefährdung für den Maschinenbediener nicht mehr besteht.

Das Ergebnis der Nachrüstung mit diesem Sicherheitskonzept war eine Erhöhung der Produktivität bei gleichzeitiger Verbesserung der Arbeitssicherheit der vier Maschinen. Das System Akas sichert den Bereich direkt unterhalb des Oberwerkzeuges. Nach einem Werkzeugwechsel muss deshalb das System auf das neue Werkzeug eingestellt werden. Damit dies einfach und bedienerfreundlich durchgeführt werden kann, sind sowohl Sender als auch Empfänger an elektromotorisch betriebenen Supporten montiert. Eine Einstellung erfolgt mit Hilfe eines Dippschalters vollautomatisch auf das gewechselte Oberwerkzeug.

Das Akas der heutigen Generation ist mit einem neu entwickelten Support für Sender und Empfänger ausgerüstet. Maschinenspezifische Sonderlösungen können damit einfach realisiert werden. So wurde auch in den vier Abkantpressen bei Arburg eine Sonderversion mit verlängertem Support des Akas eingesetzt. Mit dem Abkantpressenabsicherungssystem Akas konnte Arburg die vorhanden Gesenkbiegepressen mit einem praxisgerechten Sicherheitssystem nachrüsten, das auch von den Bedienern akzeptiert ist. Zusätzlich wurde die Produktivität der Anlagen gegenüber dem bisherigen Sicherheitskonzept erhöht. Somit ist dies eine Sicherheitsinvestition, die sich über einen kurzen Zeitraum amortisiert.

Erschienen in Ausgabe: 03/2012