EU-Safeguards für Stahlkontingente ausweiten

Der Industrieverband Blechumformung (IBU) und die Fachvereinigung Kaltwalzwerke (FVK) fordern eine Ausweitung von in den EU-Safeguards für Stahl festgelegten länderspezifischen Kontingenten.

31. Juli 2019
EU-Safeguards für Stahlkontingente ausweiten
IBU-Geschäftsführer Bernhard Jacobs. (Bild: IBU)

Eine Kontingentanpassung würde nach Meinung der Industrieverbände »den Marktbedürfnissen gerecht werden und eine Störung der weltweiten Handelsströme vermeiden.« Für ihre Mitglieder sind vor allem die Stahlkategorien 4B und 1 relevant – primär Produkte aus feuerverzinktem Feinblech. Hier waren die zollfreien Einfuhrquoten aus China und Südkorea nach wenigen Monaten erschöpft.

Handelsumlenkungen sind aber nicht der Grund: Der Trend zu steigenden Importen von 4B-Produkten zeigt sich in EU- und US-Importstatistiken gleichermaßen. Als Ursachen im Bereich EU vermuten die Verbände Reaktionen auf die Einführung der Maßnahmen, Lieferengpässe und langfristige Verträge. Auch der Aufbau von Lagerbeständen und die Kontingentberechnung auf Basis veralteter Daten könnten Gründe sein.

Länderspezifische Quoten zu niedrig

Da die EU-Kommission die Quotenerschöpfung als Überprüfungsfrage einbezieht, unterstreichen IBU und FVK ihre Position zur Ausweitung der Einfuhrkontingente der Kategorie 4B und zur Verlängerung der Quoten. Dazu IBU-Geschäftsführer Bernhard Jacobs: »Es gab weder eine wesentliche Änderung der Umstände in der EU, die eine Reduzierung der Einfuhrquoten rechtfertigen würde, noch spielt die Wirkung der Handelsumlenkung eine Rolle. Wir fordern daher eine Erhöhung der länderspezifischen Quoten für China und Südkorea.«

Da diese nicht auf Kosten anderer Lieferländer erfolgen soll, müssten auch dort die Quoten steigen. Besorgt zeigen sich IBU und FVK auch über die Ende März strapazierten Kontingente der Stahlkategorie 1. Hier plädieren sie ebenfalls für eine Anpassung mit Blick auf die Bedürfnisse des EU-Marktes.

Schutzmaßnahmen: Überprüfung zu früh

Generell bewerten die Verbände den Überprüfungszeitpunkt nach rund vier Monaten für zu früh und den Beurteilungszeitrum für zu kurz. Dazu FVK-Geschäftsführer Martin Kunkel: »Zwölf Monate wären mindestens notwendig, um eine repräsentative Grundlage für die Überwachung der Einfuhrkontingente zu schaffen. Die Stahlnachfrage unterliegt zyklischen Schwankungen. Außerdem haben die Schutzmaßnahmenuntersuchung und die Unsicherheit über deren Ergebnisse das Verhalten der Marktteilnehmer Anfang 2019 beeinflusst.«

Handelsbeziehungen gefährdet

Die Schutzmaßnahmen gefährden den freien Marktzugang der stahlverarbeitenden Klein- und Mittelständler und ihre oft mühsam aufgebauten Handelsbeziehungen. Beide Verbände hatten sich daher bereits im Vorfeld dagegen ausgesprochen. Sie sahen keinerlei Gründe und befürchteten preisbeeinflussende Folgen für den Markt. Vor allem in den Kategorien 1, 2 und 4 zeigten die Ergebnisse der EU-Untersuchung vor Einführung der Safeguards keine ernsthafte Schädigung der EU-Stahlerzeuger.

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