Entmagnetisieren vor Ort

Starke Magnetfelder lenken den Schweißbogen ab. Deshalb müssen sie auf ein Minimum reduziert werden.

05. März 2012

Goudsmit Magnetic Systems aus dem holländischen Waalre hat kürzlich PE-beschichtete Röhren entmagnetisiert, die von der Dylan Group Netherlands an eine sich im Bau befindliche Ölraffinerie in Südostindien geliefert worden waren. Das war notwendig geworden, weil die Röhren aufgrund des aufgetretenen Restmagnetismus nicht geschweißt werden konnten. Die Konstruktionsarbeiten an der Raffinerie mussten deswegen gestoppt werden.

Um diesen Restmagnetismus auf ein erträgliches Maß abzuschwächen oder ihn ganz verschwinden zu lassen, hat Goudsmit ein System entwickelt, das mit einem Niedrigfrequenzgenerator und einen besonderen Kabelsystem arbeitet. Das Kabelsystem wird wie eine Spule um die Röhren gewickelt. Damit wird ein stark wechselndes Magnetfeld in den Röhren erzeugt, dessen Stärke sich auf 0 vermindert. Die Folge ist, dass der Restmagnetismus ganz verschwindet oder auf ein tragbares Maß von ca. 35 Gauß verringert wird. In diesem indischen Fall ging es um ungefähr 40 Röhren aus Kohlenstoffstahl, jede von 12 m Länge mit einem Durchmesser von 470 mm. Die Arbeiten haben vier Tage in Anspruch genommen.

Die Ursachen von Restmagnetismus in Materialien können verschiedenster Art sein und lassen sich in der Praxis nicht leicht kategorisieren. Sie werden aber – absichtlich oder unabsichtlich – oft durch Magnetfelder hervorgerufen, die sich in der direkten Umgebung befinden. Dies kann z. B. durch Aufspanntische, magnetischen Transport, Induktion, Erhitzen, Reißtests, magnetische Greifwerkzeuge geschehen.

Durch elektrisches Schweißen, mechanische Schwingungen, Schleifen, Sägen oder Kaltverformung kann diese Magnetisierung verstärkt werden. Die Folgen sind oft sehr vielfältig. Plasmalöten ist oft unmöglich, kleine Metallteilchen und Metallstaub bleiben kleben, bei Lagern kann erhöhter Verschleiß, bei automatischen Bearbeitungsstationen können durch klebendes Material Ausfall und Wartezeiten entstehen, oder es kann beim Elektroschweißen Probleme geben, beim elektrischen Verzinken und Verchromen können Unebenheiten und Dickenunterschiede, beim Galvanisieren scharfe Ränder entstehen, usw.

In oben beschriebenen Fall konnten die Röhren nicht aneinandergeschweißt werden, weil der Lichtbogen abgelenkt wurde (Arc-Deflection). Das kann Bindungsfehler hervorrufen und ist deswegen sicher unerwünscht. Kurz: Unerwünschter Restmagnetismus kostet Zeit und Geld und beeinflusst die Qualität der Arbeiten negativ.

Um das zu vermeiden, hat Goudsmit eine Anzahl Entmagnetisierungssysteme entwickelt: In Tunnelform (eventuell mit Transport-/Rollenband), in Tischform (eventuell mit Transport-/Rollenband), als handbedienter Apparat mit Niedrigfrequenz als mobile Einheit. Ist es nicht rentabel, in eine dieser Möglichkeiten zu investieren, bietet Goudsmit auch die Möglichkeit, die Entmagnetisierung vor Ort oder beim Kunden vorzunehmen.