Die Rohrreiniger

Technik/Rohrbearbeitung

Geschlossene Hydrauliksysteme von Agrar- und Baufahrzeugen müssen hohe Kräfte zuverlässig übertragen. Entscheidend dafür sind unter anderem perfekt gebogene, partikelfreie Leitungen, die wenig Raum beanspruchen. Das Reinigen der Rohrinnenflächen ist jedoch kniffelig. Doch es geht, wie ein Beispiel aus Österreich zeigt.

04. Dezember 2017
Dirisamer bearbeitet Rohre mechanisch, lötet und biegt sie. Mit Know-how und moderner Technik schafft es der Rohrspezialist sogar, auf klassische Weise einen 90-Grad-Winkel mit lediglich 27 Millimeter Radius an Stahlrohre mit 35 Millimeter Außendurchmesser anzubringen. Bild: Dirisamer
Bild 1: Die Rohrreiniger (Dirisamer bearbeitet Rohre mechanisch, lötet und biegt sie. Mit Know-how und moderner Technik schafft es der Rohrspezialist sogar, auf klassische Weise einen 90-Grad-Winkel mit lediglich 27 Millimeter Radius an Stahlrohre mit 35 Millimeter Außendurchmesser anzubringen. Bild: Dirisamer)

Wenn es darum geht, Rohre in Form zu bringen, gehört Dirisamer Rohrbiegetechnik mit Sitz im österreichischen Weibern zu den besten Adressen. Seit mehr als 25 Jahren erledigt das Unternehmen diese Aufgaben mit hoher Präzision und Zuverlässigkeit. Vor allem Hersteller von Traktoren, Nutz- und Baufahrzeugen lassen ihre Rohre bei dem mittelständischen Unternehmen produzieren.

Dabei nehmen laut Geschäftsführer Florian Dirisamer die Ansprüche im Hinblick auf Sauberkeit ebenso zu wie die Komplexität der Rohre. Diese müssen teilweise noch mechanisch bearbeitet, gelötet, geschweißt und so angepasst werden, dass sie sich auf kleinstem Raum verbauen lassen. Immer häufiger müssen die Tüftler an die Grenzen der dreidimensionalen Machbarkeit gehen, um extrem eng und dennoch kostengünstig zu biegen. Der Geschäftsführer sieht genau darin die Stärke seines Betriebs.

Auf traditionelle Weise biegen

Florian Dirisamer erklärt: »Aktuell biegen wir große Stahlrohre mit 35 Millimeter Außendurchmesser um 90 Grad mit einem Radius von lediglich 27 Millimetern. Die meisten Mitbewerber wenden dafür aufwendige, teure Verfahren an. Wir erledigen diese Aufgabe dank unserer erfahrenen Mitarbeiter mit ein paar Tricks auf traditionelle Weise und verschaffen unseren Kunden dadurch Kostenvorteile.« Qualitätsleiter Christian Stuhlberger fasst die Kostenvorteile in Zahlen: »Die Basisinvestition für Werkzeuge und so weiter liegt bei uns um fast 80 Prozent niedriger als bei Wettbewerbern. Zudem sind wir bei der Rohrherstellung um rund zehn Prozent schneller als mit anderen Verfahren.«

Da es sich bei den hydraulischen Vorrichtungen in Fahrzeugen der Agrar- und Bauindustrie immer um geschlossene Systeme handelt, von denen eine immer höhere Leistung erwartet wird, nimmt auch die Bedeutung der Sauberkeit zu. Je größer die zu übertragenden Drücke sind, desto exakter müssen Ventile schließen.

Verunreinigungen, die die Dichtigkeit verhindern könnten, müssen entfernt werden. Dementsprechend ist an den Rohrinnenseiten eine definierte technische Sauberkeit zwingend erforderlich. Lange Zeit war dafür der sogenannte ›Rohrbeschuss‹ das Mittel der Wahl. Bei diesem von Hand auszuführenden Verfahren wird ein Pfropfen mit Druckluft durch die Leitung geschossen, der sämtliche Partikel hinausbefördert. Christian Stuhlberger erläutert: »Das Prinzip funktioniert auch heute noch, ist aber personalintensiv und nicht unbedingt prozesssicher. Außerdem erhalten wir zunehmend Anfragen von Kunden, die ihre Rohre nach der Reinigung konserviert haben wollen, um Korrosion auszuschließen. Das lässt sich auf diese Weise natürlich nicht machen.«

Lösung kommt aus Königsbrunn

Auf der Suche nach der passenden Lösung stieß der Qualitätsleiter im Frühjahr 2016 auf die österreichische Niederlassung von Pero, die ihren Stammsitz im bayerischen Königsbrunn hat. Das familiengeführte Unternehmen stellt leistungsstarke Teilereinigungsanlagen für den industriellen Einsatz her. Außerdem erledigt Pero auch Lohnreinigungsarbeiten. Genau diese Dienstleistung hatte Christian Stuhlberger ursprünglich im Sinn, als er sich mit dem Pero-Vertriebsingenieur Josef Deutsch in Verbindung setzte. Da die bis knapp einen Meter langen und sperrigen Rohre jedoch nicht in das Teilespektrum der Lohnreinigung der steirischen Pero Innovative GmbH passen, war schnell klar, dass der oberösterreichische Rohrbiegespezialist eine unternehmensinterne Lösung braucht.

Gemeinsam mit seinem Geschäftsführer verglich Christian Stuhlberger daher diverse Reinigungsanlagen und ließ verschiedenste Rohre aus dem eigenen Portfolio probereinigen. Auch hierfür wurde Pero angefragt. Als einziger Anbieter plädierte das Königsbrunner Unternehmen für eine geschlossene Anlage mit Lösemittel.

Die Ergebnisse waren hervorragend – nicht zuletzt dank des mehrmaligen Flutverfahrens in Kombination mit Ultraschall, der im Hochvakuum besonders effizient arbeitet. Auch der Einsatz von Magnetkerzen in der Hauptstrom-Filtrierung war hierbei hilfreich, wie Josef Deutsch erläutert: »Dadurch werden magnetische Metallspäne festgehalten, was die Belastung der Filtereinsätze reduziert und sie länger verwendbar macht.« Das eingebaute Konservierungsbad löst darüber hinaus eine weitere Aufgabe für Dirisamer: Die gereinigten Produkte können bei Bedarf im gleichen Durchgang konserviert werden.

Schon während der ersten Tests wurde für Christian Stuhlberger deutlich, dass Pero besondere Anlagen baut und fachliche Kompetenz mitbringt. Er berichtet: »Josef Deutsch hat uns durchwegs sachlich beraten und unterstützt. Von Vorteil ist hierbei sicherlich, dass Pero sowohl Anlagen mit wässrigen Medien als auch solche mit Lösemitteln anbietet. Dadurch sind die Berater objektiv.« Dirisamer profitiert jetzt von den Vorteilen der lösemittelbasierenden Reinigung, die insbesondere beim Späneabtransport und bei der Trocknung der Rohrinnenflächen zum Tragen kommen.

Mit der modular aufgebauten ›Pero R2B‹ wurde im März 2017 eine Lösung in Betrieb genommen, die ein breites Teilespektrum reinigen kann. Selbst sperrige Produkte passen in die 920 Millimeter tiefen Warenträger der B-Arbeitskammer. So können gebogene Rohre mit einer gestreckten Länge von weit mehr als einem Meter gereinigt werden. Die geschlossene Lösemittelanlage arbeitet mit modifiziertem Alkohol, der täglich im Destillator aufbereitet wird und nahezu keinen Verlust aufweist. Durch doppelte Feststofffiltrierung pro Programmschritt und eine zusätzliche Bypass-Filtrierung erreicht die Pero R2B stets zuverlässig die geforderte technische Sauberkeit. Das bedeutet: Sie lässt häufig nur Partikel mit einer maximalen Größe von 400 bis 600 Mikrometern zu, die bei zehn Bauteilen in Summe das Gewicht von 1 bis vier Milligramm nicht überschreiten – solange nicht noch höhere Anforderungen zu erfüllen sind.

Nachweisbare Sauberkeit

Was Pero bereits bei ersten Tests im unternehmenseigenen Kompetenzzentrum nachweisen konnte, bestätigt Florian Dirisamer inzwischen im täglichen Einsatz – bei eigenen, aber auch bei Fremdprodukten, die das Unternehmen jetzt selbst als Lohnreiniger säubert: »Wir arbeiten im Zweischichtbetrieb und lasten die Anlage im Eigenbedarf nicht komplett aus. Deshalb bieten wir unsere Reinigungstechnik und unser Wissen auch anderen Unternehmen an, die ihre Produkte sauber und rostfrei brauchen.«

Dabei kann der österreichische Rohrspezialist seinen Kunden die erzielbare Sauberkeit versichern. Möglich ist dies, weil das Unternehmen direkt neben der Pero R2B ein Restschmutzlabor installiert hat. Hier werden zum einen bei Serienproduktionen regelmäßige Stichproben durchgeführt. Zum anderen wird beim Einfahren neuer Produkte geprüft, welches Reinigungsprogramm sich am besten eignet.

Florian Dirisamer dazu: »Wir haben Hunderte verschiedene Rohre und Leitungen, die sich vor allem in puncto Geometrie, Länge, Durchmesser, Material, Reinigungsaufgabe und Reinheitsanforderungen unterscheiden. Unsere Spezialisten wissen meistens schon im Vorfeld ziemlich genau, welches unserer 18 Programme sich am besten eignet. Dank des Restschmutzlabors können wir das nun auch gesichert belegen.«

Zahlen & Fakten

PERO, mit Hauptsitz in Königsbrunn bei Augsburg, wurde 1953 von Peter Erbel gegründet und erwirtschaftet mit rund 200 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 30 Millionen Euro.

Das Unternehmen stellt modular aufgebaute Teilereinigungsanlagen für den industriellen Einsatz her, die auf Basis von Lösungsmitteln oder wässriger Medien arbeiten. Sie entölen, entfetten und reinigen Werkstücke verschiedenster Art und sorgen bei Bedarf für gleichmäßigen Korrosionsschutz.

Neben hochwertiger Technik zeichnet sich Pero ebenso durch eine umfangreiche Beratung und Prozessbegleitung aus wie auch durch einen qualifizierten Service.

Erschienen in Ausgabe: 07/2017