Entscheidungskompetenz und erhöhte Transparenz

Fokus/Produktionsplanung

Worthington Cylinders setzt seit über 80 Jahren weltweit Standards für die Produktion nahtloser Stahlflaschen. Für die Umstellung der bislang manuell geführten Plantafel auf ein integriertes Feinplanungssystem entschied man sich für den Partner Industrie Informatik und dessen Lösung Cronetwork.

07. Mai 2014

Als Tochterorganisation der Worthington Industries Group beschäftigt Worthington Cylinders mehr als 330 Mitarbeiter. 600000 nahtlose Rohr- und Blockflaschen für Industriegas, Medizin und Lebensmittelindustrie, CNG, Feuerlöschsysteme, Atemluft, Rettungsausrüstung und anderes werden jährlich in Fließfertigung produziert und in 70 Länder weltweit geliefert.

Sicherheit, Qualität und Produktivität sind die Pfeiler des erfolgreichen Metallverarbeiters. Auf allen Ebenen werden kontinuierlich Maßnahmen getroffen, um sichere Produkte in hoher Qualität zu liefern und schnell und flexibel zu reagieren. Im IT-Bereich galt es, eine letzte große Schwachstelle im gesamten Informationsfluss zu beseitigen, denn die Planung erfolgte noch immer manuell mit einer Kombination aus Microsoft Access und Papier.

»Unsere Planungsqualität war durch das große Know-how und die lange Unternehmenszugehörigkeit der Planer zwar trotzdem in Ordnung, aber das Planungsverfahren war sehr aufwendig. Rückmeldungen wurden einmal täglich auf das Planungspapier eingetragen, was hohen Aufwand bedeutete und nicht die gewünschte Datenaktualität brachte«, erläutert Thomas König, Leiter des MES-Projektes bei Worthington, die Problematik. Eine integrierte Feinplanung sollte bestehende Medienbrüche weitgehend auflösen und den Aufwand für Datenabgleich und Datenpflege reduzieren. Eine wichtige Anforderung an die Lösung war die Flexibilität in den Schnittstellen für die Integration in die ERP-Lösung SIS und die intern entwickelte Anwendung für die Betriebsdatenerfassung (BDE).

Herausforderung für die Feinplanung

Die hochautomatisierte, verkettete Produktion mit Produktionsstufen von den formgebenden Prozessen über die Vergütung, kaltbearbeitete Produktionsschritte und Lackierung bis hin zur Qualitätskontrolle stellt eine Herausforderung in der Planung dar. 2500 Flaschen pro Tag werden im Drei- und Vierschichtbetrieb auftragsbezogen gefertigt. Um Rüstzeiten zu minimieren und möglichst effizient zu produzieren, werden passende Aufträge in einer Losfertigung zusammengefasst und in den Flaschenspeichern zwischengepuffert.

Die Planung erfolgt stark automatisiert. Es sind Strategien für eine Reihung und Vorreihung der Aufträge hinterlegt. Nach fünf relevanten Rüstkriterien wird am Engpass hierarchisch automatisch eingeplant (erst alle gleichen Durchmesser zusammen, innerhalb dessen Optimierung nach Bodenform, innerhalb derer Optimierung nach Wandstärke et cetera). Der Planer greift manuell nur mehr für das Feintuning bei den Engpassanlagen ein. Die Planung der nachfolgenden Prozesse in der verketteten Fließfertigung erfolgt dann automatisch.

Es wird in einer Linie gefertigt, daher muss das System dafür sorgen, dass die Reihenfolge der Arbeitsgänge auf einer Maschine nicht verändert wird. Dies wird durch eine ausgeklügelte Planungsstrategie realisiert.

Implementierung

»Die Feinplanung ist für uns die Basis, um in Richtung einer papierlosen Fertigung zu gehen. Sie ermöglicht es uns, eine Reihe von Folgeprojekten zu initiieren«, betont Thomas König den Stellenwert des Projektes für Worthington. Dementsprechend sensibel war auch die Entscheidung für ein Feinplanungssystem. Nach einem detaillierten Evaluierungsprozess fiel die Wahl im Sommer 2012 auf den Linzer MES-Anbieter Industrie Informatik und die Lösung Cronetwork. »Uns haben nicht nur die Features und die beeindruckende internationale Referenzliste überzeugt, sondern auch das profunde Know-how und der persönliche Einsatz bis in die Geschäftsleitungsebene. In der Implementierungsphase wurde die Flexibilität der Cronetwork-Schnittstellen voll ausgereizt, und die Zusammenarbeit der einzelnen Teams war vorbildlich«, zieht Projektverantwortlicher Thomas König ein positives Resümee.

Vorteile: Hinterlegung der Planungsfaktoren, großer Planungshorizont, transparente Visualisierung

Mitte 2012 konnte die Cronetwork-Feinplanung mit Plantafel in Echtbetrieb gehen und stellt heute das zentrale Werkzeug einer transparenten und optimierten Produktionssteuerung dar, mit dem die Prozesse und Ressourcen der Produktion ganzheitlich im Griff sind. »Ein wesentlicher Vorteil ist die Hinterlegung der zusätzlichen Planungsfaktoren wie Rüstmatrizen, Stillstandstage, Schichtmodelle, Pausenzeiten und so weiter, die damit automatisch in der Feinplanung berücksichtigt werden. Urlaube oder geplante Stillstände wie Reparaturen können in Cronetwork einfach ergänzt werden und müssen nicht mehr manuell berücksichtigt werden«, berichtet Martin Emsenhuber, Projekt- und Six-Sigma-Mitarbeiter bei Worthington.

Die vereinheitlichte Plankalendergrundlage, in die auch die auftragsbezogenen Daten wie Zykluszeiten einfließen, ist ein großes Benefit. Jetzt steckt das Wissen, über das bisher nur der Planer verfügte – und auch das nur auf Monatssicht –, in der Software, ein weiterer großer Vorteil. »Unser Planungshorizont hat sich dadurch erweitert und die Daten stehen allgemein zur Verfügung«, so Emsenhuber weiter. Wichtig sind hier auch die Transparenz für alle an der Produktion Beteiligten und die Visualisierung der Planung: Umrüstungen – wie etwa ein großer Durchmesserwechsel – werden farblich über die Klassifizierungen dargestellt. Damit braucht der Werkzeugmeister nicht mehr nachfragen, und der Schichtmeister und der Produktionsleiter können Einsicht nehmen.

Mit Simulationen Optionen ausreizen, vorausschauende Planung nutzen

Wir orientieren uns bevorzugt eher am maximal Möglichen als an einem Durchschnittswert«, verrät Thomas König einen der Erfolgsfaktoren von Worthington. »Wir haben zwar unsere Planungsprämissen, aber heute können wir durchspielen, welche Auswirkungen etwas hätte, wenn es um zehn Prozent besser liefe«, ergänzt Martin Emsenhuber. Cronetwork ermöglicht Simulationen und Planszenarien in Bezug auf die Optimierung von Durchlaufzeiten, Einhaltung von Lieferterminen und so weiter. Wesentliche Einflussfaktoren sind Ressourcen- und Materialverfügbarkeiten, Umrüstvorgänge, Sonderarbeiten, Splitten von Aufträgen oder die Berücksichtigung von Fertigungspuffern.

Der gesamte Ablauf ist jetzt harmonischer. Der Informationsgewinn greift beispielsweise unmittelbar bei der Materialdisposition, wo man sich definitiv Wegzeiten und Zettelwirtschaft erspart. Es nimmt viel Druck von den zuständigen Mitarbeitern, die anstatt wie bisher nur reagieren jetzt disponieren und Material vorausschauend just in time bereitstellen können.

Auch Sonderarbeiten, die bei einzelnen Aufträgen anfallen, und für die situativ Leiharbeiter eingestellt werden müssen, können jetzt besser und vorausschauender geplant werden. »Wir ersparen uns dadurch teure Überstunden oder Wochenendeinsätze«, erläutert Thomas König eine weitere Verbesserung. Ein anderes Beispiel für den Effizienzgewinn dank der präzisen und transparenten Planung ist die rechtzeitige Disposition der LKWs oder der Abnehmer für gewisse Flaschentypen.

Usability ist ein Highlight in der täglichen Praxis

Die Bedienerfreundlichkeit von Cronetwork kommt in der täglichen Planung voll zum Tragen. »An der Feinplanung gefällt uns besonders die Rückschau, die dem Planer die einfache Möglichkeit gibt, auch nach Monaten abgeschlossene Aufträge im Infoleitstand anzuschauen, um zu sehen, wann der Auftrag definitiv gelaufen ist. Die Auftragssuche gestaltet sich sehr schnell und einfach und die Möglichkeit von Klassifizierungen und Filtern, Ansichten und frei konfigurierbaren Balken mit variabel definierbarem Informationsumfang ist sehr praxisnah gelöst. Die Kombination aus Listenform und Balkendarstellung hat uns vor Cronetwork gefehlt und war ein ganz ausschlaggebender Punkt für das Gesamtprojekt.

Ergänzt um den Snapshot aus der BDE, der uns eine Momentaufnahme aus der Produktion liefert, haben wir jetzt alle Komponenten für die Steuerung und Planung im Überblick«, so Thomas König. Zudem werden Berichte und Auswertungen laufend auf Cronetwork Produktionsinfo umgestellt. So können Führungskräfte und Meister jetzt jederzeit das aktuelle Planungsbild über den Infoleitstand abrufen. Dies führt zu einer klaren und verständlichen Informationsweitergabe und ermöglicht eine weitgehende Transparenz in der Produktion.

Basis für Entwicklung interner Folgeprojekte

»Mit der Feinplanung von Cronetwork haben wir eine große Lücke in unserem digitalen Informationsfluss geschlossen«, bringt Thomas König die Umstellung von einer manuellen Planung auf die integrierte Feinplanung und Leitstand des Partners Industrie Informatik auf den Punkt, König weiter: »Cronetwork war auch der Impuls für das Aufbrechen lange gelebter Ge-wohnheiten und hat einen Change-Prozess eingeleitet. Damit ist es ein wichtiger Baustein für unsere Vision einer papierlosen Fertigung.«

Tino Böhler, Redaktionsbüro Dresden

Erschienen in Ausgabe: 03/2014