Drei Fragen Klaus Dittrich

„Zukunftstechnologien im Fokus“

29. Februar 2008
»hybridica« — so der Name des jüngsten Sprosses der Münchener Messefamilie. bbr fragte Klaus Dittrich, Geschäftsführer der Messe München GmbH, was diese Messe einzigartig macht.
Bild 1: Drei Fragen Klaus Dittrich (»hybridica« — so der Name des jüngsten Sprosses der Münchener Messefamilie. bbr fragte Klaus Dittrich, Geschäftsführer der Messe München GmbH, was diese Messe einzigartig macht.)

Klaus Dittrich: Die Entwicklung und Fertigung hybrider Bauteile nimmt in den letzten Jahren für viele Branchen und Unternehmen einen entscheidenden Stellenwert im Wettbewerb ein. Um der rapide wachsenden Nachfrage eine Präsentationsplattform zu bieten, haben wir unser Messe-Portfolio ergänzt: Vom 11. bis 14. November 2008 öffnet erstmals die hybridica auf dem Gelände der Neuen Messe München ihre Pforten. Die Messe bildet dabei zwei Bereiche ab: Zum einen die Metall-Kunststoff-Bauteile und Komponenten selbst und zum anderen die Entwicklung sowie die integrierten Fertigungsverfahren für die Herstellung dieser Bauteile. Besonders in der Automobilindustrie, in der Elektronik und Elektrotechnik sowie in der Informations-, Kommunikations- und Datentechnik sind hybride Bauteile gefragt. Auch in der Luft- und Raumfahrt, der Medizintechnik sowie ganz generell im industriellen Umfeld wird diese Zukunftstechnologie in zunehmendem Maße eingesetzt. Die Aussteller, die wir mit der hybridica ansprechen, kommen vor allem aus der Zulieferindustrie, der weiterverarbeitenden Industrie sowie dem Maschinen- und Anlagenbau. Die Besucher sind Anwender der hybriden Bauteile oder Weiterverarbeiter, vor allem aus dem Automotive-Bereich. Die hybridica findet im zweijährigen Turnus in den geraden Jahren statt. Für die erste hybridica erwarten wir rund 150 Aussteller.

Metallstanzen, Kunststoffspritzgießen et cetera sind Technologien die hier »zusammenwachsen«. Klingt das nicht nach einem sehr überschaubaren Ausstellerkreis an Spezialisten?

Neben den traditionellen Bereichen wie der Metall- und Oberflächenbearbeitung kristallisiert sich derzeit die hybride Fertigung als eigener Bereich heraus. Es entstehen Netzwerke von Anbietern, die sich zusammenschließen, um gemeinsam an der Entwicklung von kombinierten Fertigungssystemen zu arbeiten. Dieser Markt birgt ein enormes Potenzial an Neuerungen, die heute noch Zukunftsmusik sind. Unsere Marktanalyse hat eine hohe Zahl an deutschlandweiten Unternehmen identifiziert, die sich mit diesen klassischen Bearbeitungsverfahren beschäftigen. International steckt sogar noch ein weit höheres Potenzial in diesem Marktsegment. Die hybridica geht deshalb über die klassischen Verarbeitungstechnologien hinaus: Sie beschäftigt sich mit der gesamten Prozesskette von der Rohstoffverarbeitung über die Entwicklung inklusive Design und Konstruktion, der Metallverarbeitung und Oberflächenbehandlung wie Stanzen, Pressen?oder Umformen, der Kunststoffverarbeitung, wie Spritzgießen bis hin zu kombinierten Fertigungsverfahren für hybride Bauteile sowie der Qualitätssicherung. Die hybridica ist aber nicht nur Messeplatz für alles, was direkt mit diesem Entwicklungs- und Produktionsprozess verbunden ist, sondern deckt auch wichtige, benachbarte Bereiche ab. Dazu zählen unter anderem Transport, Logistik, Recycling; Arbeits- und Umweltschutz; Dienstleistungen und Beratung; Wissenschaft und Forschung; Wartung und Reparatur sowie gebrauchte Maschinen, Systeme und Anlagen.

In Dortmund wird erstmals im Juni eine Fachmesse für Stanz- und Spritzgießtechnik im innovativen Technologieverbund starten. Wie hebt sich die hybridica da ab?

Die Veranstaltung in Dortmund - ebenfalls eine Erstveranstaltung - zeigt, dass hybride Bauteile ein wichtiges Zukunftsthema sind, welches ein großes Innovations- und Entwicklungspotenzial und damit auch ein hohes Geschäftspotenzial birgt. Die Entwicklung geht dahin, die verschiedenen Bearbeitungsprozesse in einem Arbeitsschritt zu kombinieren. Diesen innovativen Trend - die integrative Fertigung hybrider Bauteile und Komponenten - bildet die hybridica umfassend ab. Die hybridica stellt jedoch nicht nur die Geräte zur Herstellung hybrider Bauteile aus. Sie rückt vor allem auch die hybriden Bauteile selbst in den Mittelpunkt und zeigt ebenso die fertigen hybriden Komponenten, also das Endprodukt in der Prozesskette. Auf der parallel statt findenden »electronica«, der Weltleitmesse für Komponenten, Systeme, Anwendungen der Elektronik, befindet sich auch gleich der potenzielle Abnehmerkreis der hybriden Bauteile vor Ort. Damit zieht sich der Besucherkreis der hybridica weit über den deutschen Raum hinaus - auf der electronica 2006 trafen mit einem Auslandsanteil von 45 Prozent 77.748 Fachbesucher aus 124 Ländern in 14 Hallen aufeinander. Die hybridica kann damit von dem internationalen Messenetzwerk der Elektronik-Messen profitieren und dem Besucher einen echten Mehrwert bieten. Auf der hybridica stehen die Aussteller im Mittelpunkt. Die hybridica bietet aber nicht nur eine Präsentationsplattform für Aussteller mit Produkten, Fertigungsverfahren oder Komponenten. Das Forum der hybridica bietet zusätzlich praxisorientierte Fachbeiträge zur Entwicklung und Herstellung hybrider Bauteile. Die hybridica trägt damit auch zu einem hochqualifizierten Informationsaustausch???und zur Diskussion der Innovationen und Neuheiten der Branche bei.

Vita

Klaus Dittrich

Seit Februar 2003 Geschäftsführer der Messe München GmbH. Er kam als stellvertretender Geschäftsführer im April 2002 zur MMG. Innerhalb der Geschäftsführung ist er aktuell verantwortlich für die Fachmessen im Bereich »Neue Technologien« wie electronica, Productronica, Laser, hybridica und Systems in München sowie die Elektronik- bzw. Laser-Auslandsmessen in China, Indien und Brasilien. Außerdem verantwortet Klaus Dittrich das Personalwesen, den Vertrieb Deutschland sowie die unternehmensweite Koordination der Marcom-Aktivitäten der Messe München. Von 2002 bis 2006 war er verantwortlich für die unternehmensinterne IT der Messe München.

Es fragte: Erik Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 01/2008