Energieeffizienz in der Produktion rechnet sich

Große Anwender, beispielsweise aus der Automobilindustrie oder dem Flugzeugbau, schauen bei Neuinvestitionen in den Maschinenpark auch sehr genau auf den Energieverbrauch. Bei einem Preisanstieg von 62 Prozent für Industriestrom in den vergangenen 15 Jahren schlummert hier Einsparpotenzial.

12. August 2013

„Nachhaltigkeit in der Industrieproduktion ist ein Zukunftsthema, mit dem die europäische Werkzeugmaschinenindustrie international punkten kann“, sagt Ralf Reines, Technikreferent beim VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) in Frankfurt am Main und verantwortlich für das Thema Blue Competence. Viele Käufer von Werkzeugmaschinen seien jedoch zögerlich, wenn sie für energieeffiziente Maschinen mehr ausgeben sollen.

Große Anwender hingegen, beispielsweise aus der Automobilindustrie oder dem Flugzeugbau, schauen bei Neuinvestitionen in den Maschinenpark jedoch auch sehr genau auf den Energieverbrauch. Bei einem Preisanstieg von 62 Prozent für Industriestrom in den vergangenen 15 Jahren schlummert hier Einsparpotenzial. „Die Ausrüster und Zulieferer werden nachziehen“, ist Reines überzeugt.

Die Sonderschau Blue Competence auf der EMO Hannover 2013 setzt genau hier an. 19 europäische Firmen und Forschungsinstitute aus der Produktionstechnik zeigen den Anwendern aus der Industrie, wie sie dieses Potenzial heben können. Mit dabei sind Deckel Maho Pfronten GmbH, Pfronten; Fanuc Robotics Deutschland GmbH, Neuhausen a.d.F.; Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH, Nürtingen; Inspire AG, Zürich; Kapp Werkzeugmaschinen GmbH & Co. KG, Coburg; Komet Group, Besigheim; Kuka AG, Augsburg; Liebherr-Verzahntechnik GmbH, Ettlingen; Peiseler GmbH & Co. KG, Remscheid; Profiroll Technologies GmbH, Bad Düben; Schunk GmbH & Co. KG, Lauffen; Schwäbische Werkzeugmaschinen GmbH, Schramberg-Waldmössingen; Technische Universität Chemnitz, IWU, Chemnitz; Technische Universität Wien, Forschungsbereich ecodesign, Wien; Trumpf Werkzeugmaschinen GmbH + Co. KG, Ditzingen; Union Werkzeugmaschinen, Chemnitz, Vollmer Werke Maschinenfabrik GmbH, Biberach/Riss, Walter AG, Tübingen und die CNC-Arena GmbH, Düsseldorf.

Sie stellen eine breite Palette an Lösungen vor, die zu einer energieautarken, emissionsneutralen und ergonomischen Produktionstechnik führen. Produk Priv-Doz. Dr.-Ing. Welf-Guntram Drossel vom Fraunhofer IWU in Chemnitz beispielsweise sagt dazu: „Ein wichtiger Meilenstein sind die Ergebnisse der gemeinsam mit der Volkswagen AG koordinierten Innovationsallianz Green Carbody Technologies. In 30 Teilprojekten zur nachhaltigen Senkung von Energie- und Ressourceneinsatz im Karosseriebau konnte mit 60 Partnern ein Energieeinsparpotenzial über die gesamte Prozesskette von bis zu 20 Prozent aufgezeigt werden.“ Ein Ergebnis ihrer Forschungsarbeit stellen die Chemnitzer zur EMO Hannover vor, das Baukastenkonzept für eine Try-Out-Vorrichtung im Pkw-Karosseriebau.

Nachhaltigkeit in der Produktion umfasst zwei Seiten derselben Medaille. Einmal geht es um Energie-, Rohstoff und Ressourceneffizienz in der der Werkzeugmaschinenproduktion. Zum anderen arbeiten die Hersteller intensiv daran, dass ihre Produkte ressourceneffizient laufen. Dr.-Ing. Thomas Gräbner von Deckel Maho in Pfronten sagt dazu: „Aus unserer Sicht beinhaltet nachhaltiger Umweltschutz neben technologischen Innovationen und der umweltbewussten Herstellung von Maschinen auch die Umwelteigenschaften der Maschinen selbst. Die Aktivitäten zur Erhöhung der Energieeffizienz unserer Werkzeugmaschinen erstrecken sich ganzheitlich auf die Bereiche Elektronik, Steuerungstechnik und Mechanik. Den Anteil unserer Produkte, die speziell unter dem Gesichtspunkt der energiesparenden Nutzung entwickelt worden sind, erhöhen wir ständig.“

Eine wichtige Rolle in diesem Feld spielen auch die Komponenten. Die Stärke der europäischen Hersteller resultiert wesentlich aus der langjährigen exzellenten Partnerschaft zwischen Anlagenbauern und Komponentenlieferanten. Effizientere Komponenten wie Antriebe und Hydraulikaggregate, leistungsfähige Werkzeuge, intelligente Steuerungen sind teilweise durch gemeinschaftliche Impulse entwickelt worden und ermöglichen nun die rationale Fertigung unter Erschließung von Energieeinsparpotenzialen.

Zudem lassen sich moderne Fertigungslösungen, insbesondere in Hochlohnländern, nicht ohne Automatisierungslösungen denken. Peter Klüger vom Produktmanagement der Kuka Roboter GmbH in Augsburg erläutert: „Das energieeffiziente Design der Robotermechanik und ausgewählte Materialien haben Einfluss auf die Energieeffizienz und die Öko-Bilanz des Gesamtsystems in Bewegung. Eine gezielte Auswahl der verwendeten Materialien nach ihrer ökologischen Verträglichkeit, qualitativ hochwertige Getriebe mit sehr niedrigen Reibungsverlusten und der Einsatz von energieeffizienten Motoren sichern einen verbrauchsoptimierten Betrieb. Zusätzlich garantiert eine neue, energie-optimierte Antriebstechnik mit einer automatischen und energie-optimalen Abstimmung von Umrichter und Motoren einen Betrieb des Robotersystems im Verbrauchsoptimum bei allen Bewegungsabläufen.“

Dies und vieles mehr sehen Fachbesucher zur EMO Hannover 2013 auf dem Sonderstand Blue Comptence in Halle 16. Begleitet wird die Sonderschau von Fachvorträgen der Aussteller.