Entspannt und gepeelt

Wire/Strahlen

Federn erhalten durch die Herstellungsweise außen eine Zugspannung, die zu Rissen führen kann. Um diese Zugspannung zu (über-)kompensieren, werden die Federn nach dem Biegen gestrahlt, zum Beispiel auf Anlagen von Wheelabrator. Strahlen ist aber auch ein probates Mittel zur Entzunderung. Zwei Kurzgeschichten zu diesem Thema.

29. August 2017
Kurze Taktzeiten und höchste Qualität sind die Hauptziele von Rözmas. Bildquelle: Wheelabrator
Bild 1: Entspannt und gepeelt (Kurze Taktzeiten und höchste Qualität sind die Hauptziele von Rözmas. Bildquelle: Wheelabrator)

Rözmas Çelik San. ve Tic. A.S., ein führender Hersteller von Fahrzeugfe-dern und Stabilisatoren in der Türkei, hat in eine automatisierte Anlage zum Spannungsstrahlen von Wheelabrator investiert, um damit auch bei kurzen Taktzeiten höchste Fertigungsqualitäten zu erzielen.

Beim Spannungstrahlen wird während des Peenings auf jede Feder eine vorgegebene Belastung angewandt, wodurch ihre Dauerfestigkeit verbessert und ein leichteres Design ermöglicht wird.

Die Spannungsstrahlanlage SRS-4 von Wheelabrator, so verspricht der Hersteller, gewährleistet ein schnelles und gleichmäßiges Strahlen mit variablem Automatisierungsgrad und ist eine bewährte und zuverlässige Lösung für Fahrwerksfedern.

Bei Rözmas ersetzt die SRS-4 eine ältere Hängebahn-Strahlanlage, die von ihrem Herteller seinerzeit für das Spannungsstrahlen modifiziert worden war. Diese ältere Maschine konnte mit den steigenden Qualitätsanforderungen und Produktionszielen von RözmaS jedoch nicht mehr mithalten.

Zentrum des kompakten Designs der neuen Maschine ist ein ›Satelliten-Drehtisch‹ mit fünf separaten Strahlkammern und zwei Satelliten pro Kammer, die jeweils eine Feder halten, vorspannen und rotieren. Das bedeutet, dass jeweils zwei Federn in einem kontinuierlichen Rhythmus durch die Maschine getaktet werden, wobei in einer Kammer be- und entladen wird, während in zwei anderen gestrahlt wird.

Die SRS-4 kann auf diese Weise ein Federnpaar in nur 16 Sekunden strahlen. Das führt zu einer Arbeitsleistung von maximal 450 Federn pro Stunde, wobei sich die Strahlzeiten nebeneinander liegender Kammern überlappen. Durch dieses Maschinenkonzept wird eine deutlich verbesserte und gleichmäßige Qualität erzielt.

Die Anlage kann Schraubenfedern mit einer maximalen entspannten Länge von 600 Millimetern und einer minimalen gespannten Länge von 150 Millimetern aufnehmen. Vier leistungsstarke, indirekt angetriebene Wheelabrator-U70-Schleuderräder mit jeweils 22 Kilowatt strahlen die Federn dann stetig von allen Seiten, dank variabler Drehgeschwindigkeit des Arbeitstisches mit 24 bis 45 Umdrehungen.

Das Be- und Entladen kann durch einen Roboter, einen Manipulator, ein automatisiertes Modul oder manuell erfolgen. Die Maschine eignet sich daher zur nahtlosen und flexiblen Integration in hochautomatisierte Produktionslinien.

Bandentzunderungsanlage für Taiwan

Das Wheelabrator-Technologiezentrum in Zürich wird zum ersten Mal eine aus fünf Modulen bestehende HB-Bandentzunderungsanlage an einen Kunden in Taiwan liefern.

Viktor Lussi vom Wheelabrator-Technologiezentrum erklärt, was das Besondere an dieser Anlage ist: »Mit ihrem flexiblen Design und ihrer hohen Leistung ist unsere HB-Reihe die marktführende Lösung zur Bandentzunderung. Das einzigartige Fünf-Modul-Design dieser neuen Anlage zeigt, wie weit wir das Konzept an eine sehr spezielle Anforderung anpassen können – und wie unser Team hier in Zürich auch mit einer etablierten Technologie neue Maßstäbe setzen kann.«

Das Verbinden der fünf Strahlkammern in einer Reihe war notwendig, um die erforderliche Strahlleistung in einer ganz neuen Produktionslinie auf einer stark begrenzten Fläche unterzubringen. Die neue HB-Anlage ist 28,5 m lang und wurde im April in Betrieb genommen.

Jede der fünf Kammern besitzt vier leistungsfähige U105x500-Schleuderräder. Die Gesamtstrahlleistung von 2.200 Kilowatt aus 20 Strahlturbinen gewährleistet ein effizientes Entzundern bei hohen Durchlaufgeschwindigkeiten bis 151 Meter/Minute.

Zwar hatte das Technologiezentrum zuvor sogar schon HB-Anlagen mit sechs Modulen entworfen, diese waren aber durch das Verbinden separater Zwei- bis Dreimodulanlagen realisiert worden – ein Konzept, das wesentlich mehr Platz in Anspruch nahm als das jetzige für den Kunden in Taiwan.

Die Anlagen der HB-Reihe können mit und ohne Fundamentgruben installiert werden und Bandstahl mit einer Breite von 600 bis 2.100 Millimetern bearbeiten. Aufgrund der versetzten Plazierung der einzelnen Schleuderradgruppen erreichen die Anlagen laut Wheelabrator »erstklassige Strahlergebnisse«.

Zahlen & Fakten

Wheelabrator bietet ein umfangreiches Spektrum an Verfahren zur Oberflächenvorbereitung, Ersatzteile und Dienstleistungen inklusive. Wheelabrator sieht sich als Weltmarktführer auf diesem Gebiet. Zur Verfügung stehen drei Verfahren: Neben dem namengebenden Schleuderrad können die Schleifmittel auch im Luftstrom beschleunigt werden oder die Werkstücke werden per Gleitschleifen (Vibratory Finishing) ›entschärft‹. Die erste Schleuderradanlage von Wheelabrator ging im Jahre 1932 in Betrieb.

Erklärtes Ziel von Wheelabrator ist es, die Produktivität und Profitabilität der Kunden zu steigern. Diese Kunden – fast 15.000 aus etwa 100 Ländern sind aktiv – kommen aus der Gießereibranche, der Automotive-Industrie, der Luft- und Raumfahrt, der Energiewirtschaft, dem Schiff- und Schienenfahrzeugbau und vielen anderen Branchen. Das 1908 gegründete Unternehmen, das über 30.000 Anlagen installiert hat, gehört heute zur Norica-Gruppe. Die deutsche Niederlassung befindet sich in Metelen.

Erschienen in Ausgabe: 05/2017