Energieeffizienz-Netzwerke zur Energiekostensenkung

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Vor knapp eineinhalb Jahren haben Bundesregierung und Wirtschaft die Vereinbarung unterzeichnet, bis 2020 insgesamt 500 Energieeffizienz-Netzwerke zu gründen. Aktuell sind es jedoch erst um die 30.

15. April 2016
Bild 1: Energieeffizienz-Netzwerke zur Energiekostensenkung
Bild 1: Energieeffizienz-Netzwerke zur Energiekostensenkung

Die Grundidee der ›Lernenden Energieeffizienz-Netzwerke‹ (LEEN) stammt aus der Schweiz. Sie setzt auf ein gemeinsames voneinander Lernen durch einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch und eine zielorientierte bessere Nutzung von Energie in den Betrieben. Ein spezielles Managementsystem zum Aufbau und Betrieb hilft den teilnehmenden Unternehmen: Eine Analyse wirtschaftlicher Energieeffizienz-Maßnahmen zu Beginn, ein gemeinsam beschlossenes Ziel, regelmäßige Treffen und ein jährliches Monitoring sind die Ecksteine des Ablaufs. Ergebnis der Anlayse nach dem LEEN-Standard ist ein Maßnahmeüberblick mit Bewertung nach verschiedenen Kriterien, etwa Energieeinsparung.

Die teilnehmenden Betriebe steigern ihre Energieeffizienz im Vergleich zum Durchschnitt der Industrie mindestens doppelt so schnell, so die Initiatoren. Die Netzwerke sind in der Regel Gruppen von zehn bis 15 Unternehmen, die kosteneffektiv Energie sparen wollen, indem sie voneinander lernen. Ansatzpunkte der gemeinsamen Arbeit sind Effizienzverbesserungen in den Querschnittstechnologien – zum Beispiel Druckluft, Wärme- und Kälteerzeugung und -verteilung, elektrische Antriebe oder Abwärmenutzung. Basis ist eine ausführliche energetische Bewertung durch einen zertifizierten energietechnischen Berater. Der Grad der Erreichung des gemeinsamen Ziels wird jährlich durch ein Monitoring erfasst und dokumentiert.

Einen Grund, dass LEEN nur schleppend in Gang kommt, sah Ursula Mielicke vom Projektteam ›LEEN 100 plus‹ darin, dass das Pflicht-Energieaudit für die Betriebe und die beratenden Ingenieure ganz oben auf der Prioritätenliste stand: »Diese Anstrengungen waren wichtig, nun sollte jedoch die Realisierung der Maßnahmen im Vordergrund stehen. Diese kann durch eine Netzwerkteilnahme mit Umsetzungsberatung, Erfahrungsaustausch und dem jährlichen Monitoring unterstützt werden, wodurch sich die Senkung der Energiekosten noch beschleunigen lässt.«

Von den bisher gegründeten Netzwerken arbeitet die Hälfte nach dem hohen LEEN-Standard – diese werden vom Projekt ›LEEN 100 plus‹ und von der Energie Baden-Württemberg (EnBW) begleitet. Ein Viertel davon setzt sich aus kleinen und mittleren Betrieben zusammen. Der LEEN-Standard für Betriebe mit jährlichen Energiekosten ab rund 500.000 Euro wurde auf kleine Betriebe angepasst und steht auch für Branchen- oder konzerninterne Netzwerke zur Verfügung.

Die Regierung und die Wirtschaftsverbände erwarten eine jährliche Energieeinsparung von 75 Petajoule ab 2020, was rund drei Prozent des gesamten industriellen Energieverbrauchs entspricht. Die jährlichen energiebedingten Treibhausgas-Emissionen sollen um fünf Millionen Tonnen sinken.

Erschienen in Ausgabe: 03/2016