Durch die Decke

Seit der Investition in ein Stopa-Compact-II-Blechlager für Tafeln im Großformat profitiert BBW Lasertechnik vor allem von mehr Lagerkapazität und von einer höheren Flexibilität. Hinzu kommt die Option, Blechbearbeitungsmaschinen in zwei Etagen versorgen zu können.

19. November 2019
Durch die Decke
Das Blechlager Stopa Compact II verbindet intralogistisch zwei Stockwerke miteinander. (© Stopa)

Johann Bürger, Mitbegründer der BBW Lasertechnik GmbH, Prutting (Bayern), der sich mit seinem Sohn Andreas die Geschäftsführung des heutigen Familienunternehmens teilt, steht vor dem von der Stopa Anlagenbau GmbH, Achern-Gamshurst, gelieferten Blechlager. »Das rund 10,8 Meter hohe, 11 Meter lange und 5,6 Meter breite System erstreckt sich über beide Stockwerke unserer Werkshalle.

Stopa hat das Lager millimetergenau zwischen Wänden, Säulen und dem Durchlass zur unteren Ebene eingebaut, den wir nutzen, um das Erdgeschoss intralogistisch mit dem ersten Stock zu verbinden.« Andreas Bürger zeigt Fotos, die an die Installation erinnern. »Die vorgefertigten Stahlbaukomponenten und das Regalbediengerät sind mit Hilfe eines Autokrans durch das geöffnete Dach und die Öffnung des Obergeschossbodens in die Halle gehoben worden. Eine wirtschaftlichere Alternative hatten wir nicht.«

Für Großformate

Von dem für das Großformat ausgelegten System erwarten die Geschäftsführer mehr Lagerkapazität und Flexibilität, weniger Beschädigungen an den Tafeln und einen geringeren Zeitaufwand beim Handling und Materialsuchen. Abgesehen davon bleibt dem Unternehmen die Möglichkeit, seine Laseranlagen, die in der Produktion stehen, jederzeit an das Lager anbinden zu können. »Vor der Investition in das Stopa Compact II haben wir mit einem Lager gearbeitet, das für kleinere Formate ausgelegt war«, erläutert Johann Bürger. »Die Umstellung auf das Großformat hat sich als zweckmäßig und zeitgemäß erwiesen.«

Blechlager mit Mehrwert

Das Stopa Compact II besteht bei der BBW Lasertechnik aus vier Regalblöcken, die zweireihig angeordnet und mit 208 Lagerplätzen ausgestattet sind. Als Ladungsträger stehen 100 Flachpaletten zur Verfügung, die jeweils mit einer nutzbaren Fläche von maximal 1.525 mal 3.050 Millimeter versehen sind und mit Blechen im Gewicht bis 3.000 Kilogramm beladen werden können.

Zum wesentlichen Mehrwert dieses Lagersystems zählen eine patentierte Wiegevorrichtung, deren Wiegezellen in die Palettenlauffläche der Ziehtraverse integriert sind, und der Verzicht auf Hydraulik. Eine Lösung, durch die sich die Zykluszeit um zirka 80 Prozent verringert. Hinzu kommt ein intelligentes Energiemanagement, basierend auf einem Konzept mit zwei leistungsfähigen, leichten Antriebsmotoren anstelle eines schweren Motors, aus dem eine Gesamtgewichtsreduzierung von etwa einer halben Tonne resultiert. Obendrein kann der Betreiber die generatorische Energie eines Antriebs einem anderen als motorische Energie zur Verfügung stellen.

Außerdem erreicht Stopa durch die Kompensation von Toleranzen einen ruhigeren Lauf der Systempaletten und erhöht somit die Prozesssicherheit. Ein Vorteil, der auch zu einer längeren Lebensdauer, weniger Stillstandzeiten und zu einem geringeren Wartungsaufwand führt.

Effiziente Abläufe

Mitarbeiter entpacken angelieferte Blechpakete auf dem im Erdgeschoss vor dem Lager installierten, für das Großformat (3.000 mal 1.500 Millimeter) konzipierten Auspacktisch, der sich durch verschiebbare Auflagestempel an die unterschiedlichsten Holzpaletten und Blechformate anpassen lässt. Von dort hebt ein Stapler das entpalettierte Blechpaket und legt es auf der längsseitig angeordneten Warenein- und -ausgangsstation ab.

Mit Hilfe des mit beweglichen Ablagestempeln und Koordinateneckstempeln ausgestatteten Scherenhubtischs lässt sich das Blechpaket auf der leeren Systempalette exakt positionieren. Der Scherenhubtisch ist zusätzlich mit einer pneumatischen Wagen- und Palettenarretierung sowie mit einer Lichtschranke ausgestattet, die die Einhaltung der maximal zulässigen Beladehöhe von 90 Millimeter überwacht.

Fährt der Scherenhubtisch nach der Freigabe des Bedieners in das Lager, zieht das robuste Zweimast-Regalbediengerät (RBG) die Palette herunter und lagert sie ein. Die zweite, im Erdgeschoss längsseitig installierte Station dient ausschließlich dem Warenausgang. Statt eines Scherenhubtischs ist diese mit einem Transportwagen mit fixer Höhe ausgerüstet, der, abgesehen vom Hub, über die gleichen technischen Features verfügt. Das Lager versorgt eine Trulaser-5030-Laserschneidanlage von Trumpf. Bleche oder Halbfabrikate lagert BBW Lasertechnik nicht zurück.

Zahlen & Fakten

STOPA gehört zu den europaweit führender Premium-Herstellern automatisierter Lagersysteme für Blech und Langgut sowie automatischer Parkhaussysteme. Die Angebotspalette des Unternehmens reicht von Stand-alone-Anwendungen bis zu integrativen Automatisierungsmodulen. 40 Jahre Praxiserfahrung, mit komplexen Konstruktionen und weltweit über 2.000 installierten Anlagen.

Der Betreiber arbeitet mit Festplatzlagerung bei einer Beladehöhe und nutzt dabei die vorhandene Fläche und Höhe komplett aus. Das RBG erreicht Geschwindigkeiten von 60 Metern in der Minute beim Fahren und 23 Metern beim Heben. Die beidseitig teleskopierbare Zieh-/Schiebeeinrichtung des RBG kommt auf 20 Meter in der Minute.

Die Längspositionierung erfolgt mit Hilfe eines digitalen Wegmesssystems, die Höhenpositionierung über ein absolutes und lastunabhängiges digitales Wegmesssystem, das das Anfahren eines Referenzpunktes erübrigt. Eine Datenlichtschranke ermöglicht einen berührungslosen, verschleißfreien Datentransfer zum RBG, das über eine oben verlaufende Stromschiene mit Energie versorgt wird.

Die Steuerung der Anlagenkomponenten übernimmt eine in einen Industrie-PC integrierte Realtime-Soft-SPS. Andreas Bürger lehnt am ergonomischen Bedienpult. »Die Bedienung des Lagers ist einfach und erfordert keinen großen Schulungsaufwand.«

In das Pult ist der mit einem Touchscreen versehene Industrie-PC eingebaut, der die Anlage bedient und deren Zustände visualisiert. Hierzu gehören grafische Darstellungen des Lagers und des RBG, permanente Statusanzeigen in Klartext, Diagnosefunktionen sowie die Protokollierung aller Meldungen und Fahraufträge.

Das integrierte Raid-System ermöglicht es, den Lagerbetrieb beim Ausfall einer Festplatte fortzusetzen. Somit erhöht es die Verfügbarkeit der Gesamtanlage. Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) schützt vor Daten- und Programmverlusten. Zum Service von Stopa gehört auch eine Ferndiagnose der Anlagensteuerung via VPN. Die bei der BBW Lasertechnik eingesetzte Stopa-Lagerverwaltungssoftware ›LVS-Basic‹ gleicht die Bestände nachts über eine Hostschnittstelle mit dem ERP-System des Betreibers ab. Der Datenbestand wird in einer Datenbank verwaltet und täglich automatisch gesichert.

Zukunftsweisende Entscheidung

Die Schwerpunkte im breiten Spektrum der Lasermaterialbearbeitung der BBW Lasertechnik liegen im Laserfeinschneiden und im Laserschweißen. Hervorzuheben sind ebenso die Bearbeitung mit ultrakurzen Laserpulsen, das Biegen mit Sechsachsanschlag, die Baugruppenfertigung sowie das Gesamtpaket, das von der Konstruktion über die Entwicklung bis zum Endprodukt reicht.

Zur Investitionsentscheidung zugunsten von Stopa haben auch das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Lieferantenkombination von Stopa und Trumpf beigetragen, die aufgrund langjähriger Erfahrungen Schnittstellenprobleme ausschließt. Dass sämtliche Terminzusagen eingehalten worden sind, hat nicht zuletzt an der parallelen Planung des Gebäudes und Lagers gelegen. Der Startschuss für das im Zweischichtbetrieb mit nahezu 100 Prozent Verfügbarkeit arbeitende Stopa Compact II ist im Dezember 2018 gefallen.

Johann Bürger denkt schon weiter. »Da sich das Blechlager jederzeit zukunftsweisend erweitern lässt, setzen wir auf die Option, im Obergeschoss der Halle eine dritte Station integrieren und zusätzliche Maschinen anbinden zu können.«

Jürgen Warmbold Fachjournalist aus Weyhe

Erschienen in Ausgabe: 07/2019

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