Digitaler Vertrieb für Kleinunternehmer

Die Online-Plattform ›Shift‹ vermittelt Aufträge an CNC-Fertiger in ganz Europa. So kommen Partner zusammen, die sich sonst nicht finden würden. Ein großer Vorteil der Plattform: Die Teilequalität ist garantiert.

04. November 2019
Digitaler Vertrieb für Kleinunternehmer
Über die Plattform können diverse Produkte bestellt werden. (Bild: Shift)

Christian Schmidt ist ein klassischer Mittelständler: Seine Firma Ewa-Marine produziert südlich von München mit zwölf Mitarbeitern wasserdichte Kamera-Gehäuse. Regelmäßig benötigt Schmidt Zulieferungen von Metallteilen. Bislang meldete er seinen Bedarf einem Vermittler von Lohnaufträgen. Oft dauerte es dann länger, denn die üblichen Betriebe hatten keine Kapazitäten frei. So stockte die Produktion bei Ewa-Marine erst einmal – zum Ärger von Christian Schmidt.

Vor Kurzem hat er einen neue Methode entdeckt: Will Schmidt eine Kleinserie von Metallteilen vergeben, stellt er den Auftrag jetzt auf die digitale Plattform ›Shift‹. Dort sind hunderte Betriebe in ganz Europa versammelt, die CNC-Aufträge annehmen. Anders als bei einfachen Internet-Marktplätzen übernimmt Shift aber nicht nur die gesamte Abwicklung. Die Plattform garantiert auch die Qualität der Zulieferungen: Jeder Betrieb ist zertifiziert. So waren die ersten Erfahrungen von Mittelständler Schmidt positiv: »Die an uns vermittelte Firma aus Bulgarien werde ich jetzt öfters beauftragen«, sagt er.

Regionale Grenzen überwinden

Shift-Mitgründer und Managing Director Dmitry Kafidov hat während seiner Berufstätigkeit in der Metallbranche immer wieder festgestellt: Viele Unternehmen suchen CNC-Fertiger, die ihnen gute Preise und erstklassige Qualität liefern. Das eigene Netzwerk ist aber gerade ausgelastet oder hat nicht die nötigen Maschinen. »Wir haben die Plattform gegründet, weil wir gesehen haben, dass es überall in Europa hervorragende Spezialisten für die CNC-Bearbeitung gibt. Allerdings finden sie nicht immer genügend Aufträge in ihrer Region«, erzählt Kafidov.

Die digitale Plattform aus der Region München vergrößert das Netzwerk der Firmen auf mehrere hundert Werkstätten – in rund 20 Ländern. So wird für die Auftraggeber die Wahrscheinlichkeit groß, dass in einem dieser Betriebe genau die richtige Maschine für ihren Bearbeitungswunsch steht. Zulieferer wiederum können ihre Kapazität schnell auslasten, falls bei ihnen Flaute herrscht. Die Firmen profitieren von der Digitalisierung ihrer Branche. Nur ein Internetanschluss ist notwendig, um Teil der Plattform-Gemeinde zu sein.

Inzwischen ist Shift das größte CNC-Bearbeitungsnetzwerk auf dem europäischen Markt. Mehr als 1.500 CNC-Maschinen sind verzeichnet: Fräsen, Drehen, Bohren, Laser-, Plasma- und Wasserstrahlschneiden. Dazu kommt eine riesige Auswahl von Materialien, Größe und Mengen. Interessant ist dieser Weg besonders für Kleinunternehmer ohne Marketingbudget. Sie blieben sonst unsichtbar.

Aufträge aus dem anderen Ende Europas

Zu denen, die davon profitieren, zählt zum Beispiel der Unternehmer Jakub Dluzen. Seine CNC-Werkstatt beschäftigt in Südostpolen zwei Mitarbeiter. Bald will er einen dritten einstellen, die Maschinen sollen deshalb möglichst gut ausgelastet sein. Von seinem ländlichen Standort aus ist es aber schwer, an neue Kunden zu kommen. »Über die Plattform hole ich Aufträge herein, wenn es einmal nicht so gut läuft«, erzählt Dluzen. Er arbeitet seit eineinhalb Jahren mit der digitalen Plattform zusammen, und ist sehr zufrieden: »Ich bekomme jetzt regelmäßig Aufträge, vor allem aus Polen und Deutschland«, berichtet er.

Sein Kollege Josef Sutera argumentiert ähnlich. Der tschechische Unternehmer hat in Ostböhmen einen Betrieb mit zwölf Mitarbeitern. »Die Plattform ist für uns eine gute Möglichkeit, die Auftragsbücher aufzufüllen. Ich schaue bei Bedarf hinein und wähle einen passenden Auftrag aus«, erzählt Sutera. Sein Betrieb ist sie spezialisiert auf Drehen, Fräsen und Rundschleifen. Den neuen digitalen Weg findet Sutera aber auch »herausfordernd«, denn er als Zulieferer müsse sehr schnell auf Angebote reagieren und diese rasch ausführen.

Das hohe Auftragstempo ist eines der Versprechen von Shift an seine Kunden. Unternehmer wie Egon Rauscher schätzen das. Der Schweizer produziert westlich von Zürich elektrische Gitarren, manchmal für bekannte Rockgrößen. Er benötigt immer wieder besondere Metallteile, die er einzeln fertigen lässt. »Solche Kleinstserien sind hier in der Umgebung schwer zu erhalten und außerdem sehr teuer«, hat er festgestellt. Den Weg über Shift findet Rauscher inzwischen »optimal«. Ihn habe die Qualität der Lieferung schon nach dem ersten Versuch positiv überrascht – seit zwei Jahren ist er regelmäßiger Kunde auf der digitalen Plattform.

Zuverlässige Zulieferer vermitteln

Genau solche Fälle hatte Kafidov bei der Gründung vor zwei Jahren im Blick. Der 40-jährige Russe hatte bis dahin viel Erfahrung in der Branche gesammelt. Dem IT-Studium folgte ein Abschluss an der renommierten französischen Wirtschaftshochschule Insead, dann arbeitete er Jahre lang im Maschinenbau. Kafidov erkannte bald: »Oft benötigen Unternehmen spezielle Metallteile für ihre Produktion. Die lassen sie immer von denselben Zulieferern fertigen, weil sie die eben kennen. Aber wenn dieser Zulieferer gerade keine Kapazitäten frei hat? Dann kommen sie in Bedrängnis.«

Kafidov gründete also mit zwei Mitstreitern die digitale Plattform. Einer ist Managing Director Albert Belousov. »Wir vermitteln dem Auftraggeber zuverlässig Zulieferer«, erklärt er das Prinzip. Diese Werkstatt kann irgendwo in Europa sitzen. »Wir vermitteln nicht nur, sondern stellen vor allem die Qualität sicher«, ergänzt Technik-Vorstand Alexander Belskiy.

Dieser Service unterscheidet Shift von anderen Vermittlern im Netz: »Wir zertifizieren unser Netzwerk genau. Jeder Betrieb wird nach vorgegebenen Kriterien überprüft und eingeordnet. Damit garantieren wir den Auftraggebern ein hohes Qualitätsniveau«, sagt Belskiy, der wie Kafidov sein Technikstudium bei Insead um die Wirtschaftskenntnisse ergänzt hat.

Qualität garantiert

Die Hälfte der Kunden hat CNC-Teile inzwischen mehrfach über die digitale Plattform bestellt – ein Zeichen dafür, dass die Dienstleistungen ihren Bedürfnissen entsprechen. Wenn diese Unternehmer einen Auftrag vergeben wollen, liefern sie zunächst eine Konstruktionszeichnung und ihre Preisvorstellungen. Shift wählt dann mithilfe von Algorithmen den passenden Fertiger aus.

Ist der Besteller einverstanden, wird dieser Zulieferer von der Plattform kontaktiert. Sie kalkuliert auch die Preise und schlägt sie beiden Parteien vor. Sind sie sich einig, beginnt umgehend die Produktion. Das funktioniert so reibungslos, weil das Netzwerk so aufgebaut ist, dass immer freie Kapazitäten zur Verfügung stehen. So muss der Kunde nicht erst auf eine verfügbare Maschine warten.

Die Qualität der Teile wird am Ende sogar doppelt geprüft: durch die Hersteller und durch Ingenieure von Shift. Nur wenn die Produkte einwandfrei produziert wurden, liefert Shift sie an den Kunden weiter. Dieser bezahlt nach Erhalt, Prüfung und Zufriedenheit. Die Plattform garantiert also die Qualität und ist notfalls auch für den Austausch defekter Teile verantwortlich. Das unterscheidet das Geschäftsmodell von Marktplätzen, wo es weder Garantie noch Qualitätskontrolle gibt.

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