Deutsche Produktion wandert nach Osteuropa und China

Deutsche Manager vorsichtiger als Kollegen aus anderen europäischen Ländern

09. Januar 2009

Etwa jedes siebte deutsche Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes verlagerte zwischen 2004 und 2006 erhebliche Teile seiner Produktion ins Ausland – insgesamt rund 6.600 Betriebe. Wichtigste Zielländer waren und sind die neuen EU-Staaten in Osteuropa, wofür sich mehr als die Hälfte der Betriebe bei der Wahl eines neuen Standortes entschieden. Nur knapp ein Viertel wanderte nach China ab. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung im Auftrag des VDI Verein Deutscher Ingenieure. „Glücklicherweise ist der Trend zur Standortverlagerung ins Ausland seit etwa vier Jahren gebremst“, sagt VDI-Direktor Dr. Willi Fuchs: „Die trügerische Euphorie der 90er Jahre ist einer nüchternen Betrachtung gewichen – denn in den meisten Fällen ist die Rechnung nicht aufgegangen.“ Nur selten seien unter dem Strich durch die Produktion im Ausland Kostensenkungen zu erzielen, wie Untersuchungen belegten. Der Grund: Viele indirekte und versteckte Kosten würden bei den Plänen nicht berücksichtigt. Fuchs: „Trotzdem gehen Deutschland immer noch Jahr für Jahr rund 74.000 Arbeitsplätze aufgrund von Standortverlagerungen verloren – die Frage ist: Muss das so sein?“

Für die Umsiedelung von Produktion nach China sind laut Studie bei etwa 70 Prozent der deutschen Unternehmen niedrigere Löhne das entscheidende Argument. Nicht sehr weit entfernt folgen jedoch bereits mit 55 beziehungsweise 44 Prozent die offensiv-strategischen Motive „Markterschließung“ und „Kundennähe“.