Dicht mit Bleiblech

Technik

Einsatzmöglichkeiten gibt es für Walzblei viele, da es sich flexibel den Gegebenheiten anpasst. Dabei gilt es Fehler im Vorfeld zu vermeiden.

08. Juni 2011

Walzblei eröffnet Handwerkern vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Der Werkstoff lässt sich vor Ort flexibel den Gegebenheiten anpassen. Wer die grundlegenden Verarbeitungsregeln befolgt, erzielt langlebige und wartungsfreie Ergebnisse, da nur selten Schäden an Bauteilen auftreten. Viele Fehlerquellen lassen sich einfach erkennen und vermeiden.

Thermische Veränderungen führen dazu, dass sich Walzblei ausdehnt oder zusammenzieht. Bleibt dieser Umstand bei Planung und Verarbeitung unberücksichtigt, können im Laufe der Zeit Schäden an den Bauteilen auftreten. Die Gütegemeinschaft Saturnblei e.V. weist auf die häufigsten Verarbeitungsfehler hin und nennt wirksame Praxislösungen.

Genaue Verarbeitung

Einer dieser Fehler sind zu große Einzelstücke. Werden zu lange Schare verlegt, kann es zu Aufstauchungen oder Längendehnungen kommen. Die Folge sind Risse, aus denen Löcher entstehen können. Durch die Beachtung maximal zulässiger Zuschnittsgrößen kann temperaturbedingte Rissbildung vermieden werden. Als Faustregel für glattes Walzblei bei An- und Abschlüssen gilt: Bei einer Materialstärke von 1,25 mm darf die Länge des Bleiblechs maximal einen Meter betragen.

Wird bei einer Verbindung der doppelte Stehfalz zu eng zusammengepresst, kann es zu querwellenförmigen Aufstauchungen kommen. Zu stramme Befestigungen können zu Aufbeulungen führen, die Risse und Löcher nach sich ziehen können. Daher sollten Handwerker thermisch bedingte Toleranzen immer mit bedenken. Direkte und indirekte Befestigungen sind so zu kombinieren, dass eine spannungsfreie Ausdehnung des Materials möglich ist.

Die natürliche Patina von Walzblei als Feuchtigkeitsschutz bildet sich erst nach rund sechs Wochen aus. Dringt während der Lagerung Regen- oder Tauwasser zwischen die Bleibleche, kann dies zu bräunlichen Verfärbungen führen. Kommt frisch verlegtes Walzblei mit Regen in Kontakt, bilden sich Schlieren. Daher sollte während des Transports und der Lagerung Walzblei sicherheitshalber mit Folie abgedeckt werden.

Unmittelbar nach dem Verlegen der Bleibleche ist die Behandlung mit Patinieröl nötig. Haben sich infolge von Regen bereits erste Flecken gebildet, lassen sich Bleibleche innerhalb von 24 Stunden nachträglich patinieren und eine Schlierenbildung meist abwenden.

Die Schwierigkeit bei Fugen an Dach und Fassade besteht darin, die Übergänge von Metallarbeiten zum Mauerwerk sicher und dauerhaft abzudichten. Bei herkömmlichen Dichtungsmaterialien ist dafür eine intensive Wartung notwendig.

Dicht und wartungsfrei

Bleiwolle, so die Gütegemeinschaft, ist ein wartungsfreies Dichtungsmaterial. Regelmäßige und zeitraubende Materialkontrollen sind nicht mehr erforderlich. Bleiwolle ist daher laut die ideale Ergänzung zu Saturnblei. Das Material passt sich flexibel an Baufugen unterschiedlicher Art und Größe an und bietet nachhaltige Stabilität. Im Vergleich zu Mörtel verfügt Bleiwolle über eine ausgewiesene Plastizität. Damit kommt das Material vor allem als Dichtungsmittel von Bleiblechanschlüssen in Mauerwerksfugen in Betracht. Der Werkstoff bildet eine homogen abdichtende Sperrschicht und isoliert dadurch verlässlich gegen eindringende Feuchtigkeit. Dabei wird das Material durchlaufend verstemmt. Das Ergebnis ist eine dezente und glatte Metallfuge, die auch hohen ästhetischen Ansprüchen gerecht wird.

Mit Bleiwolle lassen sich auch schwer zugängliche Stellen oder Spalten bei Durchbrüchen für Versorgungsleitungen sicher abschirmen. Die erforderliche Menge an Bleiwolle ist abhängig von der Fugengröße und den Arbeitsbedingungen am Einsatzort. Die zu erzielende Dichte beträgt bis zu 11,0 kg/dm³. Das Material verfügt über eine nahezu unbegrenzte Lebensdauer. Als universelles Dichtungsmaterial sichert es Planern und Handwerkern die Qualität ihrer Arbeiten.

Hintergrund

Bleche aus blei zählen zu den ältesten und haltbarsten Baumaterialien überhaupt. Im Laufe der Zeit wurden sie für vielfältige Anforderungen und Anwendungsbereiche durch neue Legierungen ständig weiter entwickelt und verbessert. Dank innovativer Techniken ist schließlich ein Baumetall entstanden, das durch seinen Reinheitgrad und ganz spezielle Zulegierungen einen außergewöhnlich hohen Qualitätsstandard erreicht hat.

Bleiwolle ergänzt Bleibleche und dient häufig als Befestigungsmittel von Bleiblechanschlüssen in Mauerwerksfugen. Mit einer gewissen Plastizität passt es sich Materialbewegungen an.

Erschienen in Ausgabe: 03/2011