Effizientes Blechhandling

Innovatives MT-Handhabungsgerät für ergonomischen Blechumschlag an Tryout-Großpressen

Das Engagement für ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze, die - egal wo man sie findet - zur Qualitätsarbeit anregen sowie nicht zuletzt den Ursachen von schmerzlichen und teuren Berufskrankheiten entgegenwirken, dies hat sich ein Uhinger Unternehmen auf die Fahnen geschrieben. Handhabungsgeräte leisten dort nicht nur eine aktive Gesundheitsprophylaxe, sie sichern einen schonenden Umschlag auf denkbar wirtschaftliche Weise.

06. Dezember 2003

Speziell in der Fertigung von Aluminiumteilen hat sich Allgaier, mit seinem Stammwerk in Uhingen, im Weltmaßstab führendes Know-how erarbeitet. Ein zweiter, ebenfalls erfolgreicher Geschäftsbereich entwickelt und fertigt verfahrenstechnische Maschinen und Apparate. Der Bereich Blechumformung ist bei Allgaier in zwei eng miteinander verzahnte Unternehmensbereiche gegliedert. Als Hersteller von Preßteilen im eigenen Preßwerk mit anschließender Weiterverarbeitung zu einbaufertigen Systemen wissen die Fachleute andererseits ganz genau, wie effizient arbeitende Umformwerkzeuge aufzubauen sind, um höchste Qualität zu erreichen. So können Allgaiers Kunden, zu denen alle führenden Automobilkonzerne gehören, wählen, ob sie fertige, hochpräzise Umformteile oder die Werkzeuge für eigene Pressen von der Allgaier GmbH beziehen möchten.

Der letzte „Schliff“ bedeutet harte Arbeit

Den Umformwerkzeugen, den „letzten Schliff“ zu geben, bedeutet, man muß immer wieder Probepressungen fahren und die umgeformten Teile akribisch untersuchen. So werden in einem iterativen Prozeß die Umformwerkzeuge bis zur vereinbarten Qualität vervollkommnet. Dabei gibt es viel zu tun: Nicht nur, daß zu jedem Preßwerkzeug ein Ober- und ein Unterwerkzeug gehören, Automobil-Außenhautteile werden in mehreren Stufen umgeformt. Jede Umformstufe hat sein spezifisches Werkzeug.

Wenn die Automobilindustrie heute fürs Umformen von ganzen Seitenteilen nur noch fünf Stufen fordert, bedeutet das nicht weniger Arbeit bei der Herstellung der Umformwerkzeuge für jede einzelnen Stufe, sondern zusätzlichen Aufwand, weil die Preßwerkzeuge für jede Stufe komplizierter werden. Das heißt, das Einlegen der Platinen oder der Blechteile in ein Preßwerkzeug darf das Umformergebnis nicht beeinflussen. Diese Grundbedingung läßt sich in einem vertretbaren wirtschaftlichen Aufwand nur mit Hilfe eines Handhabungsgeräts in Verbindung mit einem intelligent gestalteten Greifer, der keinerlei Spuren auf der Blechoberfläche hinterläßt, erfüllen.

Mit großer Reichweite

Die größten umzuschlagenden Platinen sind bei Allgaier 3.300 Millimeter lang und 1.700 Millimeter breit. Dazu nimmt ein weit auslandender Spezialsaugergreifer die Platinen in einer stark exzentrischen Position auf. Aus diesem Grund wurde ein pneumatisch arbeitendes MT-Handhabungsgerät vom Typ Posimat PB 160 mit einer Tragkraft von 120 kg, der MT Handhabungs- und Robotersysteme, Bad-Wurzach, ausgewählt, obwohl die größte Platine „nur“ 35 kg wiegt. Das MT-Handhabungsgerät steht auf einer schweren Grundplatte, die von einem Gabelstapler aufgenommen werden kann. Auf diese Weise läßt sich das komplette Gerät nach der Trennung vom Druckluftanschluß an einen anderen Platz stellen. Dort angekommen, braucht man nur die Druckluft anschließen und kann sofort weiter arbeiten. So kann das MT-Handhabungsgerät auch an anderen Arbeitsplätzen seine Vorzüge darstellen sowie seine universelle Einsetzbarkeit demonstrieren.

Vom Platinenstapel geht& pos;s direkt ins Umformwerkzeug. Nur ein einziger Werkzeugmacher nimmt mit Hilfe des MT-Handhabungsgeräts die Platine vom Platinenstapel auf, führt sie „frei schwebend“ zum Preßwerkzeug und dort legt sie mit der Hilfe eines weiteren Mitarbeiters präzise ins Umformwerkzeug ein. Zu dieser Prozedur brauchte man vor der Installation des MT-Handhabungsgeräts fünf Mann. Unabhängig von der potentiellen Unfallgefahr, die stets vom manuellen Blechumschlag ausgeht, war es sicher nicht einfach, zehn Hände so zu dirigieren, daß die Platine ohne Kollision ins Werkzeug kommt. So gesellten sich zur ergonomischen Verbesserung dieser Umschlagsprozeduren die Sicherung der Qualität sowie die Einsparung an Personal im derzeitigen Zwei-Schicht-Betrieb.

Einer statt fünf

Der beachtliche Arbeitsbereich des MT-Handhabungsgerätes Posimat PB 160 , mit der maximalen Ausladung der beiden Tragarme von insgesamt 3,10 Meter, eröffnet einen Arbeitskreis mit einem Durchmesser von 6,20 Meter. Dieser, im Vergleich zur Standardausführung des Posimat PB 160, erweiterte Arbeitsbereich ermöglicht es, das MT-Handhabungsgerät so aufzustellen, daß es die Platinen einlegen, die Umformteile aus dem Werkzeug entnehmen und abstapeln kann, obwohl es praktisch an der Peripherie des Arbeitsbereichs aufgestellt ist, weil es dort den Handhabungsprozessen nicht im Wege steht.

„Gesunde“ Kosteneinsparung

Der Posimat PB 160 läßt sich mühelos bedienen: Der Greifer ist so gestaltet, daß er sowohl die Platinen als auch die Umformteile sicher aufnimmt und in der Bewegung zuverlässig fest hält. Ein Greifer kann jeweils ein bestimmtes Teilespektrum bedienen, so daß die Anzahl an notwendigen Austauschgreifern sehr gering ist. Die installierte pneumatische Waage arbeitet automatisch. Sie ermittelt in Bruchteilen einer Sekunde das Gewicht der Last und signalisiert der Steuerung, was für ein Gegendruck im Pneumatikzylinder aufzubauen ist. Auf diese Weise schwebt die aufgenommene Last manuell geführt „schwerelos“ durch den Raum.

Der Einsatz des MT-Handhabungsgeräts trägt damit spürbar zu einer Gesundheitsprophylaxe bei: Erstens wird das so schädliche Bücken unter Last vermieden. Zweitens bewirkt das MT-Handhabungsgerät aktive Unfallverhütung beim Blechumschlag. Zu diesen humanen Anliegen gesellen sich handfeste wirtschaftliche Vorzüge: Mit einem vergleichsweise geringen Investitionsaufwand benötigen die Umschlagsprozesse an der Tryout-Presse nur noch zwei Mitarbeiter, die zuverlässig die Qualität des Handhabungsguts erhalten.

Erschienen in Ausgabe: 10/2003