Energiegeladene »Sonnenanbeter«

Immer höhere Wirkungsgrade erreichen Photovoltaik-Anlagen. Das liegt auch an einer interessanten Technologie von Sunzenit, bestehend aus einem nachführbaren Tisch und Unterbau aus Spezialprofilen von Welser Profile.

23. September 2008
Die astronomisch nachgeführten Photovoltaikanlagen von Sunzenit erhöhen die Energieausbeute deutlich.
Bild 1: Energiegeladene »Sonnenanbeter« (Die astronomisch nachgeführten Photovoltaikanlagen von Sunzenit erhöhen die Energieausbeute deutlich. )

Wie viele Einsatzmöglichkeiten gibt es für Metallprofile? Diese Frage zu beantworten, gelänge sicher nicht einmal den Experten für Metallprofile aller Art, der Firma Welser Profile. Täglich kommen neue Anwendungen hinzu. So bedient das bekannte Unternehmen mit dem Stammsitz im österreichischen Ybbsitz nicht nur Märkte wie den Fahrzeugbau, Schienen- und Luftfahrzeugbau, die Baubranche, die Möbelindustrie, den Maschinen- und Anlagenbau et cetera. Eine ganz besonders umweltdienliche und zugleich zukunftsgerichtete Anwendung steuern die Solarexperten von Sunzenit aus Märkisch Luch nahe Berlin bei. Lothar Bieber, der Geschäftsführer des kleinen Vier-Mann-Unternehmens, hat sich eines Sonnenenergieanlagenthemas angenommen, das auf die bestmögliche Ausnutzung jedes Sonnenstrahls abzielt — Nachführsysteme für Solarpaneele. Und bei der Umsetzung der Idee für solche Solarpaneelhalterungen kam Lothar Bieber auf einen Profilexperten von Welser Profile in der Person von Olaf Toenjes, dem Geschäftsführer der RP Technik GmbH Profilsysteme, ein Unternehmen der Unternehmensgruppe Welser und Repräsentant der Welser Profile GmbH in Deutschland, aus dem westfälischen Bönen nahe Dortmund. Bis zur Idee der nachführbaren Photovoltaik-Paneele war es ein langer Weg mit Umwegen. Kennengelernt hatten sich Sunzenit-Geschäftsführer Lothar Bieber und Welser-Mann Olaf Toenjes vor Jahren, als das Hauptaugenmerk von Lothar Bieber noch auf dem Fensterbau lag: »Wir haben Fenstersysteme geliefert, und da waren die Profilsysteme von RP Technik für uns erste Wahl«, so Bieber. Doch schon länger dachte Lothar Bieber darüber nach, sein Unternehmen breiter aufzustellen und da kam sein Interesse an der Solarenergie und anderen energietechnischen Fragen ihm entgegen. »Irgendwann stellte jemand in meinem Freundeskreis die Frage, ob man die Photovoltaikanlagen nicht besser nutzen könne. So entstand der Gedanke, dass man die Solarpaneele mit dem Sonnenstand mitführen müsste, um eine maximale Sonnenausbeute zu erreichen«, erzählt der Unternehmer und es kam ihm die bewährte Verbindung mit Olaf Toenjes zupass, denn auch für seine benötigte er jede Menge spezieller Profile.

Systemanpassungen

Natürlich hatte Lothar Bieber die notwendigen Profile für seine Photovoltaikanlagen bereits am Rechner erstellt, darunter sehr interessante Konstruktionen, die vor allem die einfache, schnelle und sichere Montage immer im Auge behalten. »Wir wollten die Kanäle für die Kabelführungen einfach durch Bleche mit einem Klick-Befestigungssystem schließen können. Das erforderte spezielle Profile, die das sicher und einfach ermöglichen.« Eine Besonderheit der nachführbaren Photovoltaikanlagensysteme von Sunzenit erforderte ganz spezielle doppelbödige Profilleisten, die sich mit einem Deckel gegen Witterungseinflüsse schützen lassen: »Wir sind die Einzigen weltweit, die mit einem einzigen Motor 1.400 Tische (Solarpaneelhalterungen) für insgesamt rund 4.200 Module in zwei Achsen bewegen. Die Solarmodule werden astronomisch — also nach Sonnenstand — mitgeführt, was eine wesentlich höhere Ausbeute erlaubt, wenn die ideale Arbeitstemperatur der Paneele eingehalten wird. Jeder Tisch, auf dem die Solarpaneele montiert sind, wird in zwei Achsen über Seilzüge bewegt. Ein wartungsfreies System«, so Lothar Bieber, »denn sowohl die Elektrokabel als auch die frei laufenden Seilzüge werden in dem doppelbödigen von Welser Profile produzierten Profilkanal sicher vor der Witterung geschützt.« Gerade die Zuführungskanäle aus dünnwandigen, verzinkten Stahlblechen stellten auch für Welser Profile eine Herausforderung dar. »Die Bleche sind sehr dünn, lassen sich schlecht für den Transport stapeln, und erst Versuche bei Sunzenit zeigten, dass diese dünnen Blechkanäle mittels eines einfachen Tricks bei der Montage bombenfest und steif werden«, erzählt Olaf Toenjes. »An der Verbindungsstelle zwischen zwei Kabel- und Seil zugkanälen hat Herr Bieber einfach ein paar selbstschneidende Blechschrauben eingebracht und das System extrem versteift.« »Ja, viele Dinge lassen sich nicht immer am Computer voraussagen«, weiß Lothar Bieber, »da muss man einfach ausprobieren und sich auf seine Erfahrung verlassen können.« Mit Welser Profile hat der Profi da einen ebenso kompetenten wie flexiblen Partner gefunden, der auch die Probeprofile für ihn anfertigte, bis eben alles Hand und Fuß hatte, denn die Montagekosten gilt es jederzeit im Griff zu haben.

Ein Partner für alle Profile

Eine weitere Profilspezialität sind die Rammprofile, Drei-Millimeter-Spezialprofile aus verzinktem Stahlblech, die als Erdpfähle/Anker für die Halterung und den Tisch der Solarpaneele dienen, wenn die Photovoltaikanlagen auf dem Erdboden aufgestellt werden. Je nach Ausführung sind diese Rammprofile rund zwei Meter lang und werden einfach in den Erdboden eingerammt. Und dort, wo es felsig ist, wird gebohrt und ein Rohrprofil einzementiert. »Dazu haben wir die Profile der Tischhalterung so profilieren lassen, dass sie sich sowohl auf die passenden Rammprofile als auch auf ein Rohrprofil mittels weniger Schrauben sicher und einfach montieren lassen«, erzählt Lothar Bieber. Dazu hat Lothar Bieber öfters mit den Profilspezialisten von Welser Profile zusammengesessen, denn es galt, seine Ideen eins zu eins umzusetzen. »Gerade das ist ja unser Know-how, mit dem Kunden zusammen wirtschaftlich fertigbare Profile zu entwickeln«, so Olaf Toenjes. Auch die Profile für die Tische, die die Solarpaneele halten, sind sehr speziell: »Wir müssen die Kabel der Solarpaneele ja sicher führen, denn die Tische bewegen sich ja in zwei Achsen«, erzählt Lothar Bieber und zeigt anhand mitgebrachter CAD-Zeichnungen die Spezialprofile, die sich auch einfach mit passenden Profilblechen per Klick verschließen lassen. Die intensive Zusammenarbeit mit der Firma Welser Profile hat Lothar Bieber gezeigt, dass es reicht, gute Ideen zu haben, wenn ein verlässlicher Partner diese auch wie gewünscht umsetzen kann. Und wenn etwas so nicht zu fertigen wäre oder nur zu hohen Kosten, kann er auf die Expertentipps von Welser Profile zählen. Das Ergebnis dieser intensiven Zusammenarbeit kann bereits begutachtet werden. Die ›Sonnenanbeter‹ von Sunzenit stehen bereits in Griechenland, Deutschland und Spanien und viele weitere Anlagen werden folgen. Auch Dachanlagen für Häuser hat Sunzenit bereits zahlreich aufgestellt — immer mit den Profilen von Welser Profile.

Zukunftsgerichtet

Der Tüftler aus dem Brandenburgischen hat schon viele weiterführende Ideen in der Schublade, um die Photovoltaikanlagen noch effizienter betreiben zu können. »Gerade im Mittelmeerraum sind viele Standorte denkbar. Doch oftmals können die Anlagen nicht effizient arbeiten, wenn nicht wenigstens ein dauerhafter Wind die Paneele kühlt. Denn die optimale Arbeitstemperatur der Paneele liegt bei maximal 32 °C«, weiß Bieber. Damit den Photovoltaik-Anlagen bei der Dauereinstrahlung der Sonne auch in windärmeren Regionen nicht zu heiß wird und sie immer im optimalen Temperaturbereich arbeiten können, hat Lothar Bieber bereits eine weitere patentierte Idee in der Schublade, die seinen Sonnenanbetern effizient und kostenarm die notwendige Kühlung verschafft. »Hier habe ich bereits die Patente erworben. Jetzt geht es noch darum, die notwendigen Bauteile in Serie fertigen zu können«, erzählt Lothar Bieber und an Olaf Toenjes gerichtet: »Da könnte noch viel Arbeit auf Welser Profile zukommen«, denn er weiß, dass er sich auf die Profilspezialisten verlassen kann, auch was die oftmals knapp bemessenen Liefertermine angeht. »Das ist ähnlich wie beim Bau. Sie müssen jede Menge Genehmigungen von Behörden etc. einholen und die Finanzierung muss gesichert sein. Und dazu müssen Sie den Investoren genau vorrechnen können, was die Anlage ihnen auch noch in 20 Jahren bringt. Erst dann können Sie loslegen, und dann muss alles sehr flott gehen«, erzählt der Geschäftsführer der kleinen Sunzenit. Mit seinen ›energiegeladenen Sonnenanbetern‹ hat er den richtigen Riecher bewiesen und mit Welser Profile den richtigen Partner an seiner Seite, auch für die großen Dinge, die noch kommen könnten: »Unsere Energieversorgung der Zukunft wird zum großen Teil von der Sonne bestritten werden müssen. Ihre Kraft ist auch in den fossilen Brennstoffen zu finden, die in Jahrmillionen entstanden sind und nun in absehbarer Zeit zur Neige gehen werden. Bis dahin müssen die Solarsysteme noch viel effizienter werden.« Daran arbeitet Lothar Bieber und an vielen weiteren Ideen. Seine astronomisch nachgeführten Sonnenpaneele waren da nur der Anfang.

Erik Schäfer

Background

DIE PROFILPROFIS – WELSER PROFILE

Gründung: Seit 1664/1961 zur OHG/1999 zur AG – 100 Prozent in Familienbesitz

Vorstand: KR Ing. Wolfgang Welser; Ing. Helmut Welser

Standorte: Welser Profile AG in Ybbsitz und Gresten, Österreich. Welser Profile GmbH und RP Technik GmbH Profilsysteme in Bönen, Deutschland.

Mitarbeiter: Über 1.700 Mitarbeiter gesamt (670 in Bönen)

Produkte: Offene Sonderprofile, geschweißte Profilrohre, Baugruppen und komplette Profilsysteme aus Stahl und NE-Metallen.

Branchen: Arbeitswelt, Architektur, Automobilbau, Haus- und Industrietechnik, Bauwesen und Transportwesen.

Aktuell: Welser Profile stellt auf der EuroBlech in Hannover »Germany’s next top profile« vor. Das Unternehmen ist in Halle 17 auf Stand C06 zu finden.

Erschienen in Ausgabe: 09/2008