Ein schmutziges Geschäft

Technik

Nicht nur die Gewinnung, sondern auch die Verarbeitung von Stahl verbraucht viel Energie und erzeugt viel Schmutz, der nicht in die Umwelt gelangen sollte. Ein neues Entzunderungsverfahren schont die Umwelt.

04. Oktober 2011
1Auch wenn es nicht so aussieht, arbeitet EPS mit geschlossenen Kreisläufen.2Ausgangsseite der EPS-Anlage: Der Stahl ist nach der Behandlung ziemlich rostbeständig und bedarf keiner Ölung. Bildquelle: Red Bud Industries
Bild 1: Ein schmutziges Geschäft (1Auch wenn es nicht so aussieht, arbeitet EPS mit geschlossenen Kreisläufen.2Ausgangsseite der EPS-Anlage: Der Stahl ist nach der Behandlung ziemlich rostbeständig und bedarf keiner Ölung. Bildquelle: Red Bud Industries)

Stahlverarbeitung ist ein schmutziges Geschäft. Die Weiterverarbeitung von Rohstoffen verbraucht große Mengen an Energien und belastet die Umwelt. Da Umweltgesetze aus naheliegenden Gründen immer strenger werden, suchen Unternehmen auf der ganzen Welt nach weniger umweltschädlichen Alternativen für alle Bereiche der Materialbearbeitung.

Beizen – eine ätzendes Thema

Ein Bereich, in dem Umweltfragen sehr ernst genommen werden müssen, ist das Säurebeizen von warmgewalztem, schwarzem Stahl. Für diesen Prozess, der seit Jahren im Einsatz ist, werden stark ätzende Säuren verwendet, um Zunder und Schmutz vom Material zu entfernen.

Auch wenn Fortschritte auf diesem Gebiet erzielt wurden, können die Auswirkungen dieses chemischen Verfahrens nicht final beurteilt werden. Folglich kann die Einholung einer Genehmigung zur Installation einer Säurebeiz-Anlage langwierig, wenn nicht sogar unmöglich sein. Darüber hinaus werden Bereiche, in denen solche Anlagen installiert werden dürfen, immer mehr eingeschränkt.

Physikalisch statt chemisch

Um Antworten auf die Probleme des Säurebeizens zu finden, hat der amerikanische Anlagenhersteller Red Bud Industries (Illinois) für Blech- und Coilanwendungen einen umweltfreundlichen, physikalischen Prozess entwickelt, der sich ›Eco Pickled Surface‹ nennt (EPS). EPS verwendet keine Säuren, um den Stahl von Zunder und Schmutz zu befreien. Der Prozess nutzt Granulat in Verbindung mit Flüssigkeit (Hauptbestandteil Wasser) und sollte nicht mit Kugelstrahlen verwechselt werden, da dies ein anderer, weniger produktiver sowie trockener Prozess ist.

Das Verfahren nutzt eine Flüssigkeit, die aus Granulat, Reinigungsmittel, Korrosionsschutz und Wasser besteht. Über eine Reihe von Pumpen wird das Mittel auf den Stahl aufgetragen, das Resultat ist ein gereinigter Stahl ohne Beeinträchtigung der Umwelt.

Geschlossene Kreisläufe

Durch den geschlossenen Kreislauf fallen keine Abwässer an. In der Turbinenkammer werden die Reste der Flüssigkeit mit Zunder und Schmutz in einem Filtersystem gesammelt. Das Filtersystem entsorgt Zunder und Schmutz zusammen mit dem Granulat, das zur Wiederverwendung zu klein ist. Dieses Nebenprodukt kann zusammen mit dem Stahlschrott entsorgt werden. Die restliche, filtrierte Flüssigkeit wird wieder der Turbinenkammer zugeführt und weiterverwendet.

Nach der Behandlung mit EPS wird das Material mit Wasser abgespült und mit einem Gebläse luftgetrocknet. Das fertig behandelte Material ist in trockener Umgebung rostbeständig und muss nicht geölt werden. Die Rostbeständigkeit ist auf die Nichtverwendung von Säure zurückzuführen, dadurch finden sich keine Chloridsalz-Rückstände auf dem Material, die es normalerweise schneller rosten lassen.

Weiterverarbeitung problemlos

EPS-Material eignet sich ebenso wie chemisch gebeiztes Material für folgende Arten der Weiterverarbeitung: Bandprofilieren, Prägen, Laser- und Plasmaschneiden sowie Stanzen und Rohrherstellung.

EPS-Coils sind außerdem erfolgreich kaltgewalzt, geglüht und galvanisiert worden. Zusätzlich kann das EPS-Programm angepasst werden, um eine rauere oder glattere Oberfläche zu erzielen – je nach dem vorgesehenen Verwendungszweck des fertigen Produkts.

EPS erzeugt eine gleichmäßige, reproduzierbare Oberfläche, die sauber und ebenmäßig ist und kleine Fehler sowie Walzenmarkierungen oder Zundernarben reduziert.

Zahlen & Fakten

Red Bud Industries, Red Bud (Illinois, USA), ist einer der weltweit bekanntesten Hersteller von Bandanlagen. Mit über 50 Jahren Erfahrung und mehr als 1000 Installationen auf der ganzen Welt hat sich Red Bud Industries den Ruf eines der führenden Unternehmen in der Entwicklung und Produktion in diesem Industriesegment erworben.

Zu diesen Produkten gehören Präzisions-Längs- und -Querteilanlagen, Richt- und Stanzmaschinen.

Erschienen in Ausgabe: 05/2011