Der Turbo im Stanzwerkzeugbau

Fokus/CAD-CAM

Folgeverbundwerkzeuge sind hochkomplexe Gebilde, deren Konstruktion sehr aufwendig ist. Ein speziell für den Werkzeugbau entwickeltes, durchgängiges CAD-CAM-System beschleunigt die Konstruktion und Fertigung der Stanzwerkzeuge erheblich.

07. Mai 2014

Wenn es um Stanztechnik im Highend-Bereich geht, ist Kleiner eine wichtige Adresse. Ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgskonzepts der Pforzheimer ist der hauseigene Werkzeugbau. Hier entstehen im Schnitt pro Jahr über 60 hochkomplexe Folgeverbundwerkzeuge, die seit der Einführung der 3-D-Werkzeugbau-Lösung ›Visi‹ in noch kürzerer Zeit komplett konstruiert und NC-programmiert werden.

Vor rund drei Jahren wurde die Konstruktion auf die CAD-CAM-Lösung Visi und damit komplett auf 3-D umgestellt. »Wir fühlten uns mit Visi sofort wohl, nicht nur weil es extrem leicht und quasi intuitiv bedienbar ist, sondern weil die speziellen Module für den Stanzwerkzeugbau schon lange auf dem Markt waren und einen sehr ausgereiften Eindruck machten«, blickt Frank Chojinski, Mitglied der Geschäftsleitung von Kleiner, zurück. »Heute konstruieren wir bei Neuaufträgen ausschließlich in 3-D mit Visi, das für unsere Aufgaben quasi wie maßgeschneidert ist.«

Aktuell gibt es bei den Pforzheimern in der Konstruktion 14 Arbeitsplätze, auf denen ›Visi Modelling‹ zusammen mit dem Schnitt- und Stanzwerkzeug-Modul ›Visi Progress‹ (Abwicklung, Streifenlayout, Werkzeugaufbau) installiert ist, ergänzt durch einen Visi-Arbeitsplatz zur Kalkulation in der Angebotserstellung. Hinzu kommen noch drei Visi-Installationen in der Fertigung, die derzeit zur NC-Programmierung der Fräsmaschinen dienen.

Aktuell werden in Pforzheim nur die Fräsprogramme mit Visi-Machining erzeugt, die Einbindung der neun Drahterodiermaschinen mit ›Visi Peps Wire‹ (mit zwei und vier Achsen) ist geplant. Die Programme für die vier CNC-Maschinen werden vom Bereichsleiter im Fräsbereich erstellt, der mit Visi Machining beispielsweise auch festlegt, welche Komponenten sich in einem Arbeitsgang zusammenfassen lassen.

Eine Ausnahme bilden das Hartfräsen und das Fräsen der Kupferelektroden. Diese beiden Bearbeitungen finden in einem Extra-Raum auf einer Dreiachsmaschine statt. Hier steht deshalb auch der dritte Visi-Machining-Arbeitsplatz, an dem der Maschinenbediener selbst die NC-Programme schreibt, während die Maschine fräst.

Da in Visi beim Konstruieren und bei der NC-Programmierung mit dem selben CAD-Modell gearbeitet wird, ist sowohl die Durchgängigkeit als auch die Interoperabilität der Daten jederzeit gewährleistet.

Unterstützung leistet hier die automatische Feature-Erkennung, die in Visi mit dem Modul ›Compass Technologie‹ abgedeckt wird und bei Kleiner auf zwei NC-Arbeitsplätzen installiert ist. Bei den (Bearbeitungs-)Features handelt es sich um Regelgeometrien wie Kanten, Bohrungen, Rundungen oder Frästaschen, die das Modul Compass auswertet, wenn es auf der Basis hinterlegter Fertigungsdaten die dafür erforderlichen NC-Sätze automatisch erzeugt.

Beim für den Stanz- und Schnittwerkzeugbau typischen 2- und 2,5-D-Fräsen hat sich dank Compass der Programmieraufwand zum Teil drastisch verringert, für bestimmte Bearbeitungsaufgaben benötigt man nur noch ein Drittel der Zeit.

In naher Zukunft sind mit Visi weitere Schritte geplant, beispielsweise die Einbindung ins hauseigene ERP-System. In dem Projekt, bei dem der Visi-Distributor ›Men at Work‹ ebenfalls mit im Boot ist, tauschen Visi und SAP PLM über eine Schnittstellenlösung Stücklisteninformationen aus, was die Abläufe beschleunigt und mögliche Fehler vermeidet.

Mit Visi verfügt Kleiner über eine durchgängige Prozesskette auf Basis von 3-D-Daten, die sich aktuell von der Angebotserstellung über die Konstruktion bis hin zur NC-Programmierung im Werkzeugbau erstreckt. Von der Entscheidung, auf Visi zu setzen, ist Frank Chojinski mehr denn je überzeugt: »Dank der leichten Bedienbarkeit und der exakt auf den Werkzeugbau abgestimmten Funktionen können wir jetzt ganz anders an Projekte herangehen. Auch bei extrem schwierigen Teilen kommen wir mit Visi in sehr kurzer Zeit zum gewünschten Ergebnis. Das hätten wir früher kaum so schnell geschafft.«

Erschienen in Ausgabe: 03/2014