Eine runde Sache

Technik/Oberflächen und Kanten

Wo gelasert wird, fliegen nicht nur Funken. Hat der Lichtstrahl das Blech geteilt, hinterlässt er Grate, die meistens entfernt werden müssen, weil sie sonst Folgeprozesse stören würden, etwa das Aufbringen von Schutzschichten.

29. August 2017
Makellos: Wilsberg verarbeitet mit dem Edgeracer bis zu 20 Prozent mehr Teile. Bildquelle: Arku
Bild 1: Eine runde Sache (Makellos: Wilsberg verarbeitet mit dem Edgeracer bis zu 20 Prozent mehr Teile. Bildquelle: Arku)

Bleche schneiden ist eine Kunst für sich. Während CO2-Laser breite Schnitte ermöglichen, schmelzen moderne Festkörperlaser weniger Material auf. Die Folge: Sie arbeiten schneller und sparen Energie. Aufgrund der kürzeren Wellenlänge erzeugen sie zudem schmalere Schnitte mit schärferen Kanten. So auch bei der Wilsberg Metalltechnik GmbH in Bad Honnef. Das Unternehmen fertigt auf 4.000 Quadratmetern Komponenten für den Maschinenbau und die Medizintechnik. Hier entstehen unter anderem Platinen für Parkscheinautomaten und Straßenbaumaschinen. Die Teile bringt Wilsberg mit einem CO2- und zwei Festkörper-Lasern in Form. Zusammen mit zwei Wasserstrahlschneideranlagen produzieren die Anlagen so Bleche für rund 300 deutsche Kunden. 1.500 Tonnen Stahl- und Edelstahlteile verlassen jährlich die Bad Honnefer Werkshallen.

Kantenreiche Zuschnitte

Bei etlichen Blechen führt der Festkörperlaser zu recht scharfen Kanten. Und je nach Zuschnitt kommen diese in unterschiedlich großer Zahl vor. Vor allem die Bauteile für die Parkautomaten weisen viele Löcher auf, alle umrandet von Graten, die Wilsberg restlos verrunden muss. Gründe dafür gibt es genug: »Einerseits sind die Qualitätsanforderungen der Kunden gestiegen. Qualitätsnormen wie ISO 9001 lassen Abnehmer genau auf die Maßhaltigkeit unserer Teile schauen. Denn sie wollen Zuschnitte, die ihren Entwürfen entsprechen – von den Grundmaßen bis zur Kantenverrundung. Andererseits stellen besonders scharfe Kanten ein Sicherheitsrisiko dar. Das möchten unsere Kunden weitestgehend reduzieren«, betont Geschäftsführer Hans-Werner Wilsberg.

Für die Qualitätssicherung ist ein Fertigungsschritt besonders wichtig: Rund 20 Prozent der Stahlteile werden pulverbeschichtet. Dieses Verfahren bietet Schutz vor Korrosion und Abnutzung. Anders als bei der Nasslackierung wird das Pulver dabei trocken aufgetragen, nachdem die gewaschenen und getrockneten Zuschnitte elektrisch aufgeladen wurden. Weil das versprühte Pulver konträr geladen ist, bleibt es an ihnen haften. Anschließend erhitzt ein Ofen die Teile auf 200 Grad Celsius. So entsteht eine besonders widerstandsfähige Pulverschicht.

Unter der Hitze zieht sich das Pulver an den Kanten jedoch gelegentlich zurück. Die sogenannte Kantenflucht kommt zustande, wenn die Ränder nicht restlos verrundet sind. In dem Fall blättert die Schicht ab, es kommt zur Korrosion. »Um diesem Effekt vorzubeugen, wollten wir reproduzierbare Verrundungsergebnisse erzielen«, erläutert Wilsberg. Ein beim händischen Entgraten hehres Ziel: »Wir haben lange Zeit nur mit Feilen und Winkelschleifern entgratet. Das ist bei Teilen mit vielen Löchern nicht nur ermüdend. Schnell wird auch der eine oder andere Grat übersehen.« Deshalb suchte das Unternehmen nach einer automatisierten, absolut zuverlässigen Lösung. Sie sollte Kanten verrunden und die Oxidschicht von Blechen entfernen.

Entgratmaschine in Aktion

Ein heißer Tipp eines Kunden führte zur passenden Lösung. Da dieser vor derselben Herausforderung stand, hatte er sich eine Entgrat- und Verrundungsmaschine zugelegt. Wie es der Zufall wollte, handelte es sich um einen Edgeracer. Die Anlage von Wöhler Brush Tech vertreibt Arku seit 2015 exklusiv. »Weil uns die Maschine interessierte, schauten wir sie uns gleich an«, erinnert sich Wilsberg. Nachdem der Geschäftsführer sie in Aktion gesehen hatte, rief er umgehend bei Arku an. »Die sauber verrundeten Bleche beeindruckten uns sehr. Unser Kaufinteresse war damit geweckt«, so Wilsberg. Wenige Wochen später folgten bereits die ersten Tests.

Hier bestätigte sich der positive Eindruck, den Wilsberg beim Kunden gewonnen hatte. Denn die Maschine leistet ganze Arbeit. Mehrere Tellerbürsten entgraten und verrunden bis zu 1.500 Millimeter breite Bleche beidseitig. Darüber hinaus punktet die Anlage mit minimaler Staubentwicklung, geringer Lärmemission und energetischen Einsparungen. Weil der Edgeracer Blechteile in einem Durchgang verarbeitet, spart er außerdem Zeit. Daneben gewährleistet er kurze Durchlaufzeiten. Ein Touchpanel mit übersichtlicher Benutzeroberfläche ermöglicht überdies eine einfache Steuerung der Anlage.

Reibungslos installiert

Nach den ersten Versuchen war klar: In Bad Honnef sollte bald ein Edgeracer stehen. Zunächst stellte Wöhler die Maschine auf die Anforderungen von Wilsberg ein. Fachleute erklärten den Bedienern anschließend die Kernfunktionen der Anlage. Eine Woche später installierte Arku sie schnell und reibungslos.

»Wir arbeiten stets unter großem Zeitdruck. Da ist ein flexibler Partner von Vorteil«, hebt Wilsberg hervor. »Dank des unbürokratischen Projektmanagements von Arku konnten wir schnell mit dem Entgraten loslegen. Und bei Rückfragen waren die Experten auf Zuruf erreichbar.« Beste Voraussetzungen, um die Produktion ohne größere Unterbrechung fortzusetzen. Dabei half auch die Mitarbeiterschulung an der Anlage. Ein mit dem Edgeracer so vertraut gemachter Kollege lernte drei weitere Bediener an.

Seither arbeiten sie damit im Schichtbetrieb. Rund 40 Prozent der Wilsberg-Jahresproduktion gehen derzeit durch den Edgeracer. Die leistungsstarke Anlage entgratet vor allem Stahl- und Edelstahlteile. Aluminium kann sie bei Bedarf auch.

Doch damit nicht genug: Seit der Installation ermöglicht sie einen um 20 Prozent höheren Teiledurchsatz. Außerdem spart Wilsberg Zeit und Personal ein – und verbessert dadurch andere Prozesse. So übernehmen zwei Kollegen, die vorher händisch entgrateten, jetzt Versand und Gewindearbeiten.

Alles in allem produziert Wilsberg dank Edgeracer auf der Höhe der Zeit. »In Sachen Qualität und Sicherheit wollen wir immer einen Schritt voraus sein. Mit dem Edgeracer gelingt uns das problemlos«, so Wilsberg. »Unsere Produkte weisen eine gleichbleibend hohe Qualität auf. Sämtliche Platinen sind von scharfen Graten befreit, die Kanten restlos verrundet. Damit entsprechen sie den Anforderungen unserer Kunden vollauf.«

Wie, das zeigt sich bei einem neuen Großabnehmer, der viele Edelstahlteile benötigt. »Hier setzt die Anlage Akzente bei der Kundenbindung. Denn dank Entgratmaschine hat sich die Zusammenarbeit mit dem Kunden vertieft. Und die Chancen stehen gut, dass er uns langfristig erhalten bleibt«, schließt Wilsberg.

Blechexpo Stand 1001

Erschienen in Ausgabe: 05/2017