Freie Kapazitäten für Zulieferteile

Die ungarische Wirtschaft wächst. Als Paradebeispiel für den Erfolg gilt die Hajdu-Gruppe mit Sitz in Téglás. In den vergangenen beiden Jahren hat Hajdu rund 14,5 Millionen Euro investiert. Etwa 3,5 Millionen Euro entfielen dabei auf zwei nagelneue Umformpressen von Walter Neff.

14. Juni 2018
Glanzstücke des Presswerks des ungarischen Unternehmens Hajdu sind die beiden Pressen von Walter Neff aus Karlsruhe. (Bild: Kuhn)
Bild 1: Freie Kapazitäten für Zulieferteile (Glanzstücke des Presswerks des ungarischen Unternehmens Hajdu sind die beiden Pressen von Walter Neff aus Karlsruhe. (Bild: Kuhn))

Ein Blick in das neue Presswerk der Hajdu-Unternehmensgruppe im ungarischen Téglás verrät: Hier wurde kräftig investiert und alles optimal geplant. Die Liste des modernen und großzügig geplanten Maschinenparks weist namhafte Fertigungseinrichtungen aus. Neben Pressen anderer Fabrikate finden sich dort zwei Umformpressen von Walter Neff – eine mit 8.000 Kilonewton und eine 12.500 Kilonewton Presskraft.

Die aktuellen Investitionen sind Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit mit Weitblick und reihen sich ein in den Aufstieg der Hajdu-Gruppe. Vor rund 65 Jahren als staatlicher Rüstungsbetrieb gegründet wurde das Produktspektrum ab 1957 Schritt für Schritt um die Herstellung von Haushaltsgeräten, wie beispielsweise Waschmaschinen, Wäscheschleudern und Warmwasserspeicher, erweitert. Das Unternehmen entwickelte sich mehr und mehr weg von der Rüstungsindustrie.

Heute steht die Firmengruppe auf den drei Säulen der Hajdu Hajdúsági Ipari AG (Warmwasserspeicher, wärmetechnische Produkte, Produkte zur Nutzung erneuerbarer Energien), der Hajdu Autotechnika Ipari AG (durch Metallbearbeitung, Blechumformung hergestellte Zulieferteile für die Automobilindustrie, Werkzeugkonstruktion, Werkzeugbau, Werkzeugwartung und Services) sowie der Hajdu Infrastruktúra Szolgáltató AG (Dienstleistungen für die beiden vorgenannten Produktionsbereiche sowie für externe Kunden im 220 Hektar umfassenden Hajdu Industriepark).

Bereits 1993 wurde das Industrieunternehmen – als eines der ersten in Ungarn – vom TÜV-Bayern nach ISO 9001 zertifiziert, hat mittlerweile aber auch schon die Zertifikate ISO 14001 und ISO/TS 16949. Der heutige Erfolg von Hajdu begann im Jahre 1994, als Lajos Novotni, Präsident der Hajdu-Gruppe, den ehemaligen Staatsbetrieb übernahm und erfolgreich privatisierte. Der rüstige Endsiebziger gab der Unternehmensgruppe mit seinen Ideen und Zielen, aber auch mit seinem Durchsetzungsvermögen ein neues Gesicht und europäische Wettbewerbsfähigkeit. Schon nach wenigen Jahren erreichte das Unternehmen mit der Sparte Autotechnika und der Fertigung von Zulieferteilen für namhafte Automobilhersteller und Tier-1-Lieferanten der europäischen Automobilindustrie Weltniveau.

Lieferant für große Autohersteller

»Wir selbst sehen uns als Tier-2-Lieferant, was wir auch auf absehbare Zeit bleiben werden«, sagt der besonnene und auch bescheiden wirkende Lajos Novotni. Mithilfe seiner Tochter Anna Novotni Dedéné, seinen beiden Söhnen und mit der motivierten Belegschaft von rund 215 Mitarbeitern hat Novotni es geschafft, zu einem Toplieferanten für umformtechnische Automobilteile zu werden. Das riesige Produktspektrum umfasst derzeit unter anderem Karosserieteile, Teile für Abgasanlagen, Sitzteile, Lichtmaschinenelemente sowie Werkzeuge zum Umformen und Stanzen für den eigenen, wie auch für den Fremdbedarf.

In diesem Zusammenhang verweist man in Téglás gerne und mit Stolz auf die eigene Entwicklungsstärke, wenn es um den Werkzeugbau und Zulieferteile geht. Dafür steht eine umfangreiche Konstruktions- und Entwicklungsabteilung zur Verfügung, die auf die modernsten und aktuellsten CAD-CAM-Systeme sowie Simulationstools, wie etwa AutoForm, zugreifen kann.

Auf der Kundenliste, die man gerne zeigt, stehen auch bekannte Namen wie Faurecia, Fémalk, Modine, Remy, Raba, sowie die Automobilhersteller VW und Mercedes Benz. Im nicht-automobilen Bereich gehören Unternehmen wie Grundfos zu den Großkunden von Hajdu.

»Der rasante Aufschwung von Hajdu Autotechnika«, konstatiert Lajos Novotni, »ist letztendlich auf unsere qualitativ hochwertige Fertigung und unseren zuverlässigen Kundenservice zurückzuführen. Um künftigen Anforderungen und einem gesteigerten Marktbedarf gerecht zu werden, haben wir in den Jahren 2015, 2016 und 2017 etwa 14,5 Millionen Euro investiert.« Zu diesem umfangreichen Investitionspaket gehören neben einer fast zu 100 Prozent autarken Infrastruktur auch mehrere neue Fertigungsanlagen.

Ein Blick in das neue Presswerk verrät, dass es sich unter anderen um zwei neue Doppelständer-Tiefziehpressen von Walter Neff in Karlsruhe dreht. »Mit den 8.000 Kilonewton und 12.500 Kilonewton starken Pressen können wir jetzt ein völlig neues Produktspektrum fertigen und dem Markt anbieten«, erläutert Novotni. »Damit lassen sich unsere Fertigungskapazitäten um ein Vielfaches erweitern«, ergänzt der Hajdu-Präsident.

»Auf Wunsch von Hajdu wurden die beiden Pressen nebeneinander angeordnet«, erklärt Oliver Dörmann, Geschäftsführer von Walter Neff. »So können Teile, die in mehreren Pressvorgängen hergestellt werden müssen, auf der einen Presse vorgepresst und auf der anderen fertiggepresst oder tiefgezogen werden«, ergänzt Dörmann. Die Pressen sind so ausgelegt, dass sie jeweils von beiden Seiten beschickt werden können. Überwiegend sind es Produkte aus Edelstahl- und Aluminiumlegierungen die Hajdu darauf fertigt.

Bei den beiden Pressen handelt es sich jeweils um Doppelständer-Tiefziehpressen in sowohl Monoblockausführung als auch geteilter Ausführung mit Werkzeugtischgrößen von 3.000 mal 2.000 Millimetern (8.000 Kilonewton) beziehungsweise mit 4.000 mal 1.800 Millimetern (12.500 Kilonewton) Tischgröße. Die Tischgrößen befinden sich bei beiden Pressen auf einem für Bediener komfortablen und ergonomischen Niveau von 750 Millimetern.

Was das Gewicht angeht, so bringt es die 8.000- Kilonewton-Presse auf etwa 115 Tonnen, die 12.500-Kilonewton-Presse schafft es dagegen auf etwa 215 Tonnen. Angetrieben werden die Pressen zum einen von zwei 132-Kilowatt-Motoren und zum anderen von zwei 200-Kilowatt-Motoren. Beide Pressen sind mit dem aktuellsten Equipment führender Komponentenhersteller ausgestattet, die SPS-Steuerung ist beispielsweise von Siemens, die Hydraulik von Parker und die Sicherheitseinrichtungen von Sick.

Über den Standard des modernen Pressenbaus hinaus wurden die Pressen unter anderem mit einer umfangreichen Nitrodynesteuerung in Verbindung mit federbetätigten Produktionswerkzeugen, einer elektromotorisch verstellbaren Vier-Punkt-Schnittschlagdämpfung, einer Regelung, hydraulischen Werkzeugspannern und mit einer für beide Pressen voll integrierten Wartungsplattform ausgerüstet. Jeweils in die Pressentische integrierte, hydraulisch einstellbare Rollenvorrichtungen sowie motorisiert fahrbare Rollentische sorgen dafür, dass der Werkzeugwechsel mit schweren Werkzeugen schnell und leicht vonstattengeht.

Reibungslose Inbetriebnahme

Erwähnenswert ist auch die Entsorgung von Stanz- und Schneidabfällen. Dazu ist im Keller, unter jeder Presse ein automatisches Sammel- und Fördersystem installiert. Dieses fördert die jeweiligen Abfallmaterialien direkt in einen Container außerhalb der Halle, mit dem es dem Recycling zugeführt wird.

Nach einer reibungslosen, komplikationsfreien Inbetriebnahme sind Lajos Novotni und sein Pressenexperte Mihály Kukucska, der sich mit der Pressentechnik bestens auskennt, davon überzeugt, dass die beiden Neff-Pressen zusammen mit den anderen Neuinstallationen Hajdu Autotechnika weiter voranbringen. Die ersten Kunden profitieren bereits von den erweiterten technischen Möglichkeiten von Hajdu. Die Weichen für weiteres Wachstum wurden damit gestellt.