Die Spezialitätenschneider

Mit 2D- und 3d Laserschneidmaschinen modernster Bauart bearbeitet die Feinwerktechnik Hago in Küssaberg oftmals komplexe Blechbauteile – eine Bestandsaufnahme.

23. Mai 2008

Oftmals ist das Laserstrahlschneiden die einzig wirtschaftliche Alternative, wenn es darum geht, komplexe, aus gehärtetem Stahl gefertigte Bauteile zu beschneiden, lochen und besäumen. »Sehen Sie diese Bauteile, das sind B-Säulen von Automobilen. Die rot glühenden Platinen werden umgeformt und dann im geschlossenen Umformwerkzeug heruntergekühlt. So entstehen warmumgeformte Teile für Autokarosserien, ohne dass der Automobilbauer extrem dicke Blechmaterialien einsetzen muss. Wir schneiden dann die warmumgeformten Stahlteile auf unseren 3D-Laserschneidmaschinen«, erläutert Hago-Geschäftsführer Rainer Hack das Prozedere. Bei aller Euphorie und den oftmals überragenden Qualitäten neuer fester, hochfester und höchstfester Stahlgüten gilt es zu bedenken, dass mit härteren Stahlgüten der Werkzeugverschleiß, beispielsweise beim Stanzen, steigt und die Stanzdrücke wesentlich höher sein müssen als bei herkömmlichen Umformstählen.

Probleme - wie die Rückfederung - sind, je nach Geometrie der Umformwerkzeuge, nur schwer in den Griff zu bekommen und erfordern neben Erfahrung oftmals auch ein kostspieliges Try-out. Zudem macht der Umgang mit diesen Stahlgüten einen speziellen Maschinenpark nötig - etwa Umformpressen, die sehr hohe Presskräfte aufbringen können. Das treibt die Kosten für die Fertigung in die Höhe. Dennoch sind harte Stahlgüten heute im Automobil ein Muss. Will man Bauteile schlanker auslegen, um dadurch Fahrzeuggewicht einzusparen, bei gleichzeitiger Erfüllung aller Sicherheitsnormen, geht an den harten Stählen kein Weg mehr vorbei. Doch warum von vorneherein härteste Stahlgüten verarbeiten, wenn sich ›weiche‹ Stähle viel einfacher umformen lassen? Diese Frage stellte sich auch ein deutsches Automobilbauunternehmen und ging daher einen anderen Weg, um sicherheitsrelevante Karosseriebauteile zu fertigen. Es härtet leicht umformbare Stähle gleich in den Umformwerkzeugen.

Anschließend werden die harten, umgeformten Bauteile mittels Laserschneiden weiterverarbeitet. So müssen etwa Außen- und Innenkonturen, Löcher und Aussparungen in die gehärteten Blechbauteile eingebracht werden.

Laserschnitt à la carte

»Bei warmumgeformten Teilen gibt es fast keine wirtschaftliche Fertigungsmöglichkeit zur prozessfähigen Bearbeitung der Teile als 5-Achsen-Laseranlagen«, weiß Hartmut Arzner, der Geschäftsführer und Gesellschafter bei Hago ist. Während der Autobauer das Warmumformen/Härten dieser Bauteile in seinen Werken selbst erledigt, setzt er beim Laserbearbeiten auf starke Zulieferer, wie etwa die Feinwerktechnik Hago in Küssaberg. »Die bei Hago angewandte Umformtechnik erlaubt es, großvolumige Blechteile zum Beispiel für Autobusse und Spezialfahrzeuge herzustellen. Diese Teile werden zum Beschnitt der Kontur der Fünf-Achsen-Lasertechnik zugeführt und bilden neben den warmumgeformten Beistellteilen eine hohe Auslastung der installierten Fünf-Achsen-Laseranlagen«, so der Hago-Gesellschafter Klaus Göhrich.

Derzeit stehen bei Hago insgesamt elf 3D-Laserschneidmaschinen sowie vier Flachbettlaser - alle von Trumpf - in den verschiedensten Ausführungen. »Viele unserer Flachbettlaserschneidanlagen sind voll automatisiert und können daher mit drei Schichten komplett ausgelastet werden, ohne dass nachts Vollbelegung der Maschinenbediener erforderlich ist«, erzählt Rainer Hack, Geschäftsführer und Technischer Betriebsleiter bei der Hago Feinwerktechnik. Das Werk in Küssaberg hat sich durch die nötige Infrastruktur und eine ausgeklügelte Logistik einen Namen als Blechbearbeiter auch im Bereich des Laserschneidens erarbeitet und die Spezialbauteilträger der Kunden tragen die Namen renommierter Unternehmen aus ganz Deutschland. »Unsere erste Laserschneidmaschine, eine TC 180 LW, haben wir 1983 gekauft. Schnell hatten wir Bedarf nach weiteren Maschinen und 1986 kam die erste 3D-Laserschneidanlage, eine L5000, hinzu. Inzwischen haben wir elf derartige Maschinen — von diversen Trumpf Lasercell 1005 bis hin zu unserer neuesten Anlage, einer TruLaser Cell 7040. Die Wartung der Maschinen haben wir mit Trumpf durch einen Wartungsvertrag geregelt, was sehr gut klappt«, erzählt Rainer Hack und er ist froh, dass Hago damals diese strategische Entscheidung getroffen hat.

Basis für Komplexes

Natürlich ist dies nur ein Beispiel für das inzwischen reichhaltige Schneidprogramm, das Hago tagtäglich absolviert. So werden hier auch sehr delikate, weil empfindliche Bauteile gelasert. »Die Oberflächen dieser Edelstahlbauteile dürfen auch beim Laserschneiden keinesfalls beschädigt werden. Dafür sorgen unsere Spezialisten an den Maschinen, die ein großes Know-how in der Bearbeitung auch sensibler Bauteile haben«, erzählt Rainer Hack. Und natürlich ist das Laserschneiden oftmals die Basis für die unterschiedlichsten Blechbauteile und -baugruppen, die bei Hago gefertigt werden. Komplexe Schnitte für komplexe Bauteile, die zum Beispiel auf den eigenen Abkantpressen gebogen werden. Ob umformen, stanzen, biegen, scheren, ob laserschneiden, schweißen oder montieren, auf allen Gebieten ist die Hago Feinwerktechnik in Küssaberg bestens ausgestattet und kann ihren Kunden so ›fast‹ jeden Wunsch in Blech erfüllen.

Erik Schäfer

Background

Die Hago Feinwerktechnik GmbH

Gründung: 1970

Geschäftsführung: Hartmut Arzner, Rainer Hack

Gesellschafter: Hartmut Arzner, Klaus Göhrich, Rainer Hack

Mitarbeiter: ca. 500 Mitarbeiter (Stand 1/08)

Produkte: Feinstanzteile, Normalstanzteile, Strukturbauteile, Laserschneid- und –schweißteile, Großblech-Pressteile, Werkzeugbau

Zertifizierung: nach DIN TS16949

Erschienen in Ausgabe: 05/2008