Im Trend liegen den Fachleuten zufolge einfache, kostengünstige und leicht nachrüstbare Lösungen für die Digitalisierung und Vernetzung der Pressen sowie für das Condition Monitoring. In den kommenden Jahren dürften Servo-Pressen weitere Marktanteile gewinnen, nicht zuletzt aufgrund komplexer werdender Prozesse, so die Experten. Wachstumschancen werden vor allem in Asien und den Nafta-Ländern gesehen.

Die Aufgaben der Werkzeugspanntechnik könnte in Zukunft über das reine Optimieren und Automatisieren von Rüstzeiten hinauswachsen. So wird Industrie-4.0-tauglichen Spannelementen eine wichtige Rolle zugeschrieben, um bei komplexer werdenden Prozessen zusätzliche Funktionen im Werkzeug steuern zu können und das Condition Monitoring mit Daten zu versorgen.

Großer Werkzeugeinbauraum notwendig

»Von den Auswirkungen der Elektromobilität sind eher Kunden betroffen, die Motorentechnik oder Antriebsstrangkomponenten fertigen, uns tangieren die Auswirkungen weniger«, erklärt Bernd Moritz, Geschäftsführer von Simpac Europe. Zwar fallen mit dem Verbrennungsmotor Abgas- und Antriebskomponenten weg, aber »auch Elektroautos brauchen Karosserie- und Strukturteile, Metallgehäuse für Batterien oder Elektrobleche für Motoren, wie sie auf unseren Pressen entstehen«, hebt Simon Scherrenbacher, stellvertretender Pressesprecher von Schuler, hervor. Wolfgang Wiedenmann, stellvertretender Vertriebsleiter von Andritz Kaiser sieht die Lage ähnlich: »In der Summe gleichen sich Verluste und Gewinne aus.«

Um aus besonders dünnen Elektroblechen leistungsstarke Elektromotorenpakete herstellen zu können, werden oft komplexe Folgeverbundwerkzeuge mit vielen Stationen eingesetzt. Hierfür werden Maschinen mit einem großen Einbauraum benötigt, in denen die längeren Werkzeuge aufgespannt werden können. Entsprechende Pressen bieten alle Hersteller.

Vernetzt und vorausschauend gewartet

Für die kommenden Jahre prognostiziert Simpac-Geschäftsführer Bernd Moritz: »Werkzeuge gewinnen an Komplexität, weil mehr Operationen integriert werden. Daher sind Servopressen unverändert das favorisierte System, das weltweit Marktanteile gewinnen wird.« Daneben werden die Themen Industrie 4.0, Condition Monitoring und Predictive Maintenance in Zukunft weiter forciert.

Eine ähnliche Entwicklung sieht Gottfried Ebneter vom Schweizer Hersteller Bruderer: »In den nächsten Jahren wird sich die Servo-Technologie auch bei Stanzmaschinen weiter durchsetzen. Die Kompetenz bei den Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 erwarten Kunden vom Maschinenlieferanten, da sie selber noch wenig Know-how auf diesem Gebiet haben.«

Allerdings schränkt Ebneter ein, dass viele Fragen noch nicht geklärt seien: »Zwar sammeln wir häufig Daten, wissen aber oft noch nicht genau, wem diese Daten gehören und wie wir sie sinnvoll nutzen können. Außerdem fehlen die Businessmodelle, die Kosten und Leistungen bei Industrie-4.0-Anwendungen zufriedenstellend definieren. Auch das Thema Cybersicherheit ist noch nicht befriedigend geklärt.«

Dass die sinnvolle Nutzung von Daten kommen wird, ist jedoch unstrittig. »In Zukunft sehen wir vor allem die Digitalisierung als wichtiges Thema«, wird auch beim italienischen Pressenbauer Aida hervorgehoben. Michele Archenti, Sales and Marketing Manager, und Stephane Muesser, Sales Product Manager, räumen aber ein: »Heute stehen wir am Anfang, wir lernen erst, wie wir Daten effizient nutzen können.«

Daten am Pressenstößel sammeln

Wie die Hersteller, so bereitet sich auch der Spanntechnikspezialist Roemheld auf die Digitalisierung der Pressen vor. Zur Blechexpo zeigte er erstmals eine neue Baureihe des Schnellspannsystems ›Flexline‹, das sich für eine vorausschauende Wartung und den Einsatz in Industrie-4.0-Anwendungen eignet.

Das Element spannt nicht nur Werkzeuge vollautomatisch, es misst auch Spannkräfte am Pressenstößel in Echtzeit und leitet die Daten an die Maschinensteuerung weiter. Daher kennt der Bediener jederzeit die reale Spannkraft am Werkzeug; eine Überlast am Spannelement und am Werkzeug, das Auftreten ungewöhnlicher Aufreißkräfte, Werkzeugbrüche und Verschleißerscheinungen erkennt er sofort. Der Spannkraftverlauf wird zudem protokolliert, wodurch die Fehleranalyse erleichtert wird und im Servicefall eine schnelle Lösung möglich ist.

Da das Schnellspannsystem modular aufgebaut ist, lässt es sich auf vielfältige Weise konfigurieren und auf nahezu allen Pressenmodellen und für jedes Werkzeug einsetzen. Neben der Erstinstallation ist es auch zum Nachrüsten geeignet. Außerdem kann es in der Automatisierung von Pressenstraßen eingesetzt werden.