Es geht um Watt

Meinungen aus der Inustrie

Noch vor wenigen Jahren war Energieeffizienz kaum Thema beim Kauf einer hydraulischen Presse. Heute ist sie in Lastenheften oft ein Muss. Wie ist hier der Stand der Dinge?

13. Oktober 2015

Noch vor wenigen Jahren machte in der Blechverarbeitung ein Gerücht die Runde: Hydraulikantriebe werden aussterben, weil sie laute und undichte Energieverschwender sind. Elektromotoren haben daraufhin den Pressenmarkt erobert, manche Automobilisten wie BMW schwören sogar auf vollelektrische Servotechnik. Doch die Hydraulikbranche hat ihre Hausaufgaben gemacht und baut für Pressen maßgeschneiderte Antriebe, die sich nicht nur mit der E-Technik messen können, sondern teilweise sogar die Nase vorn haben. So entscheiden sich viele Anwender nach wie vor für hydraulische Pressen, wenn sie Bleche schnell, präzise und energieeffizient bearbeiten wollen.

Manche Maschinenbauer fahren zweigleisig, wie die Lasco Umformtechnik GmbH, die neben elektrischen Servoantrieben in ihren Pressen auch auf Hydraulik Marke Einbau setzt. Dabei entstehen Highlights, die sich in Sachen Energieeffizienz zeigen lassen. Was sich an Energie einsparen lässt, zeigt ein Praxisbeispiel. Vor kurzem erhielt ein Automobilzulieferer eine schnelllaufende Presse mit Servodirektantrieb (40 Hübe pro Minute) als Ergänzung zum gleichen, bereits seit Jahren eingesetzten Maschinentyp mit hydraulischem Antrieb. Auf beiden Pressen stellt das Unternehmen mit den gleichen Werkzeugen Sitzschienen her. Der Vergleich der Anlagen, die bis auf die Antriebe identisch sind, erstaunte: Der Energieverbrauch sinkt um 30 Prozent. »Die neue Presse bietet dank des Servodirektantriebs deutlich mehr Funktionen«, so Vertriebsleiter Dr.-Ing. Stefan Erxleben. »Weil nur Servomotoren angesteuert werden, lässt sich die Maschine wie eine mechanische Presse betreiben. Sie kann also auch Kurven fahren.«

Nikolaus Fecht

Fachjournalist aus Gelsenkirchen

Erschienen in Ausgabe: 06/2015