Dynamikschub für Alte

Servomotion – Keine Sorge, hier geht´s nicht um Doping für Rentner, sondern darum, wie Raster Technology neuen und selbst Alten Pressemodellen deutlich mehr Schwung verleiht.

29. Februar 2008
(V. l.) Michael Appich, Geschäftsführer der Karl Klink GmbH, und sein Technischer Leiter, Dr. Heiner Lang, vor einem Raster-Stanzautomaten Baujahr 1987 mit Servoantrieb Baujahr 2007: »... ein gewaltiger Dynamikschub.«
Bild 1: Dynamikschub für Alte ((V. l.) Michael Appich, Geschäftsführer der Karl Klink GmbH, und sein Technischer Leiter, Dr. Heiner Lang, vor einem Raster-Stanzautomaten Baujahr 1987 mit Servoantrieb Baujahr 2007: »... ein gewaltiger Dynamikschub.«)

Raster Technology scheint sich pudelwohl unter dem Dach der Karl Klink GmbH zu fühlen (bbr berichtete in 10/2006 »Zurück im Haifischbecken« von der Übernahme und Umfirmierung des Stanz- und Umformautomatenbauers Raster Maschinenbau durch die Karl Klink Holding). Die vor einem Jahr noch erhofften Synergieeffekte in der Konstruktion und Fertigung sind tatsächlich eingetreten, wie Dr.-Ing. Heiner Lang gegenüber bbr nun bestätigte: »Alle Großteile der Raster- Pressen werden auf unseren Fertigungszentren gefertigt. Damit ist unsere Fertigung zu jeder Zeit gut ausgelastet, und wir haben die qualitätsbestimmenden Komponenten selbst in der Hand.« Auch hinsichtlich der gemeinsamen Entwicklungsanstrengungen — der Räummaschinenbauer Klink hat hier ein großes Know-how in Sachen Servomotorentechnik — ging die Saat ganz offensichtlich auf, wie das neueste Kind der Raster Technology, die Raster ServoMotion (RSM) beweist. Denn was für Antriebe in Räummaschinen gut ist, kann doch für Pressen nicht schlecht sein?

Zur Servomotion

Auf den Stamping-Days in Pforzheim 2007 verwies ein Schild auf dem Raster-Technology-Messestand auf die Möglichkeit, die neue ServoMotion-Presse direkt bei Karl Klink live zu erleben. In der Fertigungshalle des Unternehmens stand die erste Servopresse der Raster Technology. Der Entwicklungspartner in Sachen Pressensteuerung und Antriebstechnik, die Siemens AG Automation and Drives aus Erlangen, war durch Günter Weber vertreten, der Auskunft über die hard- und softwaretechnische Realisierung der servospezifischen Funktionen gab. Auch Klink-Geschäftsführer Michael Appich war anwesend, als der Technische Leiter von Klink, Dr. Heiner Lang, die Präsentation der Neuheit übernahm.

Clevere Kombination

Dass das erste »Servoherz« ausgerechnet in einer 20 Jahre alten 80-Tonnen-Presse schlägt, hat seine Gründe: »Wir hatten auf Wunsch unseres Kunden eine Komplettrevision seiner Presse durchgeführt. In diesem Zusammenhang haben wir auch den Wunsch nach mehr Dynamik erfüllt, indem wir anstatt der Schwungradtechnik die Exzenterwelle direkt über einen Torquemotor und Planetengetriebe antreiben.«, so Dr. Lang. Gefragt, was denn die eigentlichen Vorteile der Raster ServoMotion seien, kann Heiner Lang gleich eine ganze Reihe an Vorteilen benennen: »Trotz einer Geschwindigkeitsreduktion im Arbeitsbereich kann die Presse mit höheren Hubzahlen als die konventionelle Schwungradpresse betrieben werden. Das liegt daran, dass die Presse die reduzierte Stößelgeschwindigkeit im Arbeitsbereich durch wesentlich höhere Rückhubgeschwindigkeiten kompensiert. Die Presse verfügt, neben der konventionellen Betriebsart, standardmäßig über zwei in der Steuerung voreingestellte Geschwindigkeitsprofi le. Das eine zum Tiefziehen und das zweite zum Prägen.« »Des Weiteren besteht die Möglichkeit, individuell auf den Bearbeitungsprozess des Kunden abgestimmte Profile zu generieren. Die Presse verfügt außerdem über eine Handradbedienung, mit welcher Drehzahl unabhängig ab 25° vor UT mit voller Presskraft gefahren werden kann (Tryout). Als positiven Nebeneffekt der neuen Antriebstechnik wird zusätzlich ein gesteigertes Arbeitsvermögen erzielt. Durch die Raster ServoMotion-Funktion kombinieren wir einfach und intelligent die Eigenschaften eines Linearpressenantriebes, wie sie in Hydraulikoder Spindelpressen zu finden sind, mit denen eines konventionellen Pressenantriebes (Exzenter, Schwungrad).« Mitarbeiter Mattheos Grigoriadis führte die Möglichkeiten der ServoMotion anschließend in der Praxis vor.

Servo für alle

»Wir können mit ServoMotion standardmäßig Pressen von 40 bis 400 Tonnen Presskraft ausstatten«, erklärt Dr. Lang. »Eine neue 200-Tonnen-Presse haben wir bereits in der Pipeline, und aufgrund der positiven Resonanz der Messe wird eine 100-Tonnen-Servo-Motion aufgebaut, die bei Raster zu Kundenvorführungen und Musterteilefertigung zur Verfügung steht.« Da dieses neue Antriebskonzept für alle Raster-Längswellen-Pressen nachrüstbar ist, kommen auch Raster-Kunden in den Genuss einer höheren Dynamik und damit höherer Ausbringung, die über eine ältere Presse verfügen und nicht gleich den Kauf einer neuen Servopresse erwägen.

(Erik Schäfer)

Erschienen in Ausgabe: 01/2008