Fleißige Bienen mehr beachten

Führungskräfte konzentrieren sich bei ihrer Führungsarbeit oft auf die sogenannten High- und Low-Performer in ihrem Bereich. Eher wenig Beachtung schenken sie den Mitarbeitern, die schlicht ihre Aufgaben erfüllen. Dabei halten sie den Betrieb am Laufen.

05. Juni 2015

Die Aufmerksamkeit vieler Führungskräfte konzentriert sich im Betriebsalltag auf folgende Mitarbeitergruppen:

• die Low-Performer – also die Mitarbeiter, deren Arbeitseinstellung und -verhalten nicht den Erwartungen entspricht, weshalb man ihnen zuweilen „auf die Füße treten“ muss.

Und:

• die High-Performer – also die Mitarbeiter, die fachlich fit und hochmotiviert sind und bei Bedarf auch eigenständig neue Problemlösungen entwerfen. Denn diese Mitarbeiter sind meist recht selbst- und karrierebewusst. Außerdem fordern sie von ihren Führungskräften Information und wenn nötig Unter-stützung.

Die „fleißigen Bienen“ mehr beachten

Recht wenig Beachtung schenken die Führungskräfte hingegen meist den „grauen Mäusen“, die kompetent und ausdauernd sowie ohne große Forderungen zu stellen, ihre Arbeit verrichten. Sich mit diesen Mitarbeitern zu befassen, besteht für die Führungskräfte auch kein Anlass: Sie funktionieren ja.

Dabei bestünde hierzu Anlass. Denn die „grauen Mäuse“ oder treffender formuliert „fleißigen Bienen“ machen in der Regel mindestens zwei Drittel der Beschäftigten aus. Sie sind zudem zwar nicht das Herz und Hirn, aber das Rückgrat jedes Unternehmens. Also sollten Führungskräfte ihnen die verdiente Beachtung schenken – auch wenn es darum geht, die Leistung ihres Bereichs zu steigern.

Zum Steigern ihrer Leistung sind die „fleißigen Bienen“ meist fähig und bereit. Unter folgenden Voraussetzungen:

• Ihre Führungskraft nimmt die (Leistung der) „fleißigen Bienen“ wahr und wertschätzt sie,

• sie sucht den Dialog mit ihnen und

• ihre Erwartungen sind realistisch.

Realistische Forderungen stellen

Anders ist es, wenn Führungskräfte die „fleißigen Bienen“ mit überzogenen Forderungen konfrontieren wie: „Nächstes Jahr muss Ihr Output um 50 Prozent steigen“. Eine solche Forderung erleben die „fleißigen Bienen“ als Ausdruck mangelnder Wertschätzung ihrer bisherigen Arbeit; außerdem als ein Zeichen fehlender Rücksichtnahme auf ihre persönlichen Interessen. Denn sie wissen: Wenn ich diese Vorgabe auch nur annähernd erfüllen möchte, dann sitze noch spät abends hier, wenn mein Lebenspartner die Kinder ins Bett bringt. Also rebellieren und opponieren sie (innerlich). Das heißt, das Rückgrat der Organisation wird geschwächt.

Anders reagieren diese Mitarbeiter, wenn sich eine Führungskraft mit ihnen zusammensetzt und zum Beispiel sagt: „Herr (oder Frau) Maier, Sie haben bisher von 100 Angeboten im Schnitt 27 in Aufträge umgewandelt. Eine gute Quote. Erachten Sie es als möglich, im Schnitt 30 von 100 Angeboten in Aufträge umzuwandeln?“ Dann antwortet jede „fleißige Biene“: „unter gewissen Voraussetzungen ja“.

Die Voraussetzungen für mehr Leistung schaffen

Also muss die Führungskraft mit dem Mitarbeiter nur noch klären, was diese „Voraussetzungen“ sind. Das können die unterschiedlichsten Dinge sein. „Wenn ich besser im Verhandeln geschult wäre, ...“, „Wenn ich mehr Entscheidungsspielräume hätte, ...“ „Wenn ich ...“ Aufgabe der Führungskraft ist es dann, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen.

Tut sie dies, kann sie sich auf die „fleißigen Bienen“ verlassen – auch weil diese im Kontakt mit ihrer Führungskraft die Erfahrung gesammelt haben:

• Meine Leistung wird gewertschätzt.

• Mein „Chef“ fordert nichts von mir, was unrealistisch ist. Und:

• Er bietet mir die nötige Unterstützung.

Ungeachtet dessen sollte die Führungskraft am Ball bleiben – also die Mitarbeiter regelmäßig fragen „Wie läuft‘s? Schaffen Sie es?“. Und wenn das Signal „Nein“ oder „Ich weiß nicht“ lautet? Dann sollte sie dem Mitarbeiter das Angebot unterbreiten: „Lassen Sie uns noch mal zusammensetzen und ...“. Das ist wichtig! Denn selbst wenn die vereinbarten Ziele realistisch sind, dann setzt ihr Erreichen bei dem Mitarbeiter doch ein teilweise verändertes Verhalten voraus. Das heißt, er muss punktuell seine „Komfortzone“ verlassen. Das fällt vielen „fleißigen Bienen“ schwer. Also benötigen sie eine Unterstützung.

Die High-Performer stärker einbinden

Und hier liegt in der Regel das Problem. Spricht man mit Führungskräften hierüber, dann erwidern sie meist: „Zu einem so intensiven Betreuen so vieler Mitarbeiter fehlt mir die Zeit.“ Schließlich bilden die „fleißigen Bienen“ die Mehrzahl der Mitarbeiter. Teilweise lässt sich dieses Problem lösen, indem man den Führungskräften vermittelt: Auch sie müssen mehr Selbstdisziplin im Arbeitsalltag zeigen. Denn noch immer delegieren viele Führungskräfte (anspruchsvolle) Fachaufgaben nicht konsequent genug.

Dabei gäbe es meist Mitarbeiter, an die sie diese Aufgaben delegieren könnten: die High-Performer. Hierdurch würden die Führungskräfte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie würden entlastet, und den High-Performern würde eine Chance geboten, sich noch stärker zu profilieren.

Auch das Anleiten der „fleißigen Bienen“ könnten die Führungskräfte teilweise den High-Performern übertragen – zum Beispiel, indem sie aus einem High-Performer und zwei, drei „fleißigen Bienen“ ein Arbeitsteam bilden, das gemeinsam eine Herausforderung meistern soll. Auch diese Möglichkeit nutzen Führungskräfte noch zu selten, um darauf hinzuarbeiten, dass ihr Bereich im Unternehmen und ihr Unternehmen im Markt zu den Top-Performern zählen.