Double Rotation

Eine Schleiftechnik setzt neue Maßstäbe

Weber, Kronach, stellt seit mehr als 20 Jahren Schleif- und Entgratmaschinen für die Blechbearbeitung her. Die Maschine mit dem „doppelten Dreh“ löst gleich zwei Probleme, die Scharfkantigkeit und die Laseroxidschicht.

29. April 2004

Von Anfang an hat das Unternehmen für die verschiedenen Aufgabestellungen auf dem Gebiet der Blechbearbeitung nach neuen und praktikablen Lösungen gesucht. So wurde vor fast 20 Jahren für das Bearbeiten von Brenn- und Plasmaschnitten der Weber-Bolzenschleifbalken entwickelt, der heute als Weber STC Schleifsystem vermarktet wird. Dieses Schleifsystem hat einen dreistufigen Zerspanungsprozeß, der ideal auf die Problematik von dickeren Blechen, die thermisch getrennt sind, abgestimmt ist. Es kann bis zu vier Millimeter Dickentoleranz verarbeiten und arbeitet außerdem sekundärgratfrei, dadurch entfällt kostspielige Nacharbeit. Zwei wichtige weitere Vorteile zeichnen die STC Technik aus: die Möglichkeit der Mehrfachbelegung und die langen Schleifbandstandzeiten. Beide Faktoren sind hauptsächlich ausschlaggebend für die laufenden Kosten. Die Möglichkeit der Mehrfachbelegung erhöht die Kapazität erheblich, eine Schleifbandstandzeit von 20 Stunden und mehr reduziert die Schleifmittelkosten auf einen Bruchteil der sonst üblichen.

Inzwischen dominiert auf dem Gebiet des Blechschneidens die Lasertechnik. Die Leistung dieser Schneidtechnologie erreicht inzwischen bis 6.000 W, womit in der Praxis Blechdicken von 20 Millimetern und mehr wirtschaftlich getrennt werden können. Beim Laserschneiden dickerer Bleche haben sich zwei Probleme herausgestellt: die Scharfkantigkeit der Schnittkante und die Oxidschicht an der Schnittfläche.

Ein Muß nach der Laserbearbeitung

Herkömmliche Techniken versuchen diese Schleifaufgaben mit Bürstenwalzen zu lösen. Systembedingt arbeiten aber walzenförmige Werkzeuge immer unterschiedlich an Quer- und Längskanten. Ihr möglicher Toleranzausgleich, der maßgebend für die Bearbeitungsmöglichkeit an Schnittkanten steht, ist beschränkt. Weiche Ausführungen bieten einen größeren Toleranzausgleich, haben aber eine geringere Abtragsleistung - und umgekehrt. Schleifsysteme, die mehrere Bürsten nebeneinander kombinieren, bieten hier einen zerspanungstechnisch besseren Ansatz. Weber hat das mit seinem Mehrfachdiscsystem bereits vor Jahren realisiert. Die Ergebnisse hiermit sind auf Grund der umlaufenden Bearbeitung besser, aber für heutige Ansprüche häufig nicht mehr ausreichend.

Zwei Probleme, eine Lösung

Für die beiden Probleme - Scharfkantigkeit und Laseroxidschicht - hat das Unternehmen daher eine technische Lösung gefunden. Aufbauend auf die Weber-Mehrfachdiscstation wurde das Weber-DR-Schleifsystem (Double Rotation) entwickelt. Dieses Schleifsystem arbeitet mit dem Prinzip des Planetenkopfes. Dort umkreisen die Werkzeuge ein stehendes zentrales Rad und drehen sich gleichzeitig zusätzlich um sich selbst. Die Werkzeuge führen also eine doppelte Drehbewegung aus - daher der Name. Aufgrund dieser doppelten Drehbewegung umfahren die Werkzeuge die zu bearbeitenden Werkstücke an den Kanten vergleichbar einer manuellen Bearbeitung mit einem Handwerkzeug. Die Bestückung der Planetenköpfe, die mehrfach nebeneinander angeordnet sind, kann mit abrasiv arbeitenden Werkzeugen oder mit Bürsten erfolgen. Die abrasiv arbeitenden Bürsten erzeugen eine radiusähnliche Kantenform, die Bürsten entfernen die Zunderschicht an der Schnittfläche. Auch können beide Werkzeugausführungen in Kombination miteinander verwendet werden. Diese Technik wird von Weber sowohl in den Trocken- als auch in den Naßschleifmaschinen verwendet; sie steht als Ausstattungsvariante für alle Schleifmaschinen der Kronacher zur Verfügung. Seit der Vorstellung dieser Technik vor zwei Jahren wurden Anlagen in Europa und Nordamerika installiert. Die bevorzugte Ausführung war mit einer oder zwei Schleifwalzen bestückt, gefolgt von einer Planetenkopfstation am Maschinenauslaß. Teilweise wurden auch Varianten nach den Schleifstationen mit zwei Planetenköpfen bestückt. Damit können alle notwendigen Bearbeitungen an den Kanten mit einem Oberflächenschliff kombiniert werden. Die Maschinensteuerung erfolgt über einen Touchscreen, der auf nur drei Steuerungsebenen alle Einstellungen ermöglicht. Erleichtert wird die Bedienung dadurch, daß alle Werkzeugachsen und Verstellungen in der Maschine motorisiert sind und über die Steuerung auf 1/10 Millimeter genau positioniert werden.

Erschienen in Ausgabe: 04/2004