Fertigen und Reinigen in einem Aufwasch

Bei einem deutschen Zulieferer für die Automobilindustrie müssen filigrane Bauteile nicht nur gefertigt, sondern auch gereinigt und getrocknet werden – eine Herausforderung, die mit einem vollautomatischen Konzept gelöst wurde.

28. Oktober 2011

In der Automobilindustrie werden sicherheitsrelevante Komponenten eingesetzt. Diese müssen 100%ig zuverlässig sein. Die Teile werden gedreht, gebohrt, montiert und verpackt. Vor der Montage der Komponenten müssen die Teile gereinigt werden. Dabei muss sichergestellt sein, dass neben der Entfettung auch die Rückstände der vorangegangenen Fertigung auch aus feinsten Bohrungen und Zwischenräumen restlos entfernt werden. Nur so ist eine einwandfreie Funktion der Endprodukte zu gewährleisten.

Reinigen im fünf Sekunden Takt

Nach den Vorstellungen des Interessenten sollte in der Anlage zwischen einer Rundtaktmaschine der Firma Pfiffner und einer Montagemaschine eine Reinigungsmaschine eingereiht werden.

Bei dieser herkömmlichen Lösung werden die gefertigten Teile in Waschkörben gesammelt. Anschließend durchlaufen die Waschkörbe nacheinander einen Reinigungsprozess. Danach werden die gereinigten Teile wieder vereinzelt und der Montagemaschine zugeführt. Ein Konzept, wie es weit verbreitet ist.

Eine weitere wesentliche Herausforderung neben dem Wunsch einer vollautomatischen Lösung war die angestrebte Ausbringung von drei Millionen Teilen pro Jahr und die damit verbundene Taktung. Alle fünf Sekunden sollte ein vollständig montiertes Teil die Anlage verlassen.

Mit diesem Anforderungskatalog wandte sich der Endkunde an SLE. „Um den zusätzlichen logistischen Aufwand für das Ein- und Ausschleusen der Waschkörbe zu umgehen und somit eine Verbesserung der Reinigungsqualität zu erzielen, schlugen wir unserem Interessenten ein Inline-Reinigungs-Konzept vor, das ihn überzeugte“, so Wolfgang Wiederer, Vertriebsingenieur bei SLE.

Rundtaktmaschine mit integrierter Reinigungskammer

Basierend auf der Rundtaktmaschine der Baureihe Hydromat HB 32/16 von Pfiffner konzipierte SLE ein auf die Anforderungen des Interessenten maßgeschneidertes Reinigungssystem.

Zunächst wird die Rundtaktmaschine über ein Magazin automatisch mit Stangenmaterial bestückt. An 16 Stationen mit 24 Bearbeitungseinheiten sowie einem 16-teiligen Rundschalttisch mit einer möglichen Schaltzeit von 0,7 Sekunden werden die Teile in einem Durchgang vollständig gefertigt.

Direkt im Anschluss an die Fertigung durchlaufen die einzelnen Teile im Takt der Fertigungsmaschine die integrierte Reinigungskammer. Die kompakte Bauweise der 640 x 400 x 300 mm (LxBxH) große Reinigungskammer ermöglicht nicht nur eine vollständige Integration, sondern reduziert auch den Platzbedarf des Systems.

Die Reinigung erfolgt über 6 Hochdruckdüsen, die stationär in der Kammer und in den Bauteiltransport integriert sind. Die Hochdruckpumpe kann in einem Druckbereich von 10 bis 100 bar betrieben werden. Im Trocknungsbereich werden die Fertigteile mit Warmluft abgeblasen und über Zyklonabscheider abgesaugt. Das Ergebnis ist ein vollständig gereinigtes und trockenes Fertigteil, das den Reinheitsanforderungen gemäß VDA BAND 19 entspricht.

Die vollautomatische Funktion des Systems wird begünstigt durch den Verzicht auf eine zusätzliche Handhabung der Teile, wie es beim Einsatz von Waschkörben notwendig gewesen wäre.

Standzeitverlängerung und Qualitätssicherung

Als Reinigungsmedium kommt temperiertes VE-Wasser ohne chemische Zusätze zum Einsatz.

Um die Standzeit des Reinigungsmediums zu verlängern, verfügt das System über verschiedene Aufbereitungseinrichtungen. Dazu zählen ein Schwerkraftölabscheider sowie eine effektive Partikel-Filtration. Dadurch ergeben sich auch Einsparungen beim Wasser, Abwasser und Energieverbrauch.

Das Gesamtsystem wurde vor einigen Monaten in Betrieb genommen und läuft störungsfrei. Bernd Aicher, Gebietsverkaufsleiter bei Pfiffner ist von dem Konzept überzeugt: „Die neue, vollautomatische Lösung ist ein Beweis dafür, dass durch Aufgeschlossenheit und Flexibilität immer wieder innovative Lösungen geschaffen werden können.“