Drei Fragen zu...

... VDW und die Umformbranche

Seit dem 1. Januar 2004 hat der VDW mit Carl Martin Welcker einen neuen Vorsitzenden. Was bedeutet der Führungswechsel für die Werkzeugmaschinenbauer der Umformbranche? BBR fragte nach.

27. April 2004

Herr Welcker, Sie nannten den VDW einen guten, straff organisierten Verband. Doch speziell die Umformbranche fühlte sich in der Vergangenheit nicht wirklich repräsentiert. So hat der VDW die Blechverarbeiter erst wahr- oder ernstgenommen als die Euroblech entstand. Was lief da falsch?

Welcker: Mit Verlaub, Ihre Ausgangsthese hinsichtlich der Umformtechnik ist falsch. Zunächst einmal: Bei aller Wichtigkeit des Themas Messen für den VDW kennt unser Verband noch eine Menge anderer, wichtiger Aufgaben. Und in diese breitangelegte, umfassende Verbandsarbeit sind die Unternehmen aus der Umformbranche wahrhaftig voll integriert und spielen die ihnen angemessene, wichtige Rolle. Dies spiegelt sich bis in die Zusammensetzung der Gremien und nicht zuletzt unseres Vorstands wider. Mit Blick auf die Messen ist dann festzustellen, daß die Hersteller von Umformmaschinen auf der EMO, die auf die globalen Märkte ausgerichtet ist, analog zur Gesamtproduktion unserer Industrie etwa ein Drittel der Standfläche belegen. Anders verhält es sich mit der METAV, die sich in der Tat mehr in Richtung Spanermesse entwickelt hat. Hier hat sich die Euroblech mit ihrer speziellen Ausrichtung auf ein wichtiges Maschinensegment bestens etabliert. Insoweit haben wir die Entwicklung in der Tat nicht richtig eingeschätzt.

Euroblech, Südblech... - die Großen der Blechbranche zeigen hier klar Flagge. Nun setzt Ihr Verband etwa auf die Metav München oder Düsseldorf, um speziell auch die Umformer stärker anzusprechen. Denken Sie, daß der VDW die Umformer so auf eine Zerspanermesse locken kann?

Welcker: Als veranstaltender Verband ist der VDW ein Befürworter von Messen, die das gesamte Spektrum der Metallbearbeitung abbilden. Wir geben deshalb auch nach wie vor den Anspruch nicht auf, Präsentationsplattform sowohl für Spaner als auch Umformer zu sein, weil im Unterschied zu speziellen, segmentierenden Veranstaltungen eine Messe des VDW dem Anwender das gesamte Spektrum vorzustellen hat. Wir arbeiten weiter an der Umsetzung dieses Anspruchs und an entsprechenden Strategien. Die Ernsthaftigkeit zeigt sich daran, daß wir, wie Sie wissen, auf der METAV München ein hochinteressantes Trend- und Innovationsforum Umformungstechnik zusammen mit Herrn Professor Hofmann vom Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen an der TU München veranstalten werden.

Kooperation statt Konfrontation sind eigentlich die Maxime unserer Zeit, zumal alle Maschinenbauer in Deutschland und Europa mit den gleichen Problemen konfrontiert sind. Seien es die Standortbedingungen, die Rohstoffpreise, Transportkosten, oder die Wechselkurse, die für uns als Exportnation eminente Bedeutung haben. Ist der Verband stark genug, hier auch politisch etwas für seine Mitglieder zu bewirken?

Welcker:Der VDW ist kein politischer Verband. Aber selbstverständlich nutzen wir unsere Drähte in die Öffentlichkeit, um über die von Ihnen angesprochenen Probleme und ihre Auswirkungen auf die Branche zu informieren. Außerdem setzt der VDW in diesen Fragen auf Kooperation und arbeitet deshalb eng mit dem VDMA und auf europäischer Ebene mit den zuständigen Spitzengremien zusammen. Mit VDMA-Präsident Klingelnberg sind die Belange der Branche sowohl in Gesprächen zu wirtschaftspolitischen Fragen als auch im BDI, dem Spitzenverband der deutschen Industrie, bestens vertreten. Den Mitgliedern schließlich ist zu empfehlen, ihre Abgeordneten auch auf regionaler und lokaler Ebene zu unterrichten.

Erschienen in Ausgabe: 04/2004