Digitalisierung - Mit Augenmass + Sachverstand

Future/Industrie 4.0

Digitalisierung begegnet uns überall – wie eine gigantische Welle erfasst sie fast alle Bereiche des Lebens. Die Unternehmen in der Blechbearbeitung haben es selbst in der Hand, ob sie als Wellenreiter obenauf bleiben wollen oder sich von den Ereignissen und der Konkurrenz überrollen lassen. Die Ausprägungen mögen vielfältig sein, eines ist aber sicher: Digitalisierung ist kein vorübergehender Trend.

14. Mai 2018
Moderne Zeiten: In der Digitalisierung der Produktion greift ein Rädchen in das andere. Nur mit der richtigen Software behält man den Überblick. Bild: Lantek
Bild 1: Digitalisierung - Mit Augenmass + Sachverstand (Moderne Zeiten: In der Digitalisierung der Produktion greift ein Rädchen in das andere. Nur mit der richtigen Software behält man den Überblick. Bild: Lantek )

Wie jede Welle das Land unter sich bearbeitet, so verändert derzeit die Digitalisierung die Geschäfts- und Arbeitswelt. Wer sie geschickt zu nutzen weiß, kann sich von der Welle tragen lassen – zur Optimierung innerbetrieblicher Prozesse, mehr Kundenzufriedenheit, neuen Geschäftsfeldern und einer besseren Positionierung gegenüber dem Wettbewerb. Denn Digitalisierung vermag mehr, als nur die Produktivität zu verbessern. Wer die Welle nicht zu nutzen weiß, könnte durch sie untergehen.

Dass viele deutsche Unternehmen ihr Potenzial erkannt haben, bestätigt eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey: Danach schätzt jedes zweite Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand den eigenen Digitalisierungsgrad als hoch ein. In der überschaubaren Größe mittelständischer Betriebe sieht die Studie einen Vorteil für die Digitalisierung, denn kurze Wege erleichtern innerbetrieblichen Austausch und Abstimmung. Auch deutsche Unternehmen in der Metallbranche wollen mit den Entwicklungen Schritt halten, wie eine Erhebung des Kölner Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Demnach bilden 85 Prozent der Unternehmen ihre Mitarbeiter weiter – mit im Schnitt mehr als 17 Stunden pro Jahr. Von mehr als der Hälfte der Unternehmen wurde dabei »Qualifikation der Mitarbeiter an neue Technologien und/oder veränderte Arbeitsorganisation anpassen« als häufigster Grund genannt.

Pioniere spüren schon jetzt die Vorteile der digitalen Transformation

Keine Frage: Veränderungen bergen stets auch Unsicherheiten. In der Digitalisierung ist es jedoch unverzichtbar, mangelnde Risikobereitschaft und den Widerstand gegen Veränderungen zu überwinden. Denn Unternehmen, die den Weg der digitalen Transformation scheuen, werden langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren, nicht wachsen und irgendwann vom Markt verschwinden. Schlecht beraten ist auch, wer einfach abwartet und darauf schielt, was die Konkurrenz tut.

Es sind vielmehr die Pioniere, die ihren Nutzen aus den entscheidenden Marktvorteilen der Digitalisierung ziehen – wie sich auch der erste Surfer auf der Welle am besten positionieren kann. Zögerer in der digitalen Transformation werden in wenigen Jahren die Nachteile spüren, wohingegen alle, die bereits erste Schritte des Wandels gegangen sind, schon jetzt von seinen Vorteilen profitieren können. Zudem entwickeln sich ›Künstliche Intelligenz‹ (KI oder AI = Artificial Intelligence) und digitale Technologien immer weiter und bieten immer neue Vorteile – Vorteile, die den Abstand wachsen lassen zwischen Unternehmen, die digitalisieren, und jenen, die noch warten.

Wie aber geht Digitalisierung in der Blechbearbeitung? Soll jeder Betrieb jetzt selbstlernende Roboter kaufen oder überall Sensoren anbringen? Digitale Transformation ist kein Selbstzweck. Vielmehr ist sie ein Hilfsmittel für Fortschritt und Zukunftsfähigkeit. Die Digitalisierung, von der wir sprechen, bedeutet nicht allein die Anschaffung einer neuen Software oder geht mit ein paar Veränderungen in der IT einher, um die Produktivität zu steigern. Vielmehr ist digitale Transformation ein fortlaufender Prozess der digitalen Veränderung, der das ganze Unternehmen einbezieht. Er versetzt Betriebe nicht nur in die Lage, effizienter zu arbeiten, sondern auch agiler auf wechselnde Marktbedingungen und flexibler auf verändertes Kundenverhalten zu reagieren, neue Geschäftsfelder zu erschließen und sich auch besser als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

Kurz: Die digitale Transformation hat das Potenzial, das gesamte Unternehmen neu aufzustellen und langfristig konkurrenzfähig zu machen: mit hochwertigen Arbeitsplätzen, um qualifizierte Mitarbeiter zu halten und neue zu gewinnen.

Es gibt kein Schema F

Sobald ein Unternehmen das verstanden hat, muss es seine individuelle digitale Strategie entwickeln, mit der es diese Ziele erreichen will und kann. Denn bei der digitalen Transformation gibt es kein Schema F. Das Wichtigste ist der fachlich begleitete Blick auf das eigene Unternehmen, bei dem sämtliche Prozesse kritisch überprüft und bei Bedarf neu ausgerichtet werden, bevor passgenau definiert wird, wie Digitalisierung genau diesen einen Betrieb voranbringen kann. Dann kann Schritt für Schritt der Weg des Unternehmens in Richtung Digitalisierung beginnen, dessen Fernziel die intelligente Fabrik ist – im individuellen Tempo, je nach Entwicklungsstand sowie finanziellen Möglichkeiten.

Der Blechbearbeitung stehen dafür vielfältige Tools zur Verfügung. Auf Produktionsebene unterstützen Softwarelösungen zur digitalen Konstruktion, automatisierten Verschachtelung und homogenisierten Programmierung der Maschinen. Die CAD-CAM-Software Lantek Expert bietet dafür fortschrittlichste Verschachtelung zur Automatisierung der CNC-Programmierung aller marktüblichen Blechschneidmaschinen in einer einheitlichen Programmierumgebung. MES-Softwarelösungen optimieren die Fertigungsprozesse und unterstützen bei der Lagerverwaltung. Dabei reihen sich die programmierten Maschinen in den produktionstechnischen Fertigungsablauf ein, interagieren mit vor- und nachgelagerten Prozessschritten und berücksichtigen fertigungsrelevante Randbedingungen wie Betriebsbereitschaft, Umgebungsbedingungen und Personalverfügbarkeit.

Auf betrieblicher Ebene können Softwaresysteme sämtliche Prozesse auf Datenbasis begleiten – von der Analyse und Planung über die Angebots- und Rechnungserstellung bis hin zur Koordination multinationaler Standorte. Die Betriebsmanagement-Plattform Lantek Integra bietet dafür vielfältige funktionelle Module. Konzepte im Sinne der intelligenten Fabrik vernetzen Produktion, Planung, Einkauf und Verkauf (Lantek Factory). Nach dem Prinzip ›Manufacturing Intelligence‹ können sie zudem einen vertikalen Bezug zwischen Datenflüssen auf Unternehmensebene (ERP) und Produktionsebene (MES) herstellen. Damit sind beispielsweise Analysen zum Materialeinsatz, zur Ausschussquote und dem Schrottanteil für einen intelligenten Materialeinkauf möglich. Auftragsspitzen können mit dem Fertigungsablauf von terminierten Rahmenaufträgen abgeglichen und ein optimaler Fertigungsstandort innerhalb eines Unternehmensverbundes identifiziert werden. Aus der Betrachtung der Historie haben die Unternehmen dann verlässlichere Entscheidungsgrundlagen für Aussagen über die Zukunft, wenn sie sich besser aufstellen möchten.

Unterdessen haben die neuen Technologien einen Reifegrad erreicht, sodass sie eine Digitalisierung wirklich erleichtern. Automation und Roboter interagieren mit Menschen. Die Qualität der Arbeit steigt. Mit Hilfe von Sensoren und der richtigen Software können Daten schneller und kostengünstiger als bisher gesammelt und analysiert werden. Und wer sein Unternehmen und die Rahmenbedingungen, in denen es agiert, genau kennt, kann Maschinen, Material und Personal so effizient wie möglich einsetzen. Das Beste aber ist, dass die Kosten für diese Tools sinken und sie somit erschwinglicher werden.

Digitalisierung muss Teil der Unternehmenskultur werden

Software wird künftig ein Hauptverkaufsargument sein, wenn es darum geht, Kunden zu zeigen, wie ihre Probleme gelöst werden. Jedoch ist dabei der Mensch selbst die höchste Hürde, die genommen werden muss, um die neuen Technologien für mehr Produktivität zu nutzen. Dafür muss Digitalisierung ein Teil der neuen Unternehmenskultur werden, damit die Mitarbeiter bereit sind, die oft notwendigen Veränderungen in den Prozessen mitzugehen. Zudem muss Personal digital weitergebildet werden und für kurzfristigen Bedarf an Fähigkeiten, die nicht so schnell zu erlernen sind, neues eingestellt werden.

Doch auch bei Digitalisierung gilt nicht einfach: Viel hilft viel. Wichtig ist, mit Sachverstand und Augenmaß genau den Weg zu finden, den jedes einzelne Unternehmen in seine Digitalisierung gehen will. Und schon jetzt zeichnet sich ab, welche Fähigkeiten eine wichtige Rolle für den Erfolg von Unternehmen in unserer Branche spielen werden: Wer in der Lage ist, vernetzt und auf Grundlage von Datenanalyse zu arbeiten und mit dieser Intelligenz in der industriellen Produktion effektiv und in Echtzeit auf die permanenten Veränderungen in der Blechbearbeitung reagieren kann, wird künftig im Wettbewerb die Nase vorn haben. Oder: Wer seine eigene Technik findet, sich so weit wie möglich von der Welle der Digitalisierung tragen zu lassen.

Christoph Lenhard, Lantek-Vertriebsleiter

Euroblech: Halle 12, Stand A104

Zahlen & Fakten

Lantek ist ein multinationales Unternehmen, das die digitale Umstellung von Betrieben im industriellen Blech- und Metallsektor anführt. Lantek bietet seine eigenen Softwarelösungen im Bereich Business Manufacturing Intelligence, der die Verknüpfung von Fabriken ermöglicht und sie so zu intelligenten Fabriken macht. Dafür entwickelt Lantek CAD/CAM/MES/ERP-Softwarelösungen für Unternehmen, die Metallteile aus Blechen, Rohren und Profilen mit sämtlichen Schneidtechnologien herstellen (Laser, Plasma, Autogen, Wasserstrahl, Schere und Stanzen). Wegen des modularen Aufbaus des Portfolios können sämtliche Elemente für jeden einzelnen Kunden zu individuellen Lösungen zusammengestellt und nach Bedarf ergänzt werden.

Gegründet im Jahre 1986 im Baskenland (Spanien), einem der wichtigsten europäischen Zentren für den Werkzeugmaschinenbau, ermöglicht Lantek die Integration von Blech- und Metallbearbeitungstechnologien mit modernster Software in ein übergeordnetes Produktionsmanagement. Das Unternehmen ist, dank seiner Innovationskompetenz und konsequenten Internationalisierungsstrategie, aktuell ein Marktführer in der Branche. Mit mehr als 20.000 Kunden in über 100 Ländern und 20 eigenen Büros in 14 Ländern verfügt das Unternehmen über ein umfangreiches Netz an Distributoren mit weltweiter Präsenz. Im Jahr 2017 entfielen 86 Prozent des Ertrages auf das Auslandsgeschäft.

Erschienen in Ausgabe: 03/2018