„Feste Klebe“

Klebetechnik: Optik, Haptik und Leichtbau beeinflussen z.?B. auch die Gestaltung von Mobiltelefonen und Handhelds. Gehäuse aus Metall treten zunehmend an die Stelle der typischen Kunststoffhalbschalen.

20. Januar 2009

Der Nachteil von Metallgehäusen statt Kunststoff: Herkömmliche Fügeverfahren zum Einbringen der Befestigungselemente können nicht eingesetzt werden, denn hier geht es um die geringen Wandstärken im Bereich von 0,2 Millimetern. Dipl.-Ing. Michael Stumpf, Produktmanager bei der Böllhoff Verbindungstechnik GmbH, Bielefeld: »Das Befestigungselement lässt sich nicht mehr mechanisch im Blech verankern. Die bekannten Schweißtechniken kommen dagegen nicht infrage, weil sie auf der Gehäusegegenseite sichtbar sind und somit die Optik der Bauteile negativ beeinflussen.« Bei der gemeinsamen Entwicklung stand die schnelle, prozesssichere Klebstoffaushärtung beim Klebprozess der klebgerecht gestalteten Verbindungselemente im Vordergrund.

Zwei Varianten

Aktuell werden zwei Varianten unterschieden — Onsert basic und Onsert plus. Bei Onsert basic kommt eine Gewindebuchse, die durch eine entsprechende Vergrößerung des Durchmessers im unteren Bereich über eine ausreichende Klebefläche verfügt, zum Einsatz. »Der dabei entstandene Hohlraum sorgt für reproduzierbare Klebschichtdicken und dafür, dass der Klebstoff die Fügeteilflächen vollständig benetzt«, erklärt der Böllhoff-Produktmanager. Das Plus: Überflüssiger Klebstoff sowie vor allem die eingeschlossene Luft entweichen durch eine Bohrung ins Innere des Verbindungselementes. Dabei werden das Gewindeelement und das entsprechende Grundblech in der Regel planparallel zueinander angeordnet. Selbst bei schrägen Flächen kommt das Fügeverfahren zum Einsatz: Gewindeelemente können winkelgenau auf Freiformflächen gesetzt und dann über die Lichthärtung sekundenschnell fixiert werden. Verwendet werden dualhärtende Acrylate, die über hohe Festigkeiten bei ausreichender Duktilität verfügen sowie schnell aushärten. Stumpf: »Die Vorrichtung steht danach sofort für die Montage eines weiteren Bauteiles zur Verfügung, denn das zeitintensivere Endaushärten kann außerhalb der Vorrichtung direkt danach oder zu einem späteren Zeitpunkt geschehen.« Eine echte Alternative ist das Onsert-Fügeverfahren nicht nur bei besonders geringen, sondern auch bei großen Wandstärken. Wird ein Gehäuse mit Material-Anhäufungen im Spritzgussverfahren hergestellt, kommt es an der Oberfläche häufig nach dem Erkalten zum optisch sichtbaren Schrumpf.

Neue Möglichkeiten

Bei Onsert plus stellt sich dieses Problem nicht. Befestigungselemente wie z.?B. Gewindeeinsätze der bewährten Amtec-Produktpalette werden mit transparentem Kunststoff ummantelt (Klebdom) und mittels lichthärtendem Klebstoffsystem nachträglich aufgebracht. Die Klebdome sind in verschiedenen Ausführungen wie beispielsweise mit Innengewinde, Bolzengewinde, Kugelbolzen oder Schnappverbindungen herstellbar. Onsert plus ermöglicht ein schnelles formschlüssiges Kleben auf optimierten Rippen am entsprechenden Bauteil. Als Alternative zu urformtechnisch gefertigten Domen bietet das System neue Designmöglichkeiten.

Erschienen in Ausgabe: 11-12/2008