Fliegende Untertassen und Bratpfannen

Irrtum!

Der Zweck der Raumfahrt war ursprünglich nur, die Teflon-Pfanne zu erfinden. Schon gut, wir glauben es ja! Nun, zumindest ist dieses Isolations-, Trenn- und Gleitmittel ein Abfallprodukt der Raumfahrt. Oder?

26. März 2010

An Teflon bleibt bekanntlich nichts hängen – außer Bratpfannen. Polytetrafluoräthylen (PTFE), so heißt es korrekt, verbindet sich weder chemisch noch physikalisch gerne mit anderen Stoffen und bildet sehr glatte Oberflächen. Es lässt sich leicht extrudieren und zerspanen. Seine guten Gleiteigenschaften kommen auch in pastösen und flüssigen Mischungen zur Geltung. Für dieses Wundermittel hat es sich doch gelohnt, zum Mond zu fliegen! Oder?

1957 piepste der Sputnik aus dem All, im gleichen Jahr verglühte die Hündin Laika, und 1961 umrundete Juri Gagarin die Erde. Die amerikanischen Antworten hießen 1958 Explorer, 1959 Able und Miss Baker (zwei Rhesusäffinen, die ihren Flug überlebten) und 1962 John Glenn. Zunächst war die Sowjetunion vorne, und die Amerikaner gewannen den Wettlauf zum Mond nur knapp – und sie hatten auch erst den ersten Mann auf dem Mond, als russische Trümmer dort schon fast 10 Jahre herumlagen.

Rcihtig!

Konnten die Amerikaner auch deshalb vorbeiziehen, weil sie mit PTFE das bessere Gleitmittel hatten? Eher nicht. Denn in den Apollo-Kapseln wurden Kabelisolationen aus PTFE eingesetzt. Und seit wann hatten sie dieses Teflon? Nun, seit 1938. Wie bitte? Genau! 1938 hat Dupont das Teflon entwickelt – irrtümlich erfunden von Dr. Roy J. Plunkett (der Mitte dieses Jahres 100 Jahre alt würde), denn gesucht wurde ein Kältemittel für Kühlschränke (Tetrafluoräthylen = C2F4).

Und Dupont hat auch die Namensrechte am Teflon, das 1941 patentiert wurde. Die Teflon-Pfanne wurde 1954 in Frankreich patentiert. Teflon ist also fast 20 und die Teflon-Pfanne immerhin drei Jahre älter als die Raumfahrt.

Weder ist Teflon ein Abfallprodukt der Raumfahrt noch umgekehrt.

Erschienen in Ausgabe: 02/2010