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Digitalisierung ist Chefsache

Digitalisierung ist Chefsache

Technik/Werkstoffe

Zum Media Day 2014 hatte die Klöckner & Co. SE (Klöco) im Oktober nach Velten bei Berlin eingeladen. Dort erläuterte Unternehmenschef Gisbert Rühl seine zukünftigen Strategiepläne, und Sven Koepchen, CEO der Klöckner & Co. Deutschland GmbH, stellte unter anderem den neuen 3D-Laser vor.

04. Februar 2015

Die Stahldistribution ist in den nächsten Jahren durch weiterhin große Herausforderungen, aber auch erhebliche Chancen geprägt«, erklärte Gisbert Rühl zu Beginn seiner Ausführungen. Es gebe große makroökonomische Unsicherheiten, die immer wieder aufträten und zu nicht stringentem Investitionsverhalten der Unternehmen mit entsprechenden Auswirkungen auf dem Stahlmarkt führten.

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Die Stahlnachfrage erhole sich wieder leicht, bleibe jedoch weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Es gebe nach wie vor erhebliche Überkapazitäten und nur moderates Wachstum in Europa auf einem weiterhin fragmentierten Markt mit hoher Wettbewerbsintensität. Die Top-5-Unternehmen deckten nur ungefähr ein Viertel des Marktes ab. Große Hersteller in Europa unterhielten ein eigenes Distributionsnetz und verschärften den Wettbewerb durch Quersubventionierung.

Die Herausforderungen des Stahlmarktes

Dennoch, so Rühl, gebe es in der augenblicklichen Lage durchaus auch Chancen auf dem Markt. Dazu nannte er drei Punkte, die in der Wachstumsstrategie des Unternehmens ›Klöckner & Co. 2020‹ zusammenkommen und als Antwort auf die besonderen Herausforderungen und Chancen des Stahlmarktes zu verstehen sind.

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1.Die Reindustrialisierung der USA und ihre ›Schiefergas-Revolution‹ steigern die Stahlnachfrage.

2.Digitalisierung erhöht die Prozesseffizienz zwischen Kunden und Lieferanten.

3.Komplexe Anarbeitung mit hoher Präzision und fachkundige Beratung schaffen höheren Kundennutzen.

Ein Beispiel für die technologische Entwicklung im Bereich der komplexen Anarbeitung ist der Start der 3D-Laseraktivitäten in Velten. Damit verlängert Klöco die Wertschöpfungskette und erschließt sich neue Geschäftsbereiche. »Das Potenzial ist groß aufgrund des vergleichsweise unerschlossenen 3D-Lasermarktes«, so Gisbert Rühl. Ehrgeiziges Ziel von Klöco ist es, bis 2017 den Umsatz im verdienststärkeren Anarbeitungsbereich und mit dem Vertrieb höherwertiger Produkte von derzeit 30 auf dann 45 Prozent zu steigern.

Was die Digitalisierung der Services und das Angebot von Plattformen anbelangt, so hat Klöco bereits erfolgreich damit begonnen, auch auf diesem Wege Mehrwert zu schaffen. Klöco baut künftig verstärkt auf den Verkauf von Stahl und anderen Metallen über das Internet. Durch Einsatz seiner konzernweiten Webshop-Lösung ›Steel 24/7‹ ergänzt das Unternehmen sein Serviceangebot und bietet künftig seinen Kunden eine tageszeitunabhängige und effizientere Bestellung für alle Produkte inklusive Anarbeitung. Nach erfolgreicher Erstinstallation des neuen Klöckner-Webshops in den Niederlanden startete Ende 2014 – beginnend in Deutschland – der Roll-out in allen anderen Landesgesellschaften. Dabei fungiert in Deutschland die Niederlassung Regensburg als ›Innovation Lab‹, weil dort ein optimales Testumfeld für Innovationen und Digitalisierung besteht.

Der flächendeckende Einsatz des Webshops sei ein wesentlicher Schritt zu einer durchgängigen Digitalisierung der Supply-Chain vom Lieferanten bis zum Kunden. Bereits im nächsten Jahr sei Klöco an allen Standorten mit einem umfassenden Produkt- und Serviceangebot für seine Kunden online erreichbar. Basierend darauf werde der Service weiter ausgebaut und die digitalen Lücken in der Supply-Chain sukzessive geschlossen. Damit verfolge sein Unternehmen weiter konsequent das Ziel, das traditionell eher margenschwache Geschäftsmodell im Stahlhandel grundsätzlich zu revolutionieren, erklärte Gisbert Rühl.

Erste Ergebnisse der Neuausrichtung

Erst kürzlich wurde die neue E-Business-Plattform der Schweizer Landesgesellschaft von Klöckner & Co, Debrunner Koenig, beim Internet-Award ›Best of Swiss Web 2014‹ in der Kategorie Business mit der Bronzemedaille ausgezeichnet. Die E-Business-Plattform punktete bei der Fachjury unter anderem durch die Webshop-Integration. Somit können Kunden in der Schweiz rund um die Uhr auf das gesamte Produktsortiment zugreifen – unterstützt durch eine leistungsstarke Suchfunktion.

Parallel zur Einführung der Schweizer E-Business-Plattform wurde der neue Klöckner-Webshop bereits erfolgreich in der niederländischen Landesgesellschaft implementiert. Der Webshop bietet zusätzlich den Abruf wichtiger Zertifikate sowie detaillierte Beschreibungen und Zeichnungen zu fast jedem Produkt. Auch Auskünfte über die Verfügbarkeit und Lieferzeit gewünschter Ware bekommt jeder Kunde – neben allen anderen Informationen – direkt übermittelt.

Hans Georg Diederichs

Fachjournalist aus Grevenbroich

Zahlen & Fakten

Die Klöckner & Co. SE (Klöco) mit Hauptsitz in Duisburg ist nach eignen Angaben mit rund 9800 Mitarbeitern, einem Absatz von etwa 6,4 Mio. t und circa 6,4 Mrd. € (alle Zahlen für 2013) der größte produzentenunabhängige Stahl- und Metalldistributor und eines der führenden Stahl-Service-Center-Unternehmen im Gesamtmarkt Europa und Amerika. Er bietet Gesamtlösungen für Unternehmen jeglicher Größe und Branche aus einer Hand und ein breites Leistungsspektrum: Beratung, Beschaffung, Lagerhaltung, Anarbeitung und Distribution. Dazu stützt sich der Konzern auf ein umfangreiches Distributions- und Service-Netz mit rund 220 Standorten in 15 Ländern. Der EBITDA betrug 2013 150 Mio. € (vor Restrukturierungsaufwendungen).

Erschienen in Ausgabe: 01/2015