„Enormes Wachstum“

Wie wird die Tube 2008? Was sind die Trends? Und wer könnte da kompetentere Antworten geben als der Projektleiter dieser Messe, Friedrich-Georg Kehrer?

14. März 2008
Bild 1: Enormes Wachstum
Bild 1: „Enormes Wachstum“ (Bild 1: Enormes Wachstum)

bbr: Herr Kehrer, Sie erwarten eine Rekord-Tube in Düsseldorf. Können Sie das genauer in Zahlen fassen?

Friedrich-Georg Kehrer: Die Tube ist seit ihrer Düsseldorfer Premiere im Jahr 1988 kontinuierlich gewachsen. Von ursprünglich 147 Ausstellern, dann 660 Unternehmen im Jahr 2000 bis zu 827 Ausstellern zur letzten Veranstaltung 2006 — eine rasante Entwicklung, die sich auch 2008 fortsetzen wird. Bereits heute, zwei Monate vor Beginn der Internationalen Rohrfachmesse, haben wir mehr als 1.000 Firmen aus 45 Ländern, die ihre aktuellen Technologien in Düsseldorf präsentieren werden. Auch die Nettofläche ist enorm gewachsen. Von rund 31.000 Quadratmetern in 2006 haben wir jetzt schon 10.000 Quadratmeter mehr verkauft, wir liegen derzeit bei mehr als 41.000 Nettoquadratmetern. Aussteller- und Quadratmeterentwicklung zusammen genommen, können wir von einem enormen Wachstum allein für die Tube ausgehen.

Erstmals finden Tube und Metav gleichzeitig statt. Ist das wegen thematischer Überschneidungen nicht eher problematisch?

Im Gegenteil, da sich durch das zeitgleiche Stattfinden von drei internationalen Leitmessen sowohl für Besucher als auch für Aussteller wertvolle Synergien ergeben. Thematisch ist das auch für die Fachmedien interessant, die mit dem Besuch eines Messeplatzes gleich drei Branchenthemen (Wire, Tube, Metav) auf einmal verarbeiten können. Wir haben zum Beispiel die Halle 5 sowohl durch Aussteller der Metav als auch durch Tube-Unternehmen belegt, eine Synergie, die den Fachbesuchern dieser Branchen zugute kommt.

Wie können die Fachbesucher profitieren, gibt es hier ein Ticket das zum Besuch von Tube, Wire und Metav berechtigt?

Die Besucher können mit dem Kauf eines Wire/Tube-Kombitickets alle drei Messen besuchen, genauso wie die Besucher mit einem Metav-Ticket Zutritt zu allen drei Messen haben. An der Tageskasse kostet das Ticket 25 Euro, eine Dauerkarte kostet 59 Euro. Natürlich gibt es auch wieder vergünstigte Tickets für 8 Euro. Im Onlinevorverkauf gibt es das Tagesticket sogar für 19 Euro, die Dauerkarte kostet hier 49 Euro. Mit dem Ticket können die Besucher kostenfrei alle Verkehrsmittel des VRR und des VRS nutzen, ein Service, der besonders bei Anreisen aus dem benachbarten Ruhrgebiet und dem Bergischen Land gerne angenommen wird.

China hat den Wettkampf mit europäischen Herstellern aufgenommen. Zeigt sich dies auch anhand der Ausstellerzahlen aus China?

Das ist ein allgemeiner wirtschaftlicher Trend, der sich auch 2008 fortsetzt. Für die Wire haben sich 2008 doppelt so viele Aussteller aus China angemeldet als noch vor zwei Jahren, und da waren es schon 35 chinesische Unternehmen. Bisher kommen (Stand Ende Januar) 66 Firmen aus China zur Wire nach Düsseldorf. Bei der Flächenbelegung haben die chinesischen Unternehmen sogar dreimal soviel Fläche gebucht wie 2006. Damals wurde eine Nettofläche von 460 Quadratmetern belegt, für 2008 sind es bereits heute 1.038 Quadratmeter. Ähnlich steil verläuft die Entwicklung bei der Tube. 2006 hatten wir 54 chinesische Aussteller auf 765 Quadratmetern, die ihre Innovationen »made in China« in den Tube-Hallen präsentierten — heute haben wir bereits fast dreimal so viele (130) ausstellende Unternehmen auf 2.487 Quadratmetern, also ebenfalls eine Verdreifachung der Nettofläche! Die Tube ist damit für 2008 an ihre Kapazitätsgrenze gekommen, für 2010 müssen wir uns überlegen, wie wir die steigende Nachfrage der Unternehmen befriedigen können. Schon jetzt mussten wir einigen Unternehmen, die zur Tube nach Düsseldorf kommen wollten, sich aber zu spät gemeldet haben, absagen, da wir definitiv keine freie Fläche mehr anbieten können.

Dollarverfall, Ölpreisentwicklung und der Euro entwickelt sich zum »Teuro«. Ist diese exporthinderliche Entwicklung bereits in der europäischen Rohrbranche spürbar?

Nein, es gibt einen großen innereuropäischen Markt, der völlig unbeeinflusst vom Dollarkurs agiert. Auf der anderen Seite werden in Düsseldorf auch viele Geschäfte abgeschlossen, die komplett auf Dollarbasis abgewickelt werden, sodass hier der Euro irrelevant ist. Durch die rasante Ölpreisentwicklung ergeben sich aber auch viele neue Projekte: So werden Raffinerien gebaut, deren Mehrproduktion dann wieder für eine Stabilisierung des Ölpreises sorgt.

Zurück zu Ihren Ausstellern: Wie lauten derzeit die Trends bei den Rohrherstellern und den Maschinenbauern im Rohrsektor?

Ziel der Tube ist es, die Bedürfnisse am Markt zu erkennen, aufzugreifen und während der Laufzeit so umzusetzen, dass alle relevanten Bereiche in den Messehallen vertreten sind. So werden in den Hallen 6 bis 8b und Teilen der Halle 5 die unterschiedlichsten Rohmaterialien und Zubehör, Rohrherstellungsmaschinen, Gebrauchtmaschinen, Werkzeuge zur Verfahrenstechnik und Betriebsstoffe, Mess- und Steuertechnik sowie die Prüftechnik zu sehen sein. Ganz neu im Portfolio der Internationalen Rohrfachmesse ist die detaillierte Präsentation von Pipelines und der dazu gehörenden Ölfeldrohrtechnik.

Die Tube ist inzwischen auch erfolgreich im Ausland etabliert (Russland und China). Schwächen Sie mit dieser Expansionsstrategie nicht die Tube in Düsseldorf?

Ziel ist es, Regionalmessen in wirtschaftlich aufstrebenden Märkten wie Süd- und Mittelamerika, China, Thailand, Indien, den Arabischen Emiraten und Russland am Markt zu etablieren und gleichzeitig die Position der Tube als No.-1-Messe in Düsseldorf weiter auszubauen. Das ist natürlich stellenweise ein Spagat im globalen Wirtschaftskarussell. Für die Besucher aus Übersee sind die lokalen Veranstaltungen der Tube natürlich eine Chance, sich — ohne nach Europa reisen zu müssen — über Brancheninnovationen zu informieren. Andererseits präsentieren sich Unternehmen aus Asien und Südamerika nicht ausschließlich auf ihren Regionalmärkten, sondern sie wollen ihre wachsenden Kompetenzen durch einen Messeaustritt in Düsseldorf auch international darstellen. Wir gehen davon aus, dass der Markt generell von diesen regionalen Messen profitiert: Dass Düsseldorf als internationaler Standort der Leitmesse Tube dadurch in Zukunft geschwächt werden könnte, sehe ich nicht.

Der Kunde ist König. Wie lassen Sie das Ihre Aussteller und Fachbesucher spüren?

Durch eine klare, nach Themen geordnete Messestruktur, die bei der Aufplanung der Stände in den Hallen als Richtschnur gilt. Da wir bereits anderthalb Jahre vor Beginn der Messen mit unseren internationalen Aussteller- und Marketingaktivitäten beginnen, sind wir zur Laufzeit bestens vorbereitet. Von der kompetenten Kassendame über die Besucherterminals, den freundlichen Austellerservice und die Betreuung der internationalen Medien vor Ort im Presse-Center — jeder Gast, ob Spediteur, Besucher, Aussteller oder Pressevertreter, wird von unseren jeweiligen Fachreferaten freundlich empfangen und kompetent betreut. Wir freuen uns, wenn es am 31. März losgeht, darauf haben wir seit anderthalb Jahren hingearbeitet!

Es fragte: Erik Schäfer

Background

Die Tube 2008 in Zahlen:

Die Tube findet vom 31.3. bis 4.4.2008 zum 11. Mal statt. Traditionell findet die Wire, Internationale Fachmesse Draht und Kabel, parallel zur Tube statt. Erstmals in diesem Jahr findet die Maschinenbauermesse Metav in Düsseldorf parallel zu Wire und Tube statt.

Veranstalter Tube: Messe Düsseldorf GmbH

Aussteller Tube: 950 Unternehmen aus 45 Ländern (Stand Ende Januar)

Ideeller Träger: International Tube Association, ITA

Ausstellungsbereiche: Rohmaterialien, Rohre und Zubehör, Maschinen zur Herstellung von Rohren, Maschinen zur Be- und Verarbeitung von Rohren, Gebrauchtmaschinen, Handel mit Rohren, Pipeline- und OCTG-Technologie, Werkzeuge zur Verfahrenstechnik und Hilfsmittel, Mess-, Steuer- und Regeltechnik, Prüftechnik, Spezialgebiete, Logistik, Umweltschutz

Öffnungszeiten: 9.00 bis 18.00 Uhr

Vita

Friedrich-Georg Kehrer, geboren am 25.10.1963 in Tübingen, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Er ist Vater eines neunjährigen Sohnes und liebt es, nach einem erfüllten Arbeitstag bei der Messe, Sport zu reiben.

Erschienen in Ausgabe: 03/2008