Ein völlig neues Konzept

Technik/Rohrbiegen

Mit seiner neuen 80CNC-EMR realisiert Lang Tube Tec den ersten vollelektrischen Biegeautomaten, bei dem ein Hubtisch für das gleichzeitige vertikale Verfahren von Winkelverdrehung und Dornrückzug sorgt.

08. Juni 2015

Der integrierte Booster zum Nachdrücken des Rohres beim Biegen wird im gleichen Arbeitsschritt mit Hilfe des Hubtisches verfahren. Weitere Highlights der neuen CNC-E-Baureihe von Lang Tube Tec sind das Drive-Click-System zur Parameterspeicherung sowie die durch neue Module erweiterbare Steuerung mit intuitiver grafischer Bedienung und einer momentengeregelten Rohrspannung.

»Durch das neue Maschinenkonzept stoßen unsere Kunden in Bezug auf Maschinensteifigkeit und Bearbeitungsqualität in ganz neue Dimensionen vor. Außerdem reduzieren sich die Rüstzeiten durch das neue Bedienkonzept erheblich, was für mehr Produktivität in der Fertigung sorgt«, bringt Vertriebsleiterin Sabine Neff die wichtigsten Vorteile für den Nutzer auf den Punkt. Durch den technologischen Vorsprung sei die Neuheit bestens für den Einsatz in der Automobil- und Nutzfahrzeugbranche, aber auch in der Luftfahrt und im Schiffsbau geeignet.

Im Vergleich zur sonst üblichen Bearbeitung, bei der Winkelverdrehung und Dornrückzug separat verfahren wurden, punktet die Lang-Tube-Tec-Neuheit mit einer höheren Steifigkeit, einer hundertprozentigen Synchronität der Verfahrwege beider Einheiten und dem entscheidenden Vorteil, dass die hohen Boosterkräfte direkt und mittig aufgebracht werden können. »Durch unser neues Konzept verhindern wir, dass hohe Momente auf die empfindlichen Kugelrollspindeln wirken«, erklärt Service- und Projektleiter Björn Brunner.

Auch gegenüber der herkömmlichen Bearbeitungsvariante mit dem vertikalen Verfahren des Biegekopfes, bietet das neue Hubtisch-Konzept von Lang Tube Tec enorme Vorteile in der Bedienung: Selbst bei zunehmender Maschinengröße kann der Anwender die Rohre in der ergonomisch optimierten Bedienhöhe von 1.150 Millimeter einlegen und auch den Werkzeugwechsel rückenfreundlich vornehmen. Beides minimiert die Rüstzeiten und sorgt für eine schnelle Inbetriebnahme und Auftragsabwicklung. Auch die neue Maschinensteuerung mit der CNC Siemens Simotion steht für Schnelligkeit und Sicherheit in den Arbeitsabläufen, denn alle Achsen können simultan verfahren werden.

Durch die intuitive Bedienoberfläche lässt sich die CNC-E-Baureihe von Lang Tube Tec selbst von Bedienern ohne CNC-Vorkenntnisse steuern. Weil die Anstellung von Spannung und Beistellung über Momente geregelt wird, gleicht die Maschine Schwankungen in Rohrchargen automatisch aus.

Besonders hervorzuheben sind zwei zusätzliche Steuerungsmodule, die die Bedienung der Maschine vereinfachen und die Effizienz steigern. So verfügt die neue Anlage über einen ›automatischen Einrichtezyklus‹, der beim Wechsel von einem Biegeteil auf ein anderes, für den Bediener auf Knopfdruck die richtige Einstellung von Spannung und Beistellung vornimmt, sodass diese Werte dann einfach für die Produktion in die Steuerung übernommen werden. Somit sind die Zeiten vorbei, in denen sich der Bediener langsam an die korrekte Position für Rohrspannung und Beistellung herantasten musste. Die automatisch ermittelten, optimalen Werte werden direkt ins Biegeprogramm übernommen. Immer wenn der Bediener das Biegeprogramm aufruft, werden diese Werte vor Umschalten in den Produktionsprozess automatisch verifiziert und im Bedarfsfalle automatisch korrigiert. So kann ein besonders hoher Qualitätsstandard gewährleistet und das Umrüsten beschleunigt werden.

Für eine weitere Erhöhung der Produktivität sorgt das Modul ›Zykluszeitoptimierung‹: Zusätzlich zu bereits standardmäßig implementierten Funktionen zum Simultanfahren mehrerer Achsen werden mögliche Bewegungen antizipiert und bereits Positionen für den nächsten Biegeschritt angefahren, um Fertigungszeiten zu minimieren.

Über ein leistungsstarkes Simulationsprogramm lässt sich die Biegbarkeit der Rohre bereits im Vorfeld prüfen, sodass bereits vor der Bearbeitung etwaige Korrekturen vorgenommen werden können. Darüber hinaus können binär kodierte 3D-Modelle aus der Konstruktion direkt eingelesen werden, um Eingabefehler zu verhindern.

Nicht zuletzt wurde besonderes Augenmerk auf einen schnellen Werkzeugwechsel gelegt. Die Gleitschiene wird einfach in T-Nuten eingehängt, die Klemmbacken werden in eine Rundführung eingeschoben und die Verstärkungslaschen lassen sich nach dem Lösen von Rastbolzen einfach wegschwenken. Das Konzept lässt sich auf vorhandene Werkzeugsysteme adaptieren.

Weil keine wartungsintensiven Gasdruckfedern zur Unterstützung des Biegekopfes und keine Kugelrollspindeln mehr notwendig sind, reduziert sich der Wartungsaufwand für die neue 80CNC-EMR von Lang Tube Tec erheblich. Durch die komplett neue Einhausung der Maschine und das Konzept mit separiertem Schaltschrank konnte außerdem eine optimale Wartungszugänglichkeit erreicht werden.

Erschienen in Ausgabe: 02/2015