Fertigung ohne Handbremse

Energie sparen Die Firma Brankamp zeigt, wie man Energieeinsparpotenziale durch die optimale Maschineneinstellung nutzen kann. Dazu gilt es etwa auch, die »angezogene Handbremse« an so manchem Stanzautomaten zu lösen.

06. Dezember 2006

Wenn heute über den Standort Deutschland gesprochen wird, führen die hohen Energiepreise mittlerweile zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen. Betriebe, die einen hohen Energieverbrauch durch den Maschinenpark haben, können durch eine Verbesserung der Maschineneinstellung und einer dritten Schicht Energie sparen und ihre Rentabilität und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Chefsache Energie

Der rationelle Umgang mit Energie wird immer mehr zur »Chefsache«, da der Energiekostenanteil an den Produktionskosten um mehr als 30 % reduziert werden kann. Bei der Prozessführung ist die richtige Maschineneinstellung dann gefunden, wenn das zu produzierende Teil in einer guten Qualität und mit einem geringen Energiebedarf hergestellt wird. Um den Prozess zu optimieren, muss dem Einrichter ein Hilfsmittel an die Hand gegeben werden.

Handbremsen lösen

Schon allein durch den äußerst kostengünstigen Einsatz der Einrichthilfe »EasyVision« an Stanzen kann der Einrichter erkennen, ob das Werkzeug der Presse während der laufenden Fertigung ungewollt auf den Stoppblöcken aufsetzt und die kostbare Energie ungenutzt und als unnötige Belastung für die Maschine direkt in den Rahmen »wandert«. Dieses führt auch zum frühzeitigen Verschleiß der Maschine. Neben der Energieeinsparung wird gleichzeitig die Standzeit des Werkzeuges erhöht und über die Visualisierung der Kraft über eine Kurvendarstellung auch eine Beobachtung des Maschinenverhaltens bei einer Hubzahlerhöhung ermöglicht. Hier liegen zum Teil ungenutzte Reserven in der Ausbringung bis zu 30 % und mehr. Über 90 % der Stanzen laufen mit »angezogener Handbremse« und haben dort erhebliches, ungenutztes Potenzial! Aus dieser Kraftmessung kann auch die tatsächlich benötigte Maschinenanforderung für das zu produzierende Teil abgeleitet werden.

Spartarife nutzen

Über die Arbeitsvorbereitung wird dann die richtige Zuordnung von Anforderung und Leistungskraft der Maschine festgelegt. Viele Teile werden an zu großen Maschinen mit unnötig großer Kraft gefertigt. Der spezifische Strombedarf ist bei geringer Auslastung um ein Vielfaches höher, als wenn die Maschine nahe der Auslastungsgrenze liegt. Die Überdimensionierung der Maschine bewirkt einen höheren Energiebedarf. Weiteres Einsparpotenzial liegt in der Struktur der Preiseinheiten für Energiekosten. Hier sind verschiedene Tarife anzutreffen. Der Preis pro Kilowattstunde unterscheidet sich deutlich durch den Zeitraum, in dem sie verbraucht wird. Man unterscheidet zwischen Hochtarif- und einer Niedertarifzeit. Die Niedertarifzeit gilt in der Regel von 22 Uhr bis 6.00 Uhr. In dieser Zeit kann die Kilowattstunde bis zu 60 % weniger kosten. Process-Monitoring-Systeme wie die PK4U von Brankamp ermöglichen eine Fertigung in dieser Zeit. Und das sogar in personalreduzierter oder unter Umständen sogar mannloser Zusatzschicht. Ganz »nebenbei« verbessert natürlich die dritte Schicht erheblich die Maschinenauslastung. Somit geht es nicht allein um die Senkung des Energieverbrauchs, sondern es sollte auch überlegt werden, ob die Produktionsprozesse mit dem höchsten Stromverbrauch ohne nennenswerte Personalkosten in die günstige Niedertarifzeit verlegt werden können.

Resümee

In der Metallverarbeitung gibt es noch erhebliche Stromeinsparpotenziale, die je nach betrieblicher Situation zwischen etwa 10 bis 30 % liegen. Ein Teil davon kann durch einen Investitionsaufwand von 3.000 Euro zur Optimierung der Maschineneinstellung erzielt werden. Diese Investition kann auch die Ausbringung erheblich erhöhen. Auch die Erweiterung um eine dritte, personalreduzierte Schicht in der Niedertarifzeit wird durch verhältnismäßig geringe Investitionen möglich. Mittelfristig wird Energiesparen auch als Marketinginstrument und somit als wirtschaftlicher Faktor an Bedeutung gewinnen, da in der Zukunft ähnlich der Qualitäts-Audits die Öko-Audits einen gewichtigen Stellenwert erreichen werden.

Erschienen in Ausgabe: 12/2006