»Für Billiges bin ich nicht reich genug«

Technik

Wer in Qualität investiert, gibt nur zu Beginn viel Geld aus. Dagegen bleiben die Folgekosten gering. Selbst von einer gebrauchten, generalüberholten Qualitätsanlage kann man noch eine lange Restlebensdauer erwarten. So das Kalkül von Goran Šutalo, Gründer und Geschäftsführer von Color Emajl.

21. Mai 2012

Goran Šutalo gehört zu jenen Menschen, die es zu Wohlstand gebracht haben, ohne abzuheben. Obwohl Geschäftsführer eines schnell wachsenden 320-Mann-Unternehmens, wirkt er wie der Handwerker von nebenan. Wenn man mit ihm in seinem kroatischen Heimatort Po?ega im Herzen Slavoniens unterwegs ist, begegnen ihm die Menschen mit Respekt, aber ohne die geringste Scheu.

Das hat einen Grund: Vor 30 Jahren, Kroatien war noch jugoslawische Republik, war Goran Šutalo tatsächlich noch der Handwerker von nebenan: 1984 wurde er selbständiger Servicemonteur für Kühlaggregate. Zwei, drei Jahre später erkannte er einen erheblichen Bedarf an Ersatzteilen für Waschmaschinen, die er bald darauf selbst herstellte, wozu er ein kleines Emailwerk brauchte. Um 1990 herum hatten es Unternehmen in Jugoslawien nicht leicht, sofern die Lieferzeiten mehr als einige Tage betrugen, denn die Hyperinflation jener Jahre machte Preisvereinbarungen zum Glücksspiel. Goran Šutalo und andere lösten das Problem so: »Wir kehrten zum Naturaltausch zurück – oder griffen zur D-Mark.«

Vor 15 Jahren schließlich begann Šutalo mit der Herstellung von Rauchrohren und Kaminöfen. Mit Erfolg: Sein Unternehmen Color Emajl wächst schnell, etwa 25 Prozent waren es 2011, und dafür erhielt sein Chef – wieder einmal – eine hohe Auszeichnung seines Staates. Schon zuvor war Color Emajl mehrfach geehrt worden, 2009 etwa als erfolgreichstes Unternehmen Kroatiens.

Man sieht sich als Qualitätsanbieter, und deshalb wird man die Kaminöfen dieses Namens auch nicht auf dem Wühltisch eines Baumarktes finden, sondern nur in den Kaminstudios von Fachmärkten. Color Emajl liefert aber auch an andere Markenanbieter. Wichtigste Absatzregionen sind Skandiniavien, Frankreich und Deutschland. Folglich betreibt man im Westerwald eine Niederlassung.

Wer Qualität anbietet, muss auch Qualität einsetzen. Was die Auswahl seiner Anlagen betrifft, ist Goran Šutalo daher nur das Beste gut genug. Im Maschinenpark dominieren die Farben Lichtgrau und – in unterschiedlichen Nuancen – Dunkelblau; in Worten: Trumpf, EHT, Weil Engineering und neuerdings … Dazu kommen wir gleich.

Bis vor kurzem kaufte Color Emajl gerichtete Blechtafeln zu, die auf Laserschneidmaschinen zugeschnitten wurden. Diese Art der Beschaffung war aber teuer, und auch die Qualität unterlag gewissen Schwankungen. Also suchte man eine andere Lösung: Man rechnete und fand heraus, dass Bleche vom Coil im eigenen Hause zugeschnitten zum einen weniger kosteten, zum anderen der eigenen Qualitätssteuerung unterlagen.

Natürlich sollte auch diese Querteilanlage das Beste vom Besten und vor allem Haltbarsten sein: »Ich bin nicht reich genug für zwei Investitionen.« Andererseits hatte man sich Budget-Grenzen gesetzt, die man keinesfalls überschreiten wollte. Und die lagen ein ganzes Stück unter den Preisen mitteleuropäischer Das-Beste-vom-Besten-Anlagen.

Die Lösung kam aus Baden-Baden. Zwar war Arku in Slavonien nicht zuletzt aufgrund guter Referenzen schon länger als erstklassiger Hersteller von Bandanlagen bekannt, doch der direkte Kontakt kam erst auf der Euroblech 2010 zustande. Arku hatte gerade eine Kundenanlage zurückgekauft und generalüberholt. So konnte man Color Emajl eine praktisch neuwertige Anlage, qualitativ passend zum übrigen Maschinenpark, zu einem relativ geringen Preis anbieten, auch wenn der immer noch mehr als doppelt so hoch lag wie der der ›günstigsten‹ Anlagen. Ein weiterer Vorteil der Gebrauchten: Sie konnte kurzfristig geliefert werden.

Goran Šutalo reiste mit einigen Mitarbeitern nach Baden-Baden und erlebte eine überzeugende Vorführung: »Wir verließen Arku mit dem Gefühl: Das sind die besten Maschinen auf dem Markt.«

Die Arku-Anlage besteht aus: Coilladewagen mit Coilbahnhof, Einseitenhaspel bis 12 t Coilgewicht, Vorschubrichtmaschine mit 21 Walzen, ›6-high‹, Querteilschere und Abstapelanlage. Color Emajl baut derzeit fast 13000 Kaminöfen pro Jahr und so werden über 3000 t Material verarbeitet, von dem etwa 2500 t über die Arku-Anlage laufen. Das schafft sie derzeit noch mit einer Tagesschicht, aber der Zweischichtbetrieb ist fest eingeplant angesichts der aktuellen Wachstumsraten, zumal man verstärkt Lohnarbeiten annehmen will.

Bearbeitet werden auf der Anlage Bänder bis 1500 mm Breite und 4 mm Stärke, in der Regel handelt es sich um S355-Material.

Weil, so hatte Goran Šutalo in seiner Jugend gelernt, Vertrauen gut, Kontrolle aber besser ist, wird er wohl die Vorteile eines Servicevertrages nach Ablauf der Gewährleistungsfrist nützen. Dass der Arku-Service gut funktioniert und vor allem schnell zur Stelle, weil in der Nähe ist, konnte Goran Šutalo schon während der Inbetriebnahme feststellen. Bei Color Emajl erwartet aber nach den guten Erfahrungen im ersten Jahr niemand, dass man die Service-Mannschaft allzu oft – außer zu Routine-Stopps – rufen muss.

Nicht nur die Arku-Anlage, auch das Unternehmen als Partner erwies sich als sehr solide. Goran Šutalo: »Man spürte in jedem Moment die Erfahrung der Arku-Mitarbeiter im Schnittstellen- und Projektmanagement. Die Kaufabwicklung, die Abstimmung mit uns, die Anpassung der Anlage, die Aufstellung, ihre Integration in den Produktionsprozess, die Schulung: Alles lief rund – wie die Anlage selbst.«

Hans-Georg Schätzl

Erschienen in Ausgabe: 04/2012