FH St. Pölten holt "Mariazellerbahn" vom Abstellgleis

Betriebssimulation zeigt das Potenzial der berühmten Eisenbahn

01. Dezember 2010

Die Mariazellerbahn rollt bald in eine betriebsame Zukunft - mit schnellerem Tempo, nostalgischen Dampfloks und einem Taktfahrplan. Diese Erfolg versprechenden Zukunftsaussichten sehen Wissenschaftlerinnen der Fachhochschule St. Pölten. Welche konkreten Maßnahmen zum Erfolg führen, analysierten sie anhand einer Betriebssimulation am Studiengang Eisenbahn-Infrastrukturtechnik. Dabei wurden die Auswirkungen von betrieblichen und baulichen Maßnahmen auf die geschichtsträchtige Mariazellerbahn simuliert - ganz ohne in den tatsächlichen Schienenverkehr einzugreifen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die berühmte Schmalspurbahn nicht nur für Nostalgiefahrten eignet, sondern sogar das Potenzial zur S-Bahn hätte. Über 21 Viadukte, durch 19 Tunnel, hinauf auf 890 Meter Seehöhe: Seit mehr als 100 Jahren bringt die Mariazellerbahn Pendlerinnen, Touristinnen und Pilgerinnen vom niederösterreichischen St. Pölten in den 84 Kilometer entfernten steirischen Wallfahrtsort Mariazell. Dabei gleicht die knapp zweieinhalbstündige Fahrt in der historischen Schmalspurbahn einer nostalgischen Panoramafahrt. Das liegt nicht nur an der malerischen Landschaft, sondern auch an der Infrastruktur und den Bahnhöfen. Diese wurden seit ihrer Errichtung in den Jahren der k. u. k. Monarchie wenig verändert und können ihr Alter nicht verbergen.

Wirtschaftlichkeit wissenschaftlich belegt

Jetzt steht die Übernahme der Regionalbahn durch das Land Niederösterreich bevor. Das bietet die Gelegenheit, sich über die Streckensanierung Gedanken zu machen. Dass diese sogar mit wirtschaftlicher Attraktivität einhergehen kann, zeigen Expertinnen der FH St. Pölten. Im Rahmen einer Bachelorarbeit am Studiengang Eisenbahn-Infrastrukturtechnik wurden dazu die Infrastruktur und der Betrieb dieser einzigartigen Bahnstrecke genauer unter die Lupe genommen. Auf Basis einer Betriebssimulation konnten Maßnahmenvorschläge entwickelt werden, deren Umsetzung der Mariazellerbahn als Nahverkehrsmittel und auch als Touristenattraktion mehr Bedeutung geben würden. So könnte die Mariazellerbahn in Zukunft für Pendlerinnen eine echte Alternative zum Straßenverkehr darstellen - und gleichzeitig Touristinnen und Wallfahrerinnen ein historisches Erlebnis aus dem Dampflokzeitalter in malerischer Landschaft bieten.

"Unsere Analyse zeigt, dass eine Modernisierung in zwei getrennten Stufen erfolgen kann. Das ermöglicht eine budgetgerechte Planung und Umsetzung. In einer ersten Stufe sollten gewisse Mindestanforderungen des modernen Fahrgastes erfüllt werden wie moderne Fahrzeuge und komfortable Haltestellen. Ein Taktfahrplan würde dann die Attraktivität der Bahn enorm steigern. Dazu sind bauliche Maßnahmen notwendig, die wir mit unserer Simulation klar definieren konnten. Durch eine optimierte Streckenführung wäre als zweite Stufe sogar ein S-Bahn-ähnlicher Betrieb möglich", erklärt Philipp Mackinger, Autor der Bachelorarbeit an der FH St. Pölten.