Die Maschine, die zum Bauteil kommt

Ingenieurwissenschaftler aus dem Produktionstechnischen Zentrum Hannover der Leibniz Universität Hannover entwickeln mit einer Exist-Gründungsförderung die erste mobile und präzise Werkzeugmaschine. Anfang 2015 hat das damals noch zweiköpfige Team den Hannoverimpuls-Startup-Preis gewonnen. Die Idee ist es, eine kleine, handliche Maschine zu bauen, die präzise und mobil ist, die sich am Bauteil festhält und sich an oder auf ihm fortbewegt; eine Maschine, die als Fünf-Achs-Fräsmaschine ausgelegt ist, aber auch Optionen zum 3D-Drucken oder Nieten mitbringt.

04. Mai 2016

Eine Dreiviertelmillion Euro steht dem Team jetzt zur Verfügung, um aus ihrem selbst gedruckten Demonstrator, der es immerhin schon mit Kunststoff aufnehmen kann, einen echten Prototypen zu entwickeln und dann in die Selbstständigkeit zu starten.

Die Idee ist zugleich einfach und kaum zu glauben. Thomas Krawczyk, einer der drei Entwickler vom Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW): „Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein paar Löcher in Ihre Wand bohren und bringen Ihr Haus deshalb zur Bohrmaschine.“ Wenn seine Zuhörer die Stirn runzeln, macht er seinen Punkt: „So ist es zur Zeit bei Bauteilen, beispielsweise solchen für Schiffe oder Windkraftanlagen: Sie werden zur Werkzeugmaschine gebracht. Wir finden, es sollte umgekehrt sein.“

Maschinenentwickler Dominik Brouwer, Wirtschaftsingenieur Thomas Krawczyk und Daniel Niederwestberg für die Entwicklung der Anwendungstechnologie wollen ihren Prototypen bereits Ende 2016 für die Automobilindustrie am Start haben. Aktuell haben sie fünf potenzielle Kunden, deren Anregungen und Wünsche sie mitberücksichtigen werden. Aber gerade im Bereich Qualitätssicherung sind sie sehr daran interessiert, weitere Anregungen für kommende Aufgaben der mobilen Maschine zu bekommen.

Maschine mit "Schuhen"

Die mobile Maschine ist modular aufgebaut. Sie kann ihre Festhaltevorrichtungen wie Schuhe wechseln. Sowohl das äußere Gehäuse als auch das Spindelgehäuse haben solche Schuhe – die sich beispielsweise magnetisch festhalten können –, und so kann sich jeweils der eine Maschinenteil gegen den anderen verschieben und so die ganze mobile Maschine wie eine Raupe am Bauteil entlangbewegen.

Über ein externes Lasermesssystem kann sie sich äußerst genau positionieren. „Zurzeit liegt unser Schwerpunkt auf dem Fräsen mit hoher Genauigkeit“, erläutert Krawczyk, „aber letztlich ist es egal, ob wir eine Spindel, einen Druckkopf oder eine Nietvorrichtung in unser mobiles Konzept integrieren.“ Ein bisschen Zukunftsmusik, aber durchaus ernst gemeint ist eine grafische Animation, die zeigt, wie ein halbes Dutzend mobiler Maschinen einen kompletten Flugzeugrumpf druckt.

Tolle Idee mit hoher Expertise

Professor Berend Denkena, Leiter des IFW und großer Unterstützer des Vorhabens, ist ausgesprochen stolz auf „sein“ Exist-Team: „Die Mitarbeiter verbinden eine tolle Idee zur richtigen Zeit mit exzellenter Maschinenbau-Expertise und visionärem Weitblick.“