Dreifachnutzen

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Stanztechnik - Die Trends in der Stanz- und Hochleistungsstanztechnik werden auf den »International Stamping-Days« in Karlsruhe zu sehen sein, die in Kombination mit den Messen »InterPart« und »Surfacts« stattfindet.

07. April 2009

Am 5. und 6. Mai wird in Karlsruhe all das präsentiert, was Unternehmen an Maschinen, Werkzeugen, Ausrüstung und Dienstleistung für die Stanz- und Hochleistungsstanztechnik benötigen. Gregor Bischkopf, Messemanager des Veranstalters Canon Communications, unterstreicht: »Die parallele Durchführung der drei Messen führt dazu, dass wir ein kombiniertes Event für die gesamte Industrie der Metallver- und -bearbeitung entstehen lassen. Auf der Stamping-Days wird die gesamte Wertschöpfungskette der Stanztechnik vorgeführt, und auf der ›InterPart‹ finden die Automobil- und Maschinenbauer wichtige Zulieferteile aus Metallen und Kunststoffen, die letztendlich von den Ausstellern der Surfacts veredelt werden können, da sich hier alles um das Thema Oberflächentechnik und -behandlung dreht.« Ein weiterer Vorteil sei, dass die Messe in Südwestdeutschland stattfindet — im Herzen der Metallverarbeitungsbranche Europas.

Zuversichtlich

Gerade in Krisenzeiten ist erhöhtes Engagement in Sachen Marketing und Innovationen gefragt. Gregor Bischkopf zeigt sich daher in Bezug auf den Messerfolg zuversichtlich. Er geht von rund 150 Ausstellern und 2.500 Fachbesuchern aus. Insgesamt wird die Messe internationaler: So stellen jetzt auch erstmals Unternehmen aus Skandinavien und den USA aus. Darüber hinaus sind Firmen aus der Schweiz, Österreich, Italien und weiteren europäischen Ländern vertreten. Schnell und übersichtlich können sich die Besucher auf der International Stamping-Days über das Gesamtportfolio von Stanzunternehmen informieren — von Maschinen- und Werkzeugproduzenten bis hin zu Herstellern von Stanzteilen. Dabei sind verschiedenste Branchen vertreten: vom Maschinenbau, dem Stahl- und Leichtmetallbau, der Telekommunikation, Automobilindustrie, Feinmechanik, Optik, Elektrotechnik und Mikroelektronik bis hin zur Medizintechnik. Insbesondere Unternehmen, die in der Medizintechnik tätig sind, identifizieren sich durch den Sonderbereich ›MediPart‹ als Lieferanten für diesen boomenden Industriesektor.

Mehrfachnutzen

Positiv äußert sich ebenfalls Dr.-Ing. Günter Stephani, Abteilungsleiter am Dresdener Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Materialforschung IFAM: »Wir sehen es als Vorteil, dass zeitgleich mehrere Messen stattfinden. Das eröffnet sehr effizient weitere Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zum Beispiel auch zur Surfacts.« Das Fraunhofer IFAM präsentiert auf der Interpart neue multifunktionelle Leichtbauwerkstoffe, die sich durch ein extrem geringes spezifisches Gewicht auszeichnen.

Gemeinschaftsstand

Überzeugt vom Konzept der International Stamping-Days zeigt sich unter anderem der Schuler-Konzern, der auf einem Stand zwei Tochterunternehmen präsentiert — Gräbener Pressensysteme und Beutler Nova. Andreas Trost, Marketingleiter des Schuler Konzerns, erklärt: »Wir freuen uns auf die International Stamping-Days und kommen gerne nach Karlsruhe, denn in der Stanztechnik tut sich etwas. Wir gehen sicher davon aus, dass wir dort interessante Kontakte zu Anwendern aus der Branche knüpfen können.« Mit einer umfangreichen Produktpalette entwickelt und realisiert der Schuler Konzern passende Systemlösungen vom Bandmaterial bis zum fertigen Bauteil. »An unserem Messestand stehen Experten für Fachgespräche zur Verfügung. Die Anlagensysteme von Gräbener Pressensysteme und Beutler Nova passen optimal zu den Anforderungen der Zielgruppe, die wir auf den International Stamping-Days treffen«, unterstreicht Andreas Trost.

Vorteil Servotechnik

So präsentiert Beutler Nova die neueste Generation von Stanz- und Umformautomaten mit Servoantrieb, die laut Herstellerangaben in der Praxis zu höherer Qualität in der Produktion, mehr Ausbringung und größerer Flexibilität führen soll. Beni Schenker, technischer Leiter von Beutler Nova erläutert: »Für die Produktion ist das eine Herausforderung, denn hier bedeutet dies, dass der langsamste Abschnitt des Stößelverlaufs die Ausbringungsleistung der gesamten Presse bestimmt. Das gilt immer dann, wenn der Stößel einem festen Weg-Zeit-Gesetz folgt, seine Bewegungsphasen also voneinander abhängen.« Genau an diesem Punkt setzen die Servopressen von Beutler Nova an. Jede Phase des Bewegungsablaufs lässt sich über den elektrischen Antrieb programmieren und damit ideal ansteuern: von der Einbremsphase kurz vor Beginn der eigentlichen Umformung über das sichere Ziehen bis hin zur höheren Rücklaufgeschwindigkeit in den Phasen, in denen keine Umformung erfolgt. Die Servopressen von Beutler Nova verfügen über eine zweite Getriebestufe mit Servomotor und hydraulischer Kupplungs-Brems-Kombination, die speziell für den Einsatz in Servopressen optimiert wurde. Durch dieses Prinzip ist der Elektroantrieb komplett mit dem Antriebsstrang gekoppelt. »Die Anlage vollzieht je nach Prozess eine ideale Leistungskurve, die nicht nur für eine deutliche Verkürzung der Taktzeiten sorgt. Auch die Qualität der produzierten Bauteile steigt an«, erläutert Beni Schenker. Bei der Herstellung von 50.000 Bauteilen aus höherfestem Stahl zeigten sich im Praxistest Grattoleranzen von nur 0,01 Millimetern. Zugleich wird durch die Servosteuerung das Werkzeug geschont; seine Standzeiten steigen im Vergleich zu Pressen mit Sinus-Antrieb deutlich an. Zusätzlich weist Beni Schenker auf das Arbeitsvermögen der Pressen hin: »Im Gegensatz zu Schwungradpressen können sie ihre maximale Umformenergie auch bei sehr niedrigen Drehzahlen erzielen — einem Einsatz als Try-out-Presse steht somit nichts im Wege.«

Kniehebeltechnik

Gräbener Pressensysteme aus Netphen, ebenfalls eine Schuler-Tochter, ist auf mechanische Kniehebelpressen mit einem hohen Qualitätsanspruch auch bei komplexen Teilen spezialisiert. Diese werden beispielsweise bei der Timken Company in Ohio, einem der weltweit führenden Anbieter von Wälzlagern, eingesetzt. Hier wird die Presse zur Produktion von Lageraußenschalen für LKW-Rollenlager genutzt. Weil die Umformoperation selbst relativ langsam und damit materialschonend erfolgt, ist die Qualität der Produkte sehr hoch.

Einbaufertige Teile

Die Teile fallen einbaufertig aus der Anlage (Near-net-shape) und können ohne aufwendige Nachbearbeitung direkt verbaut werden. Gleichzeitig ist die Stößelbewegung in der Leerfahrt nach dem unteren Totpunkt deutlich schneller als während des Umformens, so dass insgesamt hohe Taktzeiten erreicht werden. Die Hubzahl der Presse bei Timken ist zwischen 20 und 75 Hüben pro Minute frei regelbar. Die Timken-Presse ist vollkommen automatisiert. Die Ausstattung der Anlage umfasst neben einer Bandzuführanlage inklusive Abwickelhaspel, Einfädelvorrichtung, Richtmaschine, Schlaufenausrüstung und Walzenvorschub ein mechanisches Auswerfersystem mit Servoantrieb sowie einen Neun-Stufen-CNC-Transfer. Durch den Werkzeugeinbauraum von 3.660 mm Breite und 1.400 mm Tiefe und der Möglichkeit, die Werkzeuge schnell zu wechseln, kann Timken sehr flexibel auf die Anforderungen der Kunden reagieren und unterschiedliche Bauteile auf der Presse fertigen.

Schneller zum Werkzeugwechsel

Die Güthle Pressenspannen GmbH aus Ebersbach an der Fils hat sich auf Komplettlösungen rund um den schnellen Wechsel von Pressenwerkzeugen spezialisiert. Auf der International Stamping-Days präsentiert das Unternehmen eine flexible Motoreinheit für das Verschieben schwerer Press- und Stanzwerkzeuge. Die neu entwickelte Verschiebeeinrichtung Rollbloc-Push-Pull-Unit kann als autonome Einheit auf Trägerkonsolen eingesetzt werden. Damit lassen sich Werkzeuge von vier bis zehn Tonnen Gewicht mühelos bewegen. Der Übergriff der Werkzeuggreifer auf das Werkzeug am Pressentisch kann in Stufen eingestellt werden. Die mobile Verschiebeeinheit lässt sich für den Einsatz an Pressen nachrüsten und schont die Gesundheit der Mitarbeiter.

Gurte von den Verpackungsprofis

Eine effiziente Verpackung und einen sicheren Transport der Produkte sowie die Möglichkeit der automatisierten Weiterverarbeitung auch bei kleinsten Stanzteilen verspricht die Reel Company GmbH, die sich auf das Thema Gurtung spezialisiert hat. Vertriebsleiter Gerald Henke unterstreicht: »Wir sehen auf der International Stamping-Days eine ideale Plattform, um potenzielle Kunden zu treffen und bestehenden unsere neuesten Technologien zu zeigen.« Ob Stanz- und Biegeteile, Kühlkörper, Federn oder Muttern — die Reel Company präsentiert diverse Trägerbänder zur sicheren Verpackung (Gurtung) von oberflächenmontierbaren Bauteilen. Durch das Gurten von Bauteilen sind diese von automatischen Pick-&-Place-Maschinen leicht und effektiv zu verarbeiten. »Wir gurten alle oberflächenmontierbaren Bauteile aus Stange, Tablett oder Schüttgut in Blistergurten. Egal ob kleine Stückzahlen für eine Musterfertigung oder mehrere Millionen Bauteile gegurtet werden müssen, wir können all diese Anforderungen erfüllen«, verspricht Henke.

Peter Klingauf

Backround

Stamping-Days-Service

Wer sich auf der Webseite www.stamping-days.de vorregistrieren lässt oder ein Einladungsschreiben von den Ausstellern oder Canon Communications vorlegen kann, muss keinen Eintritt zahlen. Dazu gehört auch, dass eine Eintrittskarte Zutritt zu allen drei Messen gewährt. Die ›InterPart‹ und Stamping-Days werden auch künftig jährlich stattfinden, wohingegen die Surfacts nur in den ungeraden Jahren durchgeführt wird.

Die Messe in Kürze: Messe Karlsruhe, Öffnungszeiten: Dienstag 5. Mai, 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr, Mittwoch 6. Mai, 9.30 bis 16 Uhr.

Erschienen in Ausgabe: 03/2009