Entspannte Lochbleche

Technik

Lochbleche und -tafeln zählen zu den schwierigsten Materialtypen in der Verarbeitung. Aufgrund der geringen Eigensteifigkeit und der internen Spannung können schnell Planheitsfehler entstehen, die an den Lochrändern deutlich sichtbar werden und das Handling erschweren. Um diese zu beseitigen, ist das präzise Richten der Bleche unerlässlich.

06. Oktober 2016

Der Richtmaschinenexperte Schnutz entwickelt seit Jahren speziell an das Lochblech angepasste Anlagen. Die aktuelle Generation wird auf der diesjährigen Euroblech vorgestellt: Mit einem integrierten Einführtreiber, einem speziellen, optional verfügbaren Zuführsystem, hochpräzisen Verstellmechanismen einschließlich verstellbarer Abstützungen, einer steifen Bauweise und – je nach Richtwalzendurchmesser – 23 Richtwalzen begegnen die Maschinen den bei Lochblechen typischen Problemen.

Auch stark verformte Bleche und Tafeln mit einer Kombination aus gelochten und ungelochten Bereichen lassen sich dadurch schonend in gleichbleibender Qualität plan richten.

Grundlage jeder Lochblech-Richtmaschine von Schnutz ist die enge Abstimmung mit dem Kunden hinsichtlich der Ausgangsbedingungen, Materialkennwerte und Anforderungen an das Ergebnis. »Aus diesen Werten ermitteln wir das am besten geeignete Verhältnis von Richtwalzendurchmesser zu -anzahl«, beschreibt Dr. Lutz Henrich, Geschäftsführer von Schnutz. Insbesondere die problematischen Eigenspannungen, die in Folge der Perforation verstärkt auftreten, können durch eine größere Zahl an Richtwalzen abgebaut werden. »Bei hohen Forderungen an das Richtergebnis wird der Kunde mit einem Kompromiss nicht glücklich«, fügt Henrich hinzu.

Reproduzierbare Einstellung

Bei der ›RM 18/36/23-1600‹, einem neuen Modell für Nennbreiten bis 1.600 Millimeter und einen Richtbereich von 0,4 bis 2,5 Millimeter, werden beispielsweise 23 Richtwalzen mit je 36 Millimeter Durchmesser verwendet, was zu einer deutlichen Reduzierung der im Metall wirkenden Spannungen führt. Gleichzeitig erfolgt das Richten so schonend, dass das empfindliche Lochbild nicht beschädigt wird.

Zudem ist auch die Richtwalzenkassette – wie die Maschine selbst – in ihrer Bauweise speziell auf Lochbleche ausgelegt und zeichnet sich durch präzise geometrische Verhältnisse aus. Diese ergeben sich durch voneinander unabhängige Mechanismen zur Verstellung von Höhe und Kippe. So befindet sich etwa der Drehpunkt der Kippbewegung immer genau in der Mitte der Kassette.

Außerdem minimiert die Konstruktion die sonst häufig auftretenden Einlaufmarkierungen. Die Richtmaschinen haben mehrere obere und untere Abstützungsreihen, im Fall der RM 18/36/23-1600 jeweils neun, wobei die unteren über einen Verstellmechanismus vertikal angestellt werden können, um zum Beispiel ungelochte Abschnitte gezielt zu bearbeiten.

Alle Verstellachsen sind mit magnetorestriktiven Wegmesssystemen ausgestattet, die jederzeit die genaue Positionierung überwachen. In Verbindung mit der steifen Bauweise, die Verformungen verhindert, lassen sich dadurch die gewünschten Einstellungen exakt vornehmen und – dank des internen Speichers – auch zuverlässig reproduzieren. Die Steuerung erfolgt über eine SPS mit übersichtlichem Bedienpanel.

Auch die Beschickung der Richtmaschine wird durch spezielle technische Anpassungen vereinfacht. Um beispielsweise auch sehr kurze Tafeln richten zu können, wurde der Einführtreiber sehr nah an die Richtwalzen gesetzt, so dass ein sicherer, störungsfreier Transport gewährleistet ist. Darüber hinaus wird ein auf einem Gurtförderer basierendes Zuführsystem angeboten, mit dem stark gewölbte Bleche ohne manuelles Eingreifen in die Maschine geleitet werden können. Dadurch werden nicht nur der Personalaufwand und die Belastung für den Bediener reduziert, auch das Verletzungsrisiko an den mitunter scharfen Kanten sinkt. Ergänzt werden die Betriebserleichterungen durch eine optionale Walzenputzvorrichtung für eine effiziente Reinigung und Instandhaltung.

Die Richtmaschinen lassen sich sowohl als Stand-alone-Lösung betreiben als auch in eine größere Produktionslinie integrieren. Schnutz fertigt auf Kundenwunsch auch die notwendigen Anschlusssegmente und die technische Peripherie. Auf der Euroblech wird die leistungsstarke Lochblech-Richttechnik am Beispiel der RM 18/36/23-1600 auf dem Gemeinschaftsstand der Burghardt+ Schmidt-Gruppe vorgestellt.

Burghardt+Schmidt zeigt zudem ein Messgerät zur Kontrolle der Schnittqualität sowie einen Besäumständer einer Besäumschere. Derartige Scheren werden in Walzwerken oder Querteilanlagen eingebaut oder als reine Besäumanlage betrieben. Die Ständer sind antriebs- und bedienseitig auf präzisen, spielfrei wälzgelagerten Linearführungen aufgebaut und lassen sich mittels Drehstrommotor zentrisch zur Anlagenmitte verfahren.

Die Besäumschere eignet sich für den Besäum- und Mittenschnitt für Bänder aus Aluminium, Kupfer und Edelstahl mit Materialdicken von 0,25 bis 1,2 Millimeter. Elektromotorisch verfahrbare Messerwellen oben und unten gewährleisten dabei eine konstante Passlinie. Auch der Überschnitt sowie die Schnittspalteinstellung werden für eine hohe Schnittqualität elektromotorisch eingestellt. Ein Schrottschneider mit elektromotorischer Schnittlufteinstellung ist in der Anlage inbegriffen.

Euroblech Halle 27, Stand B128

Hintergrund

Die Wurzeln von Schnutz gehen auf die 1846 durch Martin Schnutz gegründete Schmiede zurück. Mit dem Anwachsen der Blechindustrie im Siegerland an der Wende zum 20. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf die Konstruktion und den Bau von Blechbearbeitungsmaschinen.

1911 fertigte Schnutz bereits erste Richtmaschinen, die ab den 1960er-Jahren technisch immer weiter verbessert und ausgebaut wurden. Zu den jüngsten Neuerungen zählen der Mehrmotorenantrieb ›Multidrive‹ sowie eine Weiterentwicklung der elektromotorischen Abstützungssysteme. Seit 2014 gehört das inzwischen als Schnutz GmbH firmierende Unternehmen zur Burghardt+Schmidt-Gruppe.

Die Burghardt+Schmidt GmbH wurde 1945 gegründet und stellt Maschinen und Anlagen zum Schneiden und Richten von Metallbändern her. Die Produkte werden speziell auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten. Das Unternehmen profitiert von seiner langjährigen Erfahrung im Dünnbandsektor und hat sich vor allem auf Längsteilanlagen, Streck-Biege-Richtanlagen, Verpackungslinien, Verlegespuler, Richtmaschinen, Querteilanlagen und Bandanlagen spezialisiert. Am deutschen Standort in Remchingen werden die Anlagen mit dem Qualitätsmerkmal ›Made in Germany‹ entwickelt und gefertigt.

Erschienen in Ausgabe: 06/2016