DURCH DICK UND DÜNN

Fokus/Laserschneiden

Normal kann Jeder, findet Martin Krämer und geht die Dinge gern mal anders an. Von seiner Trulaser 1030 wechselte er darum gleich in die Spitzenliga: auf eine Trulaser 5030 fiber mit Brightline fiber.

17. März 2014

Bei Martin Krämer, Inhaber von Krämer Brennteile, ist so manches anders. Logistische Premiumlage? Fehlanzeige – seine Fertigung liegt am Ende eines kleinen Seitentals der Kinzig im tiefen Schwarzwald. Und sie residiert zwar auf der grünen Wiese, aber nicht im funktionalen Zweckbau, sondern im traditionsreichen Bauernhof der Familie.

Krämer produziert quasi ›Stahl im Stall‹. Denn im Stall steht seine Laserschneidmaschine, umrahmt vom selbst konzipierten und gebauten Rohplatinenlager. Kühlung und Laserresonator finden Platz im vormaligen Futtersilo – der Laser ist dabei mobil auf einer staplerbedienbaren Plattform plaziert, die beispielsweise zum Kühlwassertausch einfach aus der Nische gezogen wird. Kabelzuführungen und Laserlichtkabel sind dafür ausreichend dimensioniert.

Physikalische Grenzen verschoben

Keine 36 Monate dauerte es, bis Martin Krämer Mitte 2013 den Sprung in die Spitzenliga wagte: Nach zwei Trulasern 1030 investierte er in die Trulaser 5030 fiber. »Unser Einstieg ins Laserschneiden nach der Blechexpo 2010 hat bei unseren Kunden für enorme Resonanz gesorgt. Für diesen ersten Schritt war die Trulaser 1030 mit ihren geringen Investitionskosten ideal.« Doch immer wieder stieß Krämer dann an Grenzen – entweder bei der Produktivität oder aber im Blechdickenspektrum, besonders bei Edelstahl.

Krämer machte daher zwei Schritte auf einmal. Der Aufstieg zur Hochleistungsmaschine Trulaser 5030 fiber war für ihn konsequent: »Mich fasziniert die Festkörperlasertechnologie schon lange. Und ich wollte einen echten Produktivitätszuwachs.« Den verortet er mittlerweile bei Faktor vier bis fünf gegenüber der Trulaser 1030 – bei noch deutlicherem Plus im Dünnblech.

Besonders schätzt er den fliegenden Wechsel zwischen höchster Produktivität im Dünnblech und Qualitätsschnitten im Dickblech dank der Funktion ›Brightline fiber‹. Martin Krämer: »Brightline fiber hat die bislang gültigen physikalischen Grenzen verschoben und macht die Trulaser 5030 fiber zu einer Universalmaschine. Das verhilft uns als Lohnfertiger zu der im Markt erforderlichen, uneingeschränkten Flexibilität.«

Mit seinem 5-KW-Trudisk-Laser schneidet Krämer heute auch dicken Edelstahl bis 25 mm in hervorragender Qualität. Schnitte durch Aluminium sind ebenfalls bis 25 mm Blechdicke möglich, und erste Aufträge mit Messingteilen hat er bereits erfolgreich abgewickelt. Die Möglichkeit, Kupfer mit Stickstoff oxidfrei und prozesssicher zu schneiden, eröffnet ihm zukünftig noch weitere Märkte.

Voraussetzung dafür ist das perfekte Zusammenspiel von Strahlerzeugung, -führung und -fokussierung. Bei Trumpf kommen all diese zentralen Komponenten der Maschine aus einer Hand – vom Laserresonator bis hin zu Schneidkopf und passender Düsentechnologie. Martin Krämer: »Auch bei höheren Materialstärken reduziert Brightline fiber die Gratbildung sowie die Rauigkeitswerte der Schnittkante erheblich.Gleichzeitig steigt die Prozessstabilität beim Schneiden von Baustahl.«

Das Programmiersystem Trutops Laser beherrschen der gelernte Zimmerer Hubert Kinast und Maurer Pius Brucker seit Jahren aus dem Effeff. Durch die exakte Justierung der Technologieparameter können sie selbst schwankende Materialgüten perfekt schneiden. Hubert Kinast ist seit 2010 mit der Trulaser 1030 vertraut: »Die Umstellung auf die Trulaser 5030 fiber war mehr als einfach.

Schließlich liegen Programmierung und Bedienung die gleiche Logik zu Grunde und die Menüsteuerung lässt keine Fragen offen.« Allerdings setzt das Arbeitstempo der Trulaser 5030 fiber Kienast und Brucker gehörig unter Druck. Brucker: »Da wir kaum Serien über 100 Stück pro Los fahren, müssen wir unsere zahllosen Einzelteile und Kleinstserien zu zweit programmieren. Sonst geht der Anlage die Arbeit aus.« Dass die Arbeit ausgeht, passiert allerdings nur selten, denn an Kunden mangelt es nicht.

Vielfalt, Qualität und Flexibilität

Warum diese Vielfalt nötig ist, zeigt der Besuch bei Krämer. Gerade kommt der örtliche Bauunternehmer mit einem Teil aus seinem Betonmischer aus gehärtetem Spezialstahl und bestellt Ersatz. Kurz danach holt ein Maschinenbauer drei Zahnstangen, und der LKW von Krämer rollt mit einer Kleinserie für einen Automobilzulieferer vom Hof.

Martin Krämer: »Vom Künstler bis zur chemischen Industrie, vom Handwerksbetrieb bis zum großen Maschinenbauer gibt es kaum eine Zielgruppe, die wir nicht beliefern. Vielfalt, Qualität und unbedingte Flexibilität zeichnen uns aus.«

Zwar läuft die Maschine ›einschichtig‹ – bei Krämer hat aber auch das eine besondere Bedeutung: »Im Schnitt ist die Trulaser 5030 fiber gut 13 Stunden am Tag in Betrieb.« Da er im Haus über der Maschinenhalle wohnt, setzt er meist die Anlage frühmorgens in Gang und beendet spätabends den letzten Auftrag.

Was in der Maschine passiert, hat er stets im Blick. Eine Kamera im Maschineninnenraum beobachtet den Fertigungsprozess und überträgt die Life-Bilder auf jeden PC – und auf den Monitor in Martin Krämers Wohnzimmer.

99,9 Prozent Verfügbarkeit

Die Prozesssicherheit seiner Anlage fasziniert ihn: »Mit einwandfreien Programmen liegen wir über die ersten sechs Monate betrachtet bei 99,9 Prozent Verfügbarkeit.«

Besonders beeindruckt ist er vom neuen mehrstufigen Einstechen in Kombination mit Brightline fiber. Das verhindert den Aufwurf von Schlacke beim Einstechen des Laserstrahls ins Blech.

Die Maschine muss dadurch die Einstechstelle nicht wie bisher umfahren, was nun noch filigranere Konturen ermöglicht. Zudem ist damit auch die Grundlage für ein neues Angebot von Krämer geschaffen: Immer häufiger liefert er jetzt Teile mit Gewinden aus. Die dafür notwendigen Kernbohrlöcher setzt der Laser punktgenau – in dünnem wie in dickem Blech.

ASSISTENZSYSTEME FÜR MEHR EFFIZIENZ

Krämers TruLaser 5030 fiber ist mit zahlreichen Zusatzfunktionen ausgestattet. Eine Selbstverständlichkeit ist der automatische Düsenwechsler, der Schneiddüsen selbsttätig aus dem Düsenmagazin einsetzt – ohne Eingriff des Bedieners. Der Regelmechanismus Focusline wiederum hält die Fokuslage des Lasers konstant und passt sie automatisch an Materialart und -dicke an.

Und für das Schneiden von Lochmustern in dünnen Blechen nutzt Krämer FlyLine. Damit können Dünnblechtafeln bis 1,5 mm Dicke deutlich schneller bearbeitet werden. Je mehr Konturen ein Teil hat, desto mehr Zeit spart er durch das mit Flyline mögliche fliegende und positionsgenaue Zu- und Abschalten des Laserstrahls, ohne die Achsen zu stoppen oder abzubremsen.

PierceLine schließlich überwacht nicht nur den Einstechprozess, sondern regelt die Laserleistung. Durch Pierceline bleibt die mittlere Laserleistung immer knapp unter der Schwelle, über der das Material unkontrolliert abbrennt. Ergebnis sind präzisere Einstechlöcher mit weniger Materialauswurf.

Erschienen in Ausgabe: 02/2014