Ein Hauch von Wellness

Fokus

Handtuchheizkörper sind Standard in vielen Badezimmern. Sie sorgen für vorgewärmte, trockene Handtücher und ein wenig Wellness im Alltag. Ein russischer Heizkörper-hersteller hat dafür jetzt eine automatisierte Schweißanlage beim Sondermaschinenbauer Rodomach entwickeln lassen und setzt dabei auf Faserlaser von Rofin.

06. Oktober 2016
Die Anlage muss sowohl Modelle mit Rundrohren als auch Modelle mit eckigen und mit Spezialrohren bearbeiten können. Bildquelle: Rofin
Bild 1: Ein Hauch von Wellness (Die Anlage muss sowohl Modelle mit Rundrohren als auch Modelle mit eckigen und mit Spezialrohren bearbeiten können. Bildquelle: Rofin)

Rodomach Specialmachines wurde 1997 von Roel Doornebosch gegründet und beschäftigt heute 25 Mitarbeiter amniederländischen Standort in Deventer. Das mittelständische Unternehmen hat sich auf Sondermaschinenbau mit Fokus auf Verbindungstechnik spezialisiert und bietet neben konventionellen Verfahren seit 2010 Anlagen mit Lasertechnik an, die inzwischen rund die Hälfte aller verkauften Anlagen ausmachen.

Spezialmaschinen erfordern immer eine genaue Analyse der Kundenanforderungen und so steht bei den Niederländern der Kunde im Mittelpunkt: »Wir versuchen im Vorfeld so viele Informationen wie möglich vom Kunden und seinen Erwartungen zu bekommen, diese genau zu analysieren und ihm dann das anzubieten was er wirklich benötigt und nicht das, was er meint, haben zu müssen. Added Value ist für uns ein ganz wesentlicher Punkt der auch von unseren Kunden honoriert wird«, so der Niederländer. Einsatz finden die Sondermaschinen in der Automobil- und Metallindustrie sowie in vielen weiteren Industriebereichen.

Der russische Kunde hatte klare Vorstellungen, als er das Gespräch mit dem niederländischen Sondermaschinenbauer Rodomach suchte: Die ganze Produktpallette an Handtuch-Heizkörpermodellen soll von dem bisherigen WIG-Schweißen per Hand auf das automatisierte Laserschweißen umgerüstet werden. Dabei soll die Anlage sowohl Modelle mit Rundrohren als auch Modelle mit eckigen und Spezialrohren bearbeiten können, die Einschweißtiefe bei 100 Prozent liegen und der Drucktest von 25 bar bestanden werden. Darüber hinaus liegt der Fokus auf einer gleichmäßigen, schönen und einwandfreie Naht, da keine abschließende Lackierung erfolgt, sondern eine Elektropolierung, die Edelstahlheizkörper dekorativ zum Glänzen bringt.

An erster Stelle stand die genaue Analyse der Produkte um eine automatisierte Schweißbarkeit zu erzielen. Eine wichtige Unterstützung in diesem Punkt fanden die Holländer in dem Laserspezialisten Rofin. Robin Le Roy von der niederländischen Rofin-Niederlassung in Alblasserdam war schon früh in das Projekt involviert. »Der Kunde wollte unbedingt laserschweißen und hat schon mit seinen zwei PWS Rohrschweißanlagen von Rofin gute Erfahrungen gemacht«, sagt Le Roy. »Da war es für ihn naheliegend, auch bei der neuen Anlage Laser von Rofin einzusetzen.«

Erste Versuche im Hamburger Applikationslabor ergaben, dass der verwendete austenitische Cr-Ni-Stahl AlSI 304 gut zu bearbeiten ist, die Streubreite der Spaltgrößen jedoch zu groß und damit eine konstante, hochwertige Schweißnaht nicht gewährleistet war. Gemeinsam mit Rodomach wurden die Produktanforderungen ermittelt und dem Kunden Vorschläge zur Verbesserung empfohlen, um die Automatisierung und Schweißbarkeit bei konstant hoher Qualität zu ermöglichen.

Hilfreiche Zusammenarbeit

»Die Zusammenarbeit mit den Applikateuren aus Hamburg war wirklich unkompliziert und sehr hilfreich«, berichtet Roel Doornebosch, Geschäftsführer von Rodomach. Mit Peter Kallage, Leiter des Applikationslabors in Hamburg, stand man bei den Versuchen in sehr gutem Kontakt und regem Austausch. Die Spanntechnik stand bei vielen Gesprächen im Fokus, ist sie doch beim Schweißen häufig das A und O.

Mit einer cleveren Lösung, die auf klassische Schweißlehren verzichtet und deren Spannblöcke gekühlt sind, schlug man schließlich zwei Fliegen mit einer Klappe: Neben dem sicheren, servogesteuerten Verspanen ermöglicht die gekühlte Vorrichtung, dass alle Schweißpunkte mit den gleichen Parametern geschweißt werden können, da das Bauteil sich nicht erhitzt und damit nicht verzieht. Die Hamburger Applikateure empfahlen nach Abschluss der Versuche einen Zwei-Kilowatt-Faserlaser ›Rofin FL 020‹ mit einer 300-Mikrometer-Faser und eine Brennweite von 300 Millimeter.

Die Faserlaser der FL-Serie sind in Leistungen von 0,5 bis acht Kilowatt verfügbar. Durch die Wahl der unterschiedlichen Faserdurchmesser kann der Laser für nahezu jede Aufgabe in der industriellen Materialbearbeitung eingesetzt werden. Die Laser sind in der Compact-Version mit fester, angespleißter Faser verfügbar, oder in der Standard-Version mit einer getrennten Einhausung für das Strahlmanagement. Die Standard-Version hat vier Faserausgänge zur Strahlschaltung oder -teilung, die jeweils mit einer zweikanaligen Sicherheitsschnittstelle ausgestattet sind.

»Mit der hohen Tiefenschärfe hat der Kunde eine größere Prozesstoleranz und kann damit seinen Ausschuss reduzieren und die Produktivität verbessern«, so Peter Kallage. Durch den Einsatz eines Strahlschalters kann ein Laser zwei Roboterschweißstationen bedienen, die jeweils im Wechsel die beiden Seiten des Heizkörpers verschweißen. »Wir haben die Steuerung der Anlage, der beiden Roboter und des Lasers an einem Terminal zusammengefasst, um dem Kunden eine einfache Bedienung der Anlage zu ermöglichen«, erklärt Doornebosch. »Der Kunde war sich zu Beginn unserer Zusammenarbeit über die Komplexität der Anforderungen bewusst und gespannt, was wir ihm anbieten. Anscheinend haben wir ihn überrascht, denn eine so einfache Lösung hatte er nicht erwartet.« Mit zwei Metern pro Minute Schweißgeschwindigkeit, einem Drucktestergebnis, das statt der geforderten 25 bar sogar 250 bar hielt, und der hohen Qualität der Schweißnaht erfüllt nicht nur die Bedienung der Anlage alle Anforderungen des Kunden, der schon jetzt zwei weitere Anlagen in Deventer geordert hat. Man kann also sagen: alles in trockenen Tüchern.

Euroblech Halle 11, Stand G154

Hintergrund

Die ROFIN Macro Gruppe mit Sitz in Hamburg konzentriert sich auf die industrielle Materialbearbeitung mit Hochleistungslasern. Faser- wie auch CO2-Slab-Laser werden weltweit hauptsächlich zum Schneiden, aber auch zum Schweißen eingesetzt. Für Oberflächenaufgaben komplettieren fasergekoppelte Diodenlaser und diodengepumpte, gütegeschaltete Laser das Angebot. Abgerundet wird die Produktpalette durch Lösungen zum Scannerschweißen sowie zum Schweißen von Rohren und Profilen.

Erschienen in Ausgabe: 06/2016