Federleichtes Handling

Technik Handhabung

Aus jährlich etwa 100000 t Zink stellt Rheinzink unter anderem Fertigprodukte wie Dachdeckungs- und Dachentwässerungssysteme sowie Fassadenverkleidungen und Baugruppen für Solaranlagen her. Auch eine Handhabungsaufgabe.

01. Oktober 2012

Rheinzink wurde 1966 von den Unternehmen Grillo, Stolberger Zink sowie den Vereinigten Deutschen Metallwerken in Datteln am Rande des Ruhrgebiets gegründet. Als erster Bauzinkhersteller Europas ersetzte Rheinzink das traditionelle Paketwalzverfahren durch die kontinuierliche Breitband-Gieß-Walz-Straße. Heute ist Rheinzink ein weltweit tätiges Unternehmen des Grillo-Konzerns. In werkeigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen wird permanent an der Verbesserung der Prozess- und Fertigungsqualität gearbeitet. Zudem entstehen im Konzern praxisgerechte Produktneuheiten, die sich durch wirtschaftlichen Einsatz auszeichnen, etwa indem sie die Montage erheblich vereinfachen und dauerhafte Funktionssicherheit sichern. Das Elektrolyt-Feinzink hat einen Reinheitsgrad von 99,995 Prozent und wird unter der Zugabe exakt definierter Anteile an Kupfer und Titan in einem einzigen kontinuierlichen Arbeitsgang geschmolzen, gegossen und in gleichmäßiger Materialgüte als Coil auf eine Stahlhülse gewickelt. Aus diesem gleichnamigen Produkt Rheinzink werden unter anderem Zinkdachrinnen unterschiedlicher Formen und Längen gefertigt.

Ergonomischer Umschlag

»Unsere bis zu 6 m langen Dachrinnen«, erläutert Ingo Klingbeil, Technische Planung und Instandhaltung bei Rheinzink, »sind eine Besonderheit, die vom Handwerk wegen ihrer hohen Qualität bevorzugt werden. Die Dachrinnen werden in der Produktion zum Fünferpack gebündelt und automatisch in Spezialpaletten abgelegt. Per Gabelstapler gelangen sie mit 4 bis 6 m Länge in den Versandbereich. Dort packen wir sie in Versandpaletten um, vereinzeln sie und legen sie in transportsicheren Packlagen ab. Diese Umschlagsaufgaben fallen zwar nur stundenweise an, doch zum Umstapeln wurden wegen der Länge und des Gewichts – etwa 40 kg – immer zwei Männer gebraucht. Mit jedem Paket, das umgeschlagen wurde, mussten sich die beiden immer tiefer bücken. Auch diese Tätigkeit wollten wir im Rahmen der Gesundheitsprophylaxe erleichtern. Der rege Lissmac-Außendienst gab uns dazu die richtigen Hinweise: Herr Roelle stellte uns ein transportables Handhabungsgerät vor – genau das, was wir suchten. Wir konnten es sofort einsetzen. Auch andere Mitarbeiter nutzen es gern an anderen Stellen.«

Einfaches Bedienen

Beim mobilen Handhabungsgerät von Lissmac handelt es sich um einen stehenden Knickarmmanipulator ›Posimat PB 160‹, der auf einen eigenstabilen Ständerblock montiert ist. Auf dem Ständerblock befinden sich Gabeltaschen, sodass sich das mobile Handhabungsgerät per Gabelstapler sicher transportieren und unfallfrei umsetzen lässt. Nachdem man das Gerät auf den gewünschten, markierten Platz abgesetzt hat, wird es waagerecht ausgerichtet. Dazu trägt der Ständerblock fest installierte Wasserwaagen. So sichert man den festen, unverrückbaren Stand auf der Absetzfläche.

Der Posimat PB 160 arbeitet pneumatisch mit 6 bar Arbeitsdruck. Man muss ihn nach dem Ausrichten nur mit dem Druckluftnetz verbinden, und er ist sofort betriebsbereit.

»Lissmac«, hebt Ingo Klingbeil hervor, »lieferte das Handhabungsgerät entsprechend unseren Wünschen komplett mit dem Lastaufnahmemittel und in einer Speziallackierung.« »Zur Aufnahme der Dachrinnenpakete«, erläutert Andreas Suntinger, Vorarbeiter im Versand, »fahre ich die 2,90 m lange Lasttraverse so über das Dachrinnenpaket, dass ich ungefähr die Mitte treffe. Zur Lastaufnahme besitzt die Lasttraverse insgesamt zwölf Vakuumsauger. Die passen sich zuverlässig an runde, unebene Oberflächen an. Die Vakuumsauger sind federnd aufgehängt, lassen sich verschieben und an der gewünschten Position festklemmen. So lässt sich ein Sauger schnell aus dem Bereich der Bandagierung eines Dachrinnenpakets verschieben.«

Der stehend auf dem Ständerblock montierte Posimat PB 160 bietet einen gegenüber dem fest verankerten Handhabungsgerät um etwa 600 mm reduzierten Arbeitsradius von 2000 mm. Auch die Standardtragfähigkeit von 160 kg am Greifer wurde reduziert auf maximal 90 kg. Mit den Handgriffen des Bedientableaus führt Andreas Suntinger die Lasttraverse über das Dachrinnenpaket und setzt das Gerät mittig auf. Per Knopfdruck wird in den Saugern ein Vakuum erzeugt und die Last mit der Traverse verbunden. Die zweikreisig aufgebaute Vakuumerzeugung erfolgt durch Venturidüsen.

Sichere und zuverlässige Handhabung

Beim Anheben der Last wiegt die automatisch arbeitende pneumatische Waage in Sekundenbruchteilen das Umschlagsgut und signalisiert der Steuerung, welcher Gegendruck im Pneumatikzylinder aufzubauen ist. Manuell geführt, schwebt die Last praktisch schwerelos von der Produktions- zur Versandpalette. Der Bediener muss einzig für die horizontalen Bewegungen die Trägheitsmomente überwinden. Über den Servobedienbügel wird er zusätzlich beim Heben und Senken unterstützt. Bevor das nächste Bündel umgeschlagen wird, vereinzelt Andreas Suntinger die Dachrinnen.

Zu den primären Sicherheitseinrichtungen eines pneumatischen Handhabungsgeräts gehört ein ausreichend dimensionierter Druckluftspeicher. Sollte die Druckluftversorgung während des Handhabungsprozesses ausfallen, schließt ein Rückschlagventil, unterbricht damit die Verbindung zum Druckluftnetz und versorgt den Hubzylinder so lange, bis das Gut sicher abgelegt ist. Auch der Unterdruck in den Saugern bleibt so lange erhalten, bis das Handhabungsgerät entlastet ist. Solange die Traverse die Last trägt, verhindert eine Sicherheitsschaltung deren Lösen. Nicht zuletzt gehört zur Grundausstattung eine Überlastsicherung. Sie verhindert die Überschreitung der zulässigen Tragkraft. Die Sicherheitseinrichtung ist vor allem dann bedeutsam, wenn sich andere Mitarbeiter das mobile Handhabungsgerät ausleihen. Insgesamt ist das mobile Handhabungsgerät bei den Mitarbeitern sehr gut angekommen – sogar so gut, dass kürzlich noch ein zweiter PB 160 gekauft wurde.

Mobiler Knickarmmanipulator an der Zuschnittanlage

»An der Querteilanlage werden die gewalzten Zinkbleche gereckt, in Längsrichtung geschnitten und zu Blechtafeln in allen denkbaren Abmessungen quer geschnitten. Neben einer großen Anzahl von automatisch produzierten Standard-Blechen wird nach entsprechend abgestimmten Kundenwünschen eine Vielzahl an Sonderbreiten und Sonderlängen geschnitten«, erläutert Eckbert Meier, Meister im Zuschnitt, und fährt fort: »Das sind in der Regel lange, relativ schmale Platinen, die auf Sonderpaletten abgelegt werden. Diese Platinenzuschnitte werden abwechselnd auf Holzpaletten in zwei Stapelstellen gestapelt. Deshalb legten bislang zwei Mitarbeiter die Sonder-Holzpaletten manuell auf die leere Stapelstelle der Querteilanlage. Dabei wurden die Mitarbeiter nicht nur vom Palettengewicht, das bei etwa 40 kg liegt, belastet, sie mussten außerdem weit nach vorn greifen, um die Paletten richtig auszurichten und an den Anschlag zu bringen. Diese Arbeiten erledigen sich mit dem kürzlich gekauften, zweiten mobilen Handhabungsgerät vom Typ Posimat PB 160 viel einfacher.«

Der zweite PB 160 hat neben der Schneidanlage einen zugewiesenen und entsprechend markierten Platz sowie einen ebenso markierten Arbeitsplatz, der sich zwischen der Schneidanlage und dem Bereitstellplatz der Spezialpaletten befindet. Auch dieses mobile Handhabungsgerät lieferte Lissmac komplett mit dem Spezial-Lastaufnahmemittel.

Das Lastaufnahmemittel für die Spezialpaletten arbeitet ebenfalls pneumatisch und schließt den mechanischen Greifer mit Hilfe eines Pneumatikzylinders. Damit der Greifer exakt unter das Brett der Palette greift, trägt das Lastaufnahmemittel weiße Abstandshalter.

Mit der Investition der beiden mobilen Handhabungsgeräte, die nur diskontinuierlich genutzt werden, bekundet Rheinzink das Engagement für ergonomische Handhabungsprozesse, leistet damit einen wirksamen Beitrag zur Gesundheitsprophylaxe seiner Mitarbeiter und gibt sogleich auch älteren Mitarbeiter die Möglichkeit, ihre Erfahrungen möglichst lange ins Unternehmen einzubringen.

Peter Springfeld

Freier Fachjournalist aus Berlin

Euroblech Halle 11, Stand A14

Zahlen & Fakten

Lissmac, 1979 gegründet, entwickelte sich in drei Jahrzehnten vom reinen Baumaschinenhersteller zum internationalen Systempartner für hochtechnische Anlagen.

1997 produzierte Lissmac den ersten zur Serienreife entwickelten Schwerlastroboter mit 600 kg Tragkraft und 6 m Reichweite. Seit 2000 stellt Lissmac individuelle Handling-Systeme her.

Ab 2003 befasste sich das Unternehmen mit der innovativen Blechbearbeitung durch die Entwicklung einer eigenen, patentierten Maschinenreihe aus Stahlbürst-, Schleif- und Entgratmaschinen, unter anderem zur beidseitigen Bearbeitung von Innen- und Außenkonturen in einem Arbeitsgang.

Erschienen in Ausgabe: 05/2012