Die Kundenversteher

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Richtmaschinen - Jeder Verkäufer lernt, »dem Kunden aufs Maul« zu schauen. Doch ­zwischen dem Gelernten und der Wirklichkeit klaffen oftmals Welten. Ganz anders erging es HFS mit seiner Arku Hochleistungsrichtmaschine.

07. April 2009

Wenn ein Mittelständler, wie das Stahlservice-Center HFS aus Hagen, Geld für eine große Investition in die Hand nimmt, dann muss die Lösung 100 Prozent auf seine Wünsche zugeschnitten sein und auf Anhieb passen. So auch bei der Mitte 2008 in Betrieb gegangenen neuen Querteilanlage, für bis zu 2.100 mm breites und bis zu 4 mm dickes Stahlband für die Fertigung von Zuschnitten direkt vom bis zu 40 Tonnen schweren Coil. Das Technikverständnis der Hagener Feinblechspezialisten behagte jedoch nicht jedem Anlagen- und Maschinenbauer, denn die Anforderungen an jede einzelne Anlagenkomponente waren detailliert und hoch. »Wir wollen in der Lage sein, höherfeste Stahlgüten prozesssicher richten und zuschneiden zu können – und das muss die Anlage auf Dauer können«, begründet der HFS-Geschäftsführer? Technik, Andreas Ducke, das schon fast penible Anforderungsprofil. Und gerade in der Richttechnik wollte das Unternehmen nichts, aber rein gar nichts, dem Zufall überlassen.

Das können wir!

Dass die Wahl hier auf Arku fiel, verdankt der Baden-Badener Maschinenbauer und Richtmaschinenexperte gleich mehreren Faktoren. Zum einem sprachen Arku-Chef Albert Reiss und HFS Technik-Chef Andreas Ducke auf der Euroblech 2006 auf dem Arku-Messestand über das Richten. Hier hatte Andreas Ducke die Teilerichtmaschine FlatMaster entdeckt, die auch mit höchstfesten Stahlgüten größerer Blechstärken mühelos zum perfekten Richtergebnis kam, und er erlebte, dass man bei Arku nicht die Lösung von der Stange aus dem Ärmel zauberte, sondern ganz genau zuhörte. Der Faktor Zuhören, gepaart mit der technischen Vorstellungskraft des auf HFS angesetzten Arku-Konstrukteursteams, und die anschließende Umsetzung durch die Arku-Techniker und Monteure führten zu einer Richtmaschine, von der HFS mit Fug und Recht behaupten kann, dass sie exakt auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

»Arku ist Mittelständler wie wir, und wir hatten sofort im Gefühl, dass wir von diesem Unternehmen unbürokratisch Hilfestellung erwarten können, wenn irgendetwas klemmt. Zudem war Arku der einzige Maschinenbauer, der uns glaubhaft versichern konnte, unsere Anforderungen zu erfüllen. Dass die Maschinenbauer so stark auf unser zugegebenermaßen außergewöhnliches Anforderungsprofil konstruktiv eingegangen sind, sehen wir nicht als selbstverständlich an und bestätigt unseren ersten Eindruck, den wir uns von Arku gemacht hatten«, lobt Andreas Ducke, der Arku zusammen mit den HFS-Inhabern, Gerhard Mohme und Ewald Moll, besucht hatte. »Mir fiel beim Besuch von Arku auf, dass die Leute sogar die Kranbahnen in der Halle putzten. Das hat mich sehr positiv beeindruckt und mir gezeigt, dass hier auf viele Details geachtet wird.

Die Sauberkeit in der Halle zeigte mir, dass man hier auch Hightech erwarten kann und nicht etwa verschmutzte Wälzlager, die irgendwann zum Ausfall von Maschinenkomponenten führen könnten«, gerät Andreas Ducke fast ins Schwärmen. Und da von der stabilen Konstruktion bis zum perfekten Richtergebnis bei der Arku HiCap 70 Plus alles gegeben war, was Kunde HFS forderte, kam es zur Auftragsvergabe. Und von dort bis zur Aufstellung und Inbetriebnahme lief alles tadellos. Die Verknüpfung der einzelnen Anlagenkomponenten, wie Coil-Ladestuhl, Haspel, Hochleistungsrichtmaschine, Schere und Abstapeleinheit übernahm HFS höchstselbst. »Wir hatten da ganz bestimmte Vorstellungen und eben schon Erfahrung«, sagt Andreas Ducke. Auch ein Blick auf den Produktionsablauf bei HFS lohnt, denn der Materialfluss ist logistisch sehr clever gelöst. Zwei Querteilanlagen werden von einem gemeinsamen Coil-Lager aus beschickt, das von einer Hallenseite aus durch LKW beliefert wird. Die fertig gestapelten und gebunden Platinen verlassen — ebenso auf LKW — die Halle auf der anderen Seite. Diese Logistik gewährt eine reibungslose Materialzu- und Fertigproduktabfuhr — niemand wird durch den gerade stattfindenden Materialtransport auf seiner Seite in seiner Arbeit gebremst.

Antriebssache

Wenngleich Andreas Ducke den EcoPlan-Antrieb der neuen HiCap-Plus-Hochleistungsrichtmaschine nicht extra anspricht, soll der Stolz der Arku-Techniker hier nicht unerwähnt bleiben. Das patentierte Antriebskonzept EcoPlan liefert laut Arku 30 Prozent mehr Leistung bei gleichem Energiebedarf gegenüber herkömmlichen Richtmaschinenantrieben. Zusätzlich verhindert dieser Antrieb Schlupf. So entstehen beim Richten keine Markierungen auf der Blechoberfläche. Für weiteren Oberflächenschutz sorgen Zwischenwalzen, die dafür verantwortlich sind, die Richtkräfte gleichmäßig auf die Richtwalzen und damit auch auf das Richtgut zu verteilen.

Da HFS jedoch vermehrt auch hochfeste Stahlgüten verarbeitet, limitiert sich der Dickenbereich, der mit einer Richtkassette richtbar ist. Daher hat HFS gleich zwei Arku-Richtkassetten, eine mit 45-mm- und eine mit 70-mm-Richtwalzen. Jede Richtkassette ist mit Zwischenwalzen sowie bester Abstützung ausgestattet und lässt sich innerhalb von nur wenigen Minuten austauschen. Somit ist HFS in der Lage, seinen Kunden auch einmal Kleinlose anbieten zu können, wenn die ein paar Blechplatinen etwa zu Versuchszwecken oder für den Prototypenbau benötigen.

Feintuning

Auch in Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrise fährt man bei HFS derzeit noch in zwei Schichten. »Dass wir in zwei Schichten fahren, ist üblich«, so Andreas Ducke, wenngleich sein Unternehmen die Probleme einiger Kunden sicher auch spürt. »Wir sind glücklicherweise sehr breit aufgestellt, was unsere Kunden angeht. Etwa 20 bis 25 Prozent kommen aus dem Automobilbereich«, sagt der geschäftsführende Gesellschafter von HFS, Wilhelm Sauer. Und dass in den letzten drei Jahren ein fulminantes Umsatzplus zu verzeichnen war und das Unternehmen solide gewirtschaftet hat, zahlt sich in dieser unsicheren Zeit klar aus. »Und da wir nicht voll fahren müssen, bleibt uns die Zeit zum Feintuning unserer Anlagen«, meint Andreas Ducke und der technische Leiter des Richtmaschinenbauers Arku, Ewald Hund, schmunzelt, denn durch diese Kundenerfahrungen kann er auch den Arku-Ingenieuren immer neue Impulse mit auf den Weg geben, die dann direkt in die Entwicklung folgender Richtmaschinengenerationen mit einfließen können. Die offene Art, auf die Kunden und ihre Probleme zuzugehen, hat Arku nicht nur zu Kundenverstehern gemacht, sondern zu einem Unternehmen, das in Sachen Richttechnik das breiteste Produktportfolio anbieten kann.

Erik Schäfer

Die Serviceprofis

Die Hagener Feinblech Service GmbH, 1992 von Ewald Moll und Gerhard Mohme mit sieben Mitarbeitern als Stahlserviceunternehmen gegründet, beschäftigt heute 80 Mitarbeiter. Bereits 1993 wurde die erste und 1998 die zweite Querteilanlage angeschafft, diesmal mit Vakuum-Abstapelanlage, um auch NE-Metallebearbeiten zu können. 2008 wurde die neue Querteilanlage in Betrieb genommen, ausgestattet mit einer Arku-Hochleistungsrichtmaschine HiCap 70 Plus. HFS liefert in den gesamten EU-Raum, die Türkei und nach China. Neben längs- und quergeteilten Rechteck- und Quadratformaten liefert HFS auch Formzuschnitte vom Coil als Trapez-, Dreieck- oder Rautenschnitte bis 25° Winkelstellung sowie Spaltband.

Das Stahlservice-Center liefert Coils, Feinbleche, Feinblechzuschnitte und Spaltband in den Güten Warmbreitband gewalzt, kaltgewalzt, elektrolytisch- oder feuerverzinkt, feueraluminiert, Alu-Zink, kunststoffbeschichtet sowie Sondergüten. Auf den Querteilanlagen können Dicken von 0,4 bis 4 mm, Breiten bis 2.100 mm und Längen bis 9.000 mm bearbeitet werden. Coils bis 2.200 mm Breite, 2.340 mm Außendurchmesser und maximal 40 Tonnen Gewicht können auf den Anlagen von HFS verarbeitet werden. Auch Kleinmengen kann HFS liefern.

Die Kundenversteher

Arku aus Baden-Baden, einer der führenden Richtmaschinenhersteller in Deutschland, hat ein breites Spektrum an Richtmaschinen, von der Teilerichtmaschine bis zu komplexen Anlagen mit Hochleistungsrichtmaschinen auch für hoch- und höchstfeste Stahlgüten. Das Unternehmen mit 120 Mitarbeitern wird in dritter Generation von Albert Reiss geführt und befindet sich vollständig in Familienbesitz.

Erschienen in Ausgabe: 3-4/2009