Frostige Zeiten

Hoffmanns Erwägungen

Da wird gemeckert. Ganz unabhängig vom Wetter. Der November war zu trocken, im Dezember und im Januar war es diesmal eindeutig zu warm.

01. März 2012

Früher waren die Weihnachten weißer, da ist man sich einig. Dann kam der Februar und mit ihm der überraschende Wintereinbruch. Ein Wintereinbruch mitten im Winter … damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Und überhaupt, dieser Schnee, in der Adventszeit ja zugegebenermaßen dekorativ, ist im Februar und März doch mehr als lästig.

Im Winter scheinen wir Menschen eine deutlich unangenehmere Spezies zu sein als im Sommer. Dabei ist die allgemein schlechte Laune doch deutlich übertrieben. Für einen Großteil der Bevölkerung bezieht der Winter im Jahr 2012 seinen Schrecken aus Unannehmlichkeiten wie morgendlichem Scheibenkratzen und etwas Stau auf verschneiten Straßen.

Und doch sitzen wir in unseren gut gedämmten Wohnzimmern, die von der Zentralheizung auf angenehmen 21 °C gehalten werden, essen frischen Salat und ›leckeres‹ Obst aus Spanien, während unten an der geräumten Straße die Standheizung das Auto für die ESP-behütete Fahrt ins ebenfalls wohlig warme Fitnessstudio vorheizt, wo wir uns unter der Höhensonne kräftig darüber ärgern können, dass es draußen schon wieder schneit. Doch woran liegt die schlechte Laune, wenn ein Großteil der Bevölkerung es durch die frostige Jahreszeit schafft, ohne auch nur einmal nasse Füße zu bekommen?

Ein Aspekt ist mit Sicherheit der Sonnenschein, der nachweislich glücklich und dessen Mangel unglücklich macht. Wie sehr es den Deutschen im allgemeinen nach Sonnenstrahlen dürstet, musste schon mancher britische Tourist vor der präferierten Sonnenliege am eigenen Handtuch erfahren. Doch die fehlenden Sonnenlicht-Endorphine allein sind es sicher nicht, die uns in die Winterdepression stürzen. Denn ebenso wie ein herzliches Lachen ansteckt, tut das auch ein miesepetriges Gesicht.

Also schenken Sie Ihren Mitmenschen ruhig öfter mal ein Lächeln, oder erzählen einen Witz, anstatt sich über kalte Finger zu ärgern! Noch vor wenigen Jahrzehnten bedeutete der Winter eine echte Einschränkung oder sogar eine Bedrohung für die Menschen, in weiten Teilen der Welt ist er das noch immer. Wir haben dem Winter in unserer Gesellschaft fast alle Gefahren und Widrigkeiten durch Erfindergeist, Einfallsreichtum und große Mühen abgetrotzt. Da sollten wir von Zeit zu Zeit ein warmes Lächeln in der kalten Jahreszeit auch noch hinbekommen.

Prof. Hoffmann

Erschienen in Ausgabe: 02/2012