Dynamischer Allrounder

Die transparente Fabrik

Mit Transparenz und einem durchgängigen Konzept will eine große Schweizer Holding auf die Herausforderungen dieser Zeit reagieren. Zuletzt fielen sie nicht nur aufgrund einer bemerkenswerten Neuerwerbung auf, sie setzten auch deutliche Zeichen wohin die Reise gehen soll: Das Beherrschen der Prozeßkette Biegen mit der Konzentration auf Schneiden und Biegen, die Marktposition in der Laserflachbearbeitung halten, bei der Rohrbearbeitung zu den führenden Anbietern gehören und das Thema Abrasiv-Wasserstrahlschneiden massiv ausbauen.

06. Januar 2003

Wer nach Niederönz in der Schweiz kommt, der wird dort die neue, transparente Fabrik der Bystronic-Laser AG bestaunen können. Schon bei der Anfahrt auf den 28,6-Millionen-Euro-Gebäudekomplex drängt sich der Gedanke auf, das hier mit offenen Karten gespielt wird. Hier soll der Dialog aller gefördert werden, um die dynamische Entwicklung der Conzzeta Holding weiter voranzutreiben. Ein Ort der Bewegung.

In den transparenten Hallen fertigt die Bystronic Laser AG sowohl Laserschneidmaschinen, Laserresonatoren und Blechlager, als auch die Wasserstrahlschneidanlagen. In modernen Büros entstehen die Softwarekonzepte und -programme, die das Ganze zu einem durchgängigen Konzept verschweißen. Auf einer Pressekonferenz Ende September stellten die Schweizer nicht nur die neuen Hallen, sondern auch neue Konzepte und einen Ausblick in die Zukunft vor.

Neue Elemente für ein gemeinsames Ziel

„Die Conzetta-Holding hat auch in diesem schwierigen Jahr eine sehr dynamische Entwicklung erfahren.“ Als CEO Ferdi Töngi das Jahr Revue passieren ließ, fanden nicht nur die beiden neuen Produktionsneubauten in Hauppauge, USA, und Niederönz, der Zentrale dieser Holding, ihre besondere Erwähnung. Er kommentierte auch die Neuakquisitionen in China und Deutschland, die das Kompetenzfeld Biegen nachhaltig stärken sollen. „Mit der 100-prozentigen Übernahme von AFM in Tianjin, haben wir nicht nur einen Produktionsstandort für die Low-Cost-Biegemaschinen - CNC-Maschinen und manuell zu bedienende Biegemaschinen -, wir haben auch die zukünftige Möglichkeit geschaffen, dort direkt im Land Laseranlagen zu produzieren.“ Zudem wies Ferdi Töngi darauf hin, daß auch in den chinesischen Biegemaschinen die zentralen Komponenten aus Europa kommen. Durch die gleichen Standards wird nicht nur die Qualität sichergestellt, der Austausch von Komponenten dürfte sich so wesentlich vereinfachen.

Auch die Übernahme von Beyeler in Gotha durch die Conzetta Holding folgt einem schlüssigen Konzept. „Wir haben mit unseren Hämmerle-Biegemaschinen - mit Drei-Punkt-Abkantverfahren - ein Segment im High-end-Bereich. Durch die Übernahme von Beyeler ist ein Segment hinzugekommen, daß viel stärker im Markt vertreten ist. So können wir auch von der Erfahrung der Gothaer in diesem großen Segment profitieren und so das ganze Feld des Biegens anbieten. Alle Maschinen werden bald im neuen Bystronic-Look zu sehen sein.“ Doch es gab zwei weitere, wichtige Schritte, die für Ferdi Töngi sozusagen zu den drei Hauptpunkten gehören. Dazu zählen der neuentwickelte 4,4-kW-Halbleiter-Laser ebenso wie die massive Forcierung des Themas Abrasiv-Wasserstrahlschneidanlagen.

Auf ExpansionskursUnd noch ein interessantes Detail erwähnte Ferdi Töngi: „Wir wollen die Fertigungstiefe erhöhen und einen Großteil unserer Anlagen hier am Standort nicht nur montieren, sondern auch Komponenten fertigen.“ Auf diesem Weg, und mit der Vereinbarung mit den Schweizer Zulieferern in der Basiswährung Euro zu zahlen, will Bystronic die Kosten weiter senken.

Durch den Zukauf von Beyeler stieg die Mitarbeiterzahl von zuletzt 930 - wovon 540 Mitarbeiter in der Schweiz arbeiten - auf 1.140 Mitarbeiter an. Der Umsatz 2001 betrug über 258 Mio. Euro, und seit 1996 erreichte das durchschnittliche Wachstum etwa 20 Prozent.

Inzwischen verfügt die Holding weltweit über vier Produktionsstandorte im Bereich „Cut and Bend“ - in Niederönz (CH), Gotha (D), Tianjin (VR) und Hauppauge (USA). Urs Singer, COO der Bystronic Laser AG, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Neubau in Niederönz. Zusammen mit den bestehenden Gebäuden verfügt Bystronic nun über 36.000 m² für den Kundenbereich, die Fabrikation, Montage und Entwicklung sowie 11.600 m² Bürofläche. Das Demo- und Applikationszentrum dient der Kundeninformation. Neben zahlreichen technischen „Highlights“ wies Urs Singer augenzwinkernd auf ein kleines Detail der Heizungsanlage hin: „Wir speisen auch die Abwärme aus dem Resonatoren-Prüffeld in unser Heizsystem ein. Wenn nicht genug Resonatoren verkauft werden, stellen wir die Heizung zuerst im Vertrieb herunter.“ Daß es dazu nicht kommen wird, zeigen die Verkaufszahlen im Laserbereich. Das Unternehmen sieht sich hier weltweit als die Nummer zwei, in Asien - ohne Japan - sogar als die Nummer 1.

Alles aus einer Hand

An den allgemeinen Überblick gliederten sich noch weitere Fachvorträge an. So stellte Roland Stöckli den neuen 4,4-kW-Laserresonator vor, dessen Laseranregung über Halbleiter erfolgt. Nicht nur die kompakte, modulare Bauweise mit integriertem Steuerschrank, oder die Highspeed-Schnittstellen fanden Erwähnung, ein wichtiger Punkt war auch, daß Bystronic die Schneidleistung garantiert und die Laserquelle mit noch weniger Wartung und noch höherere Verfügbarkeit aufwartet.

Masch.-Ing. (FH/DS) Marcel Lüscher, Projektleiter der Bystronic Laser AG zeigt sich denn auch zufrieden mit dem Werdegang der Laserschneidanlage „Byspeed“. „In den letzten Monaten, als der Verkauf so richtig startete, haben wir bereits 50 Maschinen verkauft.“ Zudem stellte er die Hauptmerkmale der schnellen Laserschneidanlage, wie den zentralen Balken mit dem DHM-Antrieb, den Schneidkopf und die Laserquelle sowie das Bedien-Terminal heraus. Nicht nur der geringere Platzbedarf - etwa 40 Prozent weniger Aufstellfläche -, auch die Reduktion der Schneidzeiten im Dünnblechbereich bis etwa 50 Prozent betonte er ausdrücklich: „Mit der Byspeed können wir 600 Löcher, mit 2 mm Durchmesser und einem Mittenabstand von 3mm - ergo 1 mm Stegbreite - pro Minute schneiden. Zudem sind wir der weltweit einzige Hersteller, der alle Hard- und Software-Komponenten der Laserschneidanlagen im eigenen Hause entwickelt.“

Automation auf dem Vormarsch

Die Automation spielt auch bei Bystronic eine herausragende Bedeutung. Fritz Müller, Projektleiter.Automation zeigt zum Thema Handling- und Automation an Laserschneidanlage die Bystronic-Lösungen auf „Mit unseren Handling-Einrichtungen sichern wir die Wettbewerbsfähigkeit der Produzenten in den Hochlohnländern“. Herzstück einer hochautomatisierten Laserfertigung ist das kompakte Automatisierungssystem „Bycell Cross“ das über zwei integrierte Lagertürme zur Auslagerung der Bleche und Rücklagerung der geschnittenen Teile samt Restgitter sorgt. In der Doppelturm-Version hält „Bycell“ bis 60 Lagerplätze vor; wird mehr gebraucht, können weitere Lagertürme in der Längslager-Version „Bycell Line“ realisiert werden.

Von hier aus werden eine oder mehrere an das System angebundene Laseranlagen mit Blechtafeln versorgt. Die Lagersoftware „Bystore“ ist für das Verwalten der Blechteile zuständig. Das Softwaremodul „Byteam“ sorgt für den Datenaustausch und die Steuerung von mehreren Laseranlagen, und das bereits auf der letzten EMO vorgestellte automatische Einzelteilentnahmesystem „Bysort“ schließlich, stellt eine weitere Ausbaustufe des Automationskonzeptes dar. Das CNC-Portal-Handling-System steigert die Produktivität nochmals durch eine sehr genaue und teileschonende Abstapelung der geschnittenen Teile. Mit dem Handling-System „Bytrans Cross“ kann Bysort auch ohne die Lagerturmlösung eine Laserschneidanlage beschicken, inklusive Teilesortierung und Restgitterentnahme.

Biegen mit System

Gerrit Gerritsen, Application Manager von Beyeler erklärte die PR- und PR-Plus-Systeme (Pressdruck-Referenz-Systeme), die durch Druckmessung die exakte Auffederung jedes Seitenständers messen können. Er nannte zahlreiche Vorteile, wie etwa die dynamische Bombierung, die dynamische Rückfederungskompensation oder die dynamische Blechstärkenmessung. Desweiteren stellte er auch das PR-Xpert-System, mit Internet-Technik und Datenbanktransfer von einer Biegedatenbank, der „Beyeler Biege Technologie Data Bank“ vor.

Maschinenbau-Ingenieur Richard Kolliker kam anschließend auf die Hämmerle-Drei-Punkt-Biegetechnik zu sprechen und veranschaulichte das „High-End“-Biegesystem sehr einprägsam. „Mit der Baureihe P225 ergänzt Bystronic-Hämmerle sein Programm an Drei-Punkt-Biegemaschinen mit zwei Modellen. Die P225 verfügt über eine Preßkraft von 225 Tonnen und die Biegelänge beträgt je nach Modell 3.100 oder 4.100 mm. Mit den Maschinen, die über alle bekannten Vorteile des Drei-Punkt-Biegens verfügen, wird unser Programm nach oben hin ergänzt. Netzwerkanschluß und integriertes Modem sind mit Vorstellung der P225 für alle Hämmerle-Maschinen Standard.“ Auch das Euroblech-Exponat einer „Biege-Roboter-Zelle“ stellte Richard Kolliker vor.

Rohrbearbeitung konsequent weiterentwickelt

Bystronic hat jedoch nicht nur das Blech im Auge. Auch die Rohrbearbeitung mittels Laserschneiden erfuhr eine konsequente Weiterentwicklung. Ulrich Brawand, Gebietsverkaufsleiter bei Bystronic, stellte die neue „Bytube“ dann auch gleich in Aktion vor. „Die drei Bytube-Varianten unterscheiden sich zunächst in ihrer Größe. Das gut zugängliche Magazin auf der Beladeseite kann Rohrlängen von 2.500 bis 6.500 mm aufnehmen. Es können zunächst Rohr- beziehungsweise Hüllkreisdurchmesser zwischen 20 und 170 mm automatisch bearbeitet werden. Alle drei Varianten sind mit einem 3-kW-CO2-Laser ausgerüstet, der Stahl bis 12 mm, Inox bis 8 mm und Aluminium bis 6 mm Dicke ohne Probleme schneiden kann. Die Variante „Bytube S“ arbeitet mit einem feststehenden Laserstrahl und bietet sich in erster Linie für das Schneiden von kleineren Rohr- oder Profilteilen, wie Fittings oder Rohrbögen an. Die Bytube 3204 und 6504, unterscheiden sich im wesentlichen durch die Dimensionen des Schneidbereiches. Ansonsten haben sie die gleichen Ausstattungsmerkmale.

Über den Automatikbetrieb hinaus, offerieren diese Anlagen die Möglichkeit, im sogenannten „Flexbetrieb“ auch größere Durchmesser (bis 320 mm) abzuarbeiten. Der gut zugängliche Schneidbereich kann bei manueller Beladung Rohre und Profile bis 3 m beziehungsweise 6 m Länge aufnehmen. In diesen Fällen wird mit einem Gegenhalter gearbeitet. Verzichtet man auf diesen, können auch Überlängen bearbeitet werden. Daß darüber hinaus eine separate Schneidtischeinheit in den Arbeitsbereich gebracht werden kann, erhöht die Flexibilität nochmals: Somit ist es möglich Flachbearbeitung durchzuführen. Der Arbeitsbereich kann hierbei maximal 400 x 3.250 beziehungsweise 400 x 6.500 mm betragen. Ausschnitte in großen Teilen, etwa Trägerprofile, die zu groß für Flachbettanlagen sind, können auf der Bytube ohne Probleme durchgeführt werden. „Durch das durchdachte Antriebs,- Steuerungs- und Absaugkonzept ist auf der Bytube Rohr- und Profilbearbeitung in gewohnter Bystronic-Qualität möglich“, so Ulrich Brawand abschließend.

Wasserstrahlschneiden im Mittelpunkt

CEO Ferdi Töngi erwähnte schon Eingangs die Wichtigkeit des Abrasiv-Wasserstrahlschneidens für Bystronic und Michael Merkle, Geschäftsführer Wasserstrahlschneiden, unterstrich dies im abschließenden Vortrag deutlich: „Der Wasserstrahl-Markt wächst rasant mit etwa 15 Prozent im Jahr. Damit ist er der am schnellsten wachsende Markt im Werkzeugmaschinenbau.“ Bereits Mitte der 80ger begann die Entwicklung bei Bystronic. Inzwischen hat sich viel Know-how angesammelt und die neuen „Byjet-Modelle“ zeigen eindrucksvoll, wie weit die Entwicklung vorangeschritten ist. Die modular aufgebauten Anlagen können standardmäßig mit einem Arbeitsbereich 3 x 1,5 m; 4 x 2,2 m sowie 6, 8, 10 oder 12 x 3 m geliefert werden. Sie verfügen über eine CNC-Druck- und Sandmengenregulierung, einer Höhensensorik mit Kollisionsschutz sowie über integrierte Schneidkassetten zum schnellen Schneidgutwechsel. Maximal vier Schneidköpfe können auf einer Brücke montiert werden. Die Verfahrgeschwindigkeiten gehen bis 84 m/min. „Die Wasserförderleistung jedes Schneidkopfes beträgt 2,45 l/min. Wir erachten das als ideal, denn wir können einen geringeren Wasserverbrauch bei gleichem Vorschub zu den & pos;Gallonen-Anlagen& pos; verbuchen“, so Michael Merkle.

Der weltweite Vertrieb und Kundendienst für die Wasserstrahltechnologie zeigt, wie ernst Bystronic dieses Arbeitsfeld nimmt. Und das Ziel, bis 2005 weltweit die Nummer drei zu sein, scheint ob der Anstrengungen im Unternehmen durchaus realistisch zu sein.

Erschienen in Ausgabe: 11/2002