Fachkräfte in Industrie und Maschinenbau fehlen

85,2 Millionen Menschen fehlen der Wirtschaft bis 2030. Besonders betroffen: Deutschland, das mit knapp 630 Milliarden US-Dollar den größten Einnahmenausfall in Europa verbuchen muss. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von Korn Ferry.

29. Mai 2018
Während sich viele Menschen aufgrund der Digitalisierung Sorgen machen, ob sie künftig noch gebraucht werden, sieht die reale Situation am Arbeitsmarkt anders aus, sagt Dr. Thomas Haussmann, Senior Client Partner von Korn Ferry. (Bild: Korn Ferry)
Bild 1: Fachkräfte in Industrie und Maschinenbau fehlen (Während sich viele Menschen aufgrund der Digitalisierung Sorgen machen, ob sie künftig noch gebraucht werden, sieht die reale Situation am Arbeitsmarkt anders aus, sagt Dr. Thomas Haussmann, Senior Client Partner von Korn Ferry. (Bild: Korn Ferry))

„Während sich viele Menschen aufgrund der Digitalisierung Sorgen machen, ob sie künftig noch gebraucht werden, sieht die reale Situation am Arbeitsmarkt anders aus“, sagt Dr. Thomas Haussmann, Senior Client Partner von Korn Ferry. „Die Weltwirtschaft wächst immer weiter – das größte Hindernis sind fehlende Fach- und Arbeitskräfte.“

Der größten Einnahmenausfall in Deutschland ist für die Finanz- und Dienstleistungsbranche zu erwarten, gefolgt von Industrie und Maschinenbau. Dort werden rund 80 Milliarden US-Dollar aufgrund von 628.000 fehlenden Arbeitnehmern bis 2030 nicht realisiert werden können. Dem Technologiesektor fehlen bis 2030 196.000 Menschen, die für einen Einnahmeausfall von 31 Milliarden US-Dollar sorgen werden.

Bedarf besteht bei höher ausgebildeten Fachkräften

Thomas Haussmann sagt: „Ein Mangel in Deutschland existiert allerdings nur für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit höherer Bildungsqualifikation. Wer kein Abitur oder einen qualifizierten Berufsabschluss hat, hat am Arbeitsmarkt schlechtere Chancen. Das wird sich auch in den nächsten zwölf Jahren nicht ändern.“

So fehlen der deutschen Wirtschaft 2,5 Millionen Arbeitskräfte mit höherem Bildungsabschluss wie einem Universitäts- oder Fachhochschulstudium bis 2030 und 2,4 Millionen Arbeitskräfte mit einem höheren Schulabschluss wie Abitur oder Fachabitur. Dagegen steht ein Überschuss von Arbeitskräften mit niedrigerem Bildungsabschluss von 1,5 Millionen Menschen im Jahr 2020 und 1,1 Millionen Menschen im Jahr 2030.

„Das Thema Bildung bekommt angesichts dieser Zahlen erneut große Brisanz. Deutschland muss schleunigst die Voraussetzungen schaffen, noch mehr Menschen zu höherer Bildung zu verhelfen. Doch selbst wenn das geschieht: An einer geordneten Einwanderung von Fach- und Führungskräften wird kein Weg vorbei führen, wenn man diese Zahlen betrachtet“, sagt Haussmann.

Besonders entwickelte Märkte sind betroffen

Deutschland ist nicht das einzige Land, in dem besonders viele Arbeitskräfte fehlen. Vor allem die entwickelten Märkte werden in den nächsten zwölf Jahren immer größere Arbeitskraftdefizite zu spüren bekommen. In Europa folgen auf Deutschland die Volkswirtschaften des Vereinigten Königreichs (3 Millionen Arbeitskräfte zu wenig), Frankreich (1,5 Millionen) und die Niederlande (550.000).

 

Unternehmen können nicht auf die Politik warten

„Wer diese Zahlen liest, dem wird klar: Unternehmen und können und sollten nicht auf die Politik warten“, sagt Thomas Haussmann. „Der ‚War of Talents‘ ist keine Medienfiktion. Die Weltwirtschaftskrise hatte zunächst der Nachfrage nach Arbeitskräften einen Dämpfer erteilt, die starke Konjunktur der vergangenen Jahre hat diese Nachfrageschwäche jedoch deutlich schneller als damals erwartet korrigiert.“

Korn Ferry empfiehlt Unternehmen, stärker in die Qualifikation ihrer Arbeitnehmer zu investieren sowie Einsteigern rasche Fortbildungsangebote zu machen. Es wird künftig stärker auf Potenzial und weniger auf vorhandene Kompetenzen ankommen. Gleichzeitig sollten Unternehmen prüfen, in welchem Maße Fachkräfte aus dem Ausland angeworben und gebunden werden können. Und das nicht nur, um den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften zu decken, sondern auch, um Diversität zu fördern.