Führung darf Spaß machen

Standpunkt

Prof. Martin Beck hält nichts von demonstrativer Sauertöpfigkeit.

01. Juni 2010

Führung ist ein ernstes Geschäft. Das wissen Führer und Geführte. Sie glauben auch, dass Sorgenfalten auf der Stirn die Ernsthaftigkeit beweisen, mit der eine Führungskraft ihrer Aufgabe nachgeht. Ernsthaftigkeit gilt hierzulande häufig als Basisqualifikation.

Wer als Chef morgens pfeifend die Werkstreppe hinaufspringt und womöglich am Abend immer noch pfeifend das Unternehmen verlässt, so die landläufige Meinung, kann ja wohl nicht mit dem gebührenden Ernst bei der Sache sein, oder?

Wo kämen wir hin, wenn Führung und Arbeit Spaß machten?! An Verantworiung trägt man gefälligst schwer, und einer Belegschaft voranzuschreiten ist schließlich anstrengend. Graue Haare und Sorgenfalten sind in diesem Sinne ein Seriositätsnachweis erster Güte. Dabei auch noch Spaß – das ginge zu weit nach dem weitverbreiteten Bild von Führung.

Lustvoll motivieren!

Diesem sauertöpfischen Bild muss heftig widersprochen werden! Ja, es ist sogar so: Wenn Führung nachhaltig und auf Dauer keinen Spaß macht, dann wird sie auch nicht wirksam sein. Martin Luther soll in seinen Tischreden den dazu passenden, wenngleich etwas rustikalen Satz gesagt haben: Aus einen traurigen Arsch könne kein fröhlicher Furz kommen! Schöner könnte es kein Motivationstrainer ausdrücken – höchstens feinfühliger. Der gute Luther war eben ein Praktiker und konnte viele Führer bei der Führungaarbeit beobachten. Eine Führungskraft, die morgens mit hängenden Schultern in den Betrieb schleicht, wird nun einmal kaum Begeisterung erzeugen und andere hinter sich scharen können.

Nun sind Anführer von Haus aus eher ernst als lustig, wenn sie ihre Aufgabe gewichtig betreiben und ihre Verantwortung bewusst wahrnehmen; das bringt die Rolle mit sich. Gleichzeitig gilt aber, dass ein verantwortungsbewusster und ernsthafter Führer, dem man ansieht und abnimmt, dass er seine Aufgabe mit Lust und Motivation ausübt, eine durchweg positive Wirkung erzeugt. Eine häufig zur Schau getragene Leidensmiene zieht die Untergebenen mental nach unten. Fröhliche Führungstätigkeit hingegen hat etwas Mitreißendes und Antreibendes an sich – man freut sich mit dem Chef und möchte sich am liebsten an seiner Aufgabe beteiligen.

Genau so funktioniert Motivation – im Lehrbuch wie in der Praxis. Ein Beispiel geben, vorangehen, aufmuntern, Ziele setzen und Ziele erreichen; Leute entdecken, gewinnen, mitnehmen und entwickeln. Eifrige loben und Faule tadeln, Schwächen ausgleichen und Stärken ausbauen – das ganze Spektrum der Führungsarbeit eben. Eine brillante Führungskraft ist Berater, Begleiter, Anführer, Kritiker und Lehrer in einen.

Wer diese bewährten Werkzeuge aus dem Führungswerkzeugkasten bewusst und gekonnt einsetzt, wird auch selbst Befriedigung im Job erfahren. Im fortgeschrittenen Fall sogar Freude! Ich gebe deshalb den Rat: Auch auf Führungsebene darf gelacht werden – und zwar nicht bloß aufgrund von Sarkasmus, sondern aus echter Überzeugung.

Kritischer Blick in den Spiegel

Nun sind Unternehmer im Regelfall keine Animateure und die Zeiten nicht immer lustig. Das wohl wahr. Dennoch: Ein kritischer Blick in den Spiegel empfiehlt sich von Zeit zu Zeit. Dominieren die Lachfalten, laufen die Dinge gut. Sehen Sie Ihr Konterfei überwiegend mit hängenden Mundwinkeln, läuft etwas schief.

Wenn Sie Wirkung erzielen wollen, wenn Sie Menschen und speziell Ihre Mitarbeiter für sich gewinnen und bei der Stange halten wollen, müssen Sie unbedingt an Ihrem Gesichtsausdruck arbeiten. Falls Sie den eigenen Augen nicht trauen, sollten Sie gute Freunde um den kritischen Gesichtsblick bitten. Jede Führungskraft sei für ihr Gesicht (gemeint ist natürlich der Gesichtsausdruck, nicht die subjektiv erlebte Schönheit) selbst verantwortlich. Ich empfehle Ihnen den diskreten Spiegelblick wärmstens.

Mit freundlicher Genehmigung des Unternehmermagazins ProFirma, Ausgabe 10/2009, Haufe Mediengruppe

Zur Peson

Diplom-Betriebswirt (FH) Martin Beck ist Unternehmensberater, Großhandelskaufmann und Honorarprofessor an der Hochschule Nürtingen.

Erschienen in Ausgabe: 03/2010