Ersatz für gefährliche Druckluftlösungen

Mangels praktikabler und effizienter Alternativen werden Räume, Arbeitskleidung und Personen in staubintensiven industriellen Anwendungen bisher durch das Abblasen mit Druckluft gereinigt. Im Körperbereich darf diese Methode aber eigentlich gar nicht angewendet werden, da sie mit einem großen Gesundheitsrisiko verbunden ist: Die Druckluft kann bei unachtsamer Handhabung in Körperöffnungen gelangen und schwere innere Verletzungen verursachen, bei Wunden in der Haut kann sie sogar eine lebensgefährliche Luftembolie auslösen.

15. Mai 2013

Der auf industrielle Reinigungsvorgänge spezialisierte Hersteller Air Control Industries (ACI) hat nun eine Personen-Reinigungskabine mit eingebautem Abblassystem für Arbeitskleidung entwickelt, bei der dieses Risiko nicht mehr besteht.

Das System ist gebläsegetrieben und kommt daher mit einem Druck von nur 172 mbar aus, der für den menschlichen Körper ungefährlich ist. Die Reinigung in der Kabine ist dabei genauso schnell und gründlich wie die bisherigen Lösungen und zudem sogar 90 Prozent günstiger.

„Bei industriellen Anwendungen, in denen viel Staub anfällt, ist es notwendig, dass Mitarbeiter sich und ihre Kleidung von Verschmutzungen und Feinstaub säubern, bevor sie den Betrieb verlassen“, erläutert Carl-Joachim von Gehlen, Geschäftsführer der Carl von Gehlen Spezialmaschinen und Zubehör GmbH & Co. KG, die die ACI-Lösung in Deutschland vertreibt. Da die Methode effizient und schnell ist, werden in den Unternehmen zu diesem Zweck nach wie vor häufig Druckluftdüsen oder -pistolen eingesetzt, die oft auch in sogenannten Luftduschkabinen installiert sind.

Dabei ist allgemein bekannt, dass diese Reinigungsart ein großes Gefahrenpotenzial birgt und deshalb ihr Einsatz im Körperbereich eigentlich durch die Berufsgenossenschaften verboten ist: „Es kommt immer wieder zu schweren Augenverletzungen. Man muss sich hier nur vergegenwärtigen, dass bereits ein Luftdruck von nur 830 mbar ausreicht, um einen Augapfel aus der Höhle zu drücken“, so von Gehlen.

Wenn Druckluft versehentlich in den Mund geblasen wird, kann sie einen Riss in Lunge, Magen oder Darm verursachen. Dringt sie durch kleine Wunden unter die Haut, kann es zu plötzlichen Schwellungen ganzer Körperteile kommen und wenn die Luft in eine Vene gelangt, sogar zu einer tödlichen Luftembolie.

Angesichts dieser Risiken bemühen sich viele Unternehmen, eine Alternative zu finden: „In den letzten Jahren sind immer mehr Betriebe auf uns zugekommen und haben angeregt, eine Personen-Reinigungskabine zu entwickeln, die ohne Druckluft funktioniert“, bestätigt von Gehlen.

Effiziente und gefahrlose Reinigung mit nur 172 mbar

Die neue Reinigungskabine von ACI ist mit einem speziellen Gebläse, der Jetblack, ausgestattet. Dieses arbeitet mit einem niedrigen Druck von nur 172 mbar, so dass keine Gefahr für die Sicherheit der Benutzer besteht – auch dann nicht, wenn die ungeschützte Haut gereinigt wird. Das Luftvolumen von 152 m/s und die hohe Geschwindigkeit sorgen gleichzeitig dafür, dass Stäube und Partikel genauso effizient entfernt werden können wie mit Druckluft.

Zur Reinigung betritt der Mitarbeiter samt seiner schmutzigen Arbeits- oder Schutzkleidung über die selbst schließende Zugangstür die Kabine und beginnt, sich mit der Handdüse der Jetblack zu säubern. Dank eines Berührungsschalters ist die Bedienung der Abblasinstallation sehr einfach. Der 142 cm lange Schlauch der Einheit sorgt zudem für einen großen Bewegungsspielraum und ermöglicht eine Ganzkörper-Entstaubung. Innerhalb von etwa 15 Sekunden können so nahezu alle sichtbaren Staubablagerungen von der Kleidung entfernt werden.

Der Benutzer und die Arbeitsumgebung sind damit keinem Feinstaub mehr ausgesetzt. „Wie lange die Düse blasen soll, kann der jeweilige Betrieb über einen Zeitschalter selbst bestimmen. Werksseitig sind 30 Sekunden eingestellt“, so von Gehlen. Um Energie zu sparen, schaltet sich das Gerät nach dieser Zeitspanne automatisch ab.

90 Prozent Kosteneinsparung durch Einsatz von Gebläseluft statt Druckluft

Mit einem niedrigen Geräuschpegel unter 78 db ist die Jetblack leiser als die typischen, mit Druckluftdüsen ausgestatteten Geräte und entspricht dem OSHA-Sicherheitsstandard 1910.242. Da die Erzeugung von Gebläseluft in der Regel weniger als zehn Prozent der Kosten von Druckluft verursacht, ist diese Methode langfristig auch deutlich günstiger als die bisherige Lösung.

Als eine weitere Sicherheitsmaßnahme des Reinigungsverfahrens wird zusätzlich zur Jetblack eine leistungsstarke Absaugeinheiteingesetzt: Parallel zum Abblasvorgang extrahiert diese die Luft über den Boden der Kabine und saugt Frischluft über das Dach an.

„Das erzeugt einen starken, aber nicht unangenehmen Abwärtssog, der dafür sorgt, dass Partikel von der Arbeitskleidung nicht in der Kabine nach oben fliegen und in Kontakt mit Augen, Nase, Ohren oder Mund kommen“, erklärt der Geschäftsführer. „Sie werden stattdessen in einen kleinen Behälter abgeführt.“

Mobiles System auch in Spezialausfertigung möglich

Da die Kabine in Leichtbauweise ausgeführt ist, lässt sie sich einfach transportieren und jeweils dort aufstellen, wo sie gebraucht wird. Dank hochwertiger Materialien wie etwa einem pulverbeschichteten Stahlrahmen übersteht sie auch häufige Umzügen und lange Einsätze unbeschadet. Einstellbare Füße zur Nivellierung machen die Kabine auch auf unebenen Böden standfest. Die Abblasvorrichtung ist aus robustem Kunststoff, der für besonders widrige Bedingungen geeignet ist.

Die Personen-Reinigungskabine kann auch ohne Absaugung geliefert und stattdessen an eine bereits vorhandene, kompatible Einheit angeschlossen werden. Kundenspezifische Lösungen sind ebenfalls möglich: „Erst kürzlich haben wir eine Kabine mit einer Ablagefläche im Inneren und zwei Aussparungen in der Wand geliefert“, so von Gehlen. „Sie wird zur Säuberung von Werkzeugen verwendet, wobei der Mitarbeiter von außen durch die Öffnungen in die Kabine fasst und die Jetblack bedient.“